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Reisen und mehr
© Hans Schönherr

Timmis Seite

meine Tagebücher

Jahr 2019 23. Februar 2019 Stellt Euch mal vor: ich habe heute eine E-Mail bekommen von Bruno! Es ist kaum zu glauben - Bruno ist ein richtiger Bruder von mir aus dem gleichen Wurf. Somit sind auch beide Eltern dieselben. Wir sind also Zwillinge - genauso wie Max und Diego!!! Die E-Mail hatte folgenden Text: „Hallo Timmi, hier meldet sich dein Bruder Bruno (Elliot im Ahnennachweis). Ich habe immer mal in deine Seite geschaut, leider 2018 nichts mehr von dir gehört. Meine Alten haben ähnliche Sachen mit mir gemacht wie deine z. B. Sizilien, Norwegen, Schweden, iberischen Halbinsel umrundet. Wie geht es dir? Ich bin ein ziemlich ruhiger Kunde, so wurde ich auf Wunsch meiner Alten von Renate Hibbeln auserwählt. Sie hat wohl die richtige Wahl getroffen. Meine Alten sind glücklich mit mir. Seit drei Jahren sind sie Beide in Rente und haben gaaanz viel Zeit, vorher war ich der totale Streßabbauer. Eine ganz schöne Aufgabe für mich, aber ich glaube, dass ich das geschafft habe. Sie hatten jedenfalls gute Laune, wenn wir zusammen waren. Wir würden uns über eine Nachricht freuen. Hoffentlich bald! Bis dahin Bruno, Horst und Christine aus Halle an der Saale.“ Ihr könnt Euch denken, dass ich sehr überrascht gewesen bin, als ich das hörte. Nun habe ich sogar schon drei Brüder: Diego, Max und Bruno. Das ist wirklich toll. Und offensichtlich haben die „Alten“ von Bruno das selbe Hobby wie meine: Mit dem WoMo durch die Gegend fahren und Stellen entdecken, wo wir Hunde wunderbare neue Gerüche erschnüffeln können. Vielleicht können wir uns mal treffen?!?! Rückblick auf die erste Jahreshälfte Erst am 03. August haben wir den runden Geburtstag von meinem Chef gefeiert und das, obwohl er schon im Juni Geburtstag hat. Eigentlich wollten wir ja schon im März mit dem Wohnmobil auf große Fahrt nach Korsika gehen. Doch dann wurde mein Chef sehr krank und musste operiert werden. Bis er dann wieder richtig fit war, sind etliche Wochen vergangen, und so konnten wir erst am 05. Juni losfahren. Unser Reiseziel sollte nun die Bretagne sein. Und so kam es, dass wir an seinem eigentlichen Geburtstag nicht zu Hause waren. Da mein Chef aber gerne feiert, wurde der Geburtstag nachgeholt und das mit allem Drum und Dran. Ich freue mich ja immer über Besuch, aber der „Happy-Birthday-Gesang“ geht mir ganz fürchterlich in die Ohren, und so habe ich meinen Unmut darüber durch ganz lautes Bellen zum Ausdruck gebracht. Mein Geburtstag am 30. April, an dem ich nun schon neun Jahre alt geworden bin, ist zwar auch immer etwas Außergewöhnliches, denn da nehmen wir immer viele besondere Leckereien mit, über die sich meine Kumpels und ich wie verrückt freuen: Gesungen wird da zum Glück aber nicht! Die ersten Monate vom Jahr waren irgendwie blöd. Auf den Spaziergängen morgens und abends war es über viele Wochen dunkel, oft hat es auch noch geregnet, und ich wäre am liebsten erst gar nicht vor die Tür. Aber meine Zweibeiner betonen ja immer, dass sie nur wegen mir spazieren gehen, also habe ich keine Wahl und muss mit. Auch zu Hause war es nicht immer so, wie ich es gewohnt war, denn es lag oft traurige Stimmung in der Luft, was wohl an der Krankheit von meinem Chef lag. Durch viele lustige Aktionen (z. B. Schuhe klauen, Spielzeug durch die Luft wirbeln, an den Hosenbeinen vom Chef ziehen) ist es mir aber meistens gelungen, meine Zweibeiner aufzumuntern. Im März kamen dann Helle und Ulrich aus Dänemark zu Besuch: Was für eine willkommene Abwechslung. Besonders froh war ich, als ich gemerkt habe, dass sie ihre zwei Zwergpudel-Hundedamen zu Hause gelassen hatten. Das hätte mir gerade noch gefehlt, dass die zwei durch mein Haus und meinen Garten fegen und mich dann auch noch ankläffen! So hatten wir ein gemütliches Wochenende und ganz viel Spaß zusammen. Dann war mein Chef plötzlich weg. Und meine Chefin ist jeden Tag nach Neumünster ins Krankenhaus, um ihn zu besuchen. Da war ich zwar etliche Stunden allein, aber meine Chefin ist vorher und hinterher immer ganz lange mit mir spazieren gegangen und hat mich auch sonst immer mal mit einem Rinderohr belohnt. Ende April ist mein Chef zur Reha nach Sankt Peter-Ording, und davor hatten wir häufig Besuch. Für mich gab es dann jedes Mal ein Rinderohr, vorausgesetzt aber, ich habe mich ordentlich benommen: Klappt immer, denn „himmlisch-leckere“ Rinderohren, die mein Chef extra aus Bayern importieren lässt, sind für mich der allergrößte Gaumenschmaus, und den lasse ich mir um nichts in der Welt entgehen! Im Mai bin ich mit meiner Chefin ein paarmal nach Sankt Peter-Ording gefahren, um den Chef zu besuchen. Beim Aussteigen waren immer so komische Geräusche in der Luft, das hörte sich an wie Geklapper. Ich konnte mir das überhaupt nicht erklären. Erst als unmittelbar vor mir ein Riesentier auf zwei langen Stelzenbeinen auf dem Rasen gelandet war, kam die Erkenntnis: Störche, Störche und nochmals Störche. Die saßen in ihren Nestern auf abgesägten Bäumen und klapperten um die Wette. Sowas hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Den Storch, der da so frech vor mir gelandet war, habe ich zwar gewaltig ausgeschimpft, den hat das aber einfach kalt gelassen. Was ein Wunder, er war dort zu Hause und ich nur zu Besuch. Ach ja, im Mai musste ich auch noch zum Schnupperkurs „Treibball“ in der Hundeschule. Obwohl meine Lieblingstrainerin Laura den Kurs geleitet hat, konnte ich dem Ganzen so rein gar nichts abgewinnen. Ziel sollte es sein, dass wir riesige Bälle, sogenannte Schafe in ein Tor treiben. Nun bin ich ja ein Labrador. Labradore sind eigentlich dazu da, vom Jäger erlegte Beute zu holen. Treiben und holen widerspricht sich. Also habe ich mich von Anfang an einfach nur doof gestellt und die Übungen, die wir zu Hause machen sollten, schlichtweg boykottiert. Meine Chefin hat es zwar gut gemeint, aber warum soll ich Begeisterung vortäuschen, wo keine Begeisterung ist? Als mein Chef dann wieder zurück von der Reha war, hatten wir nur noch knapp drei Wochen, um unsere Reise in die Bretagne vorzubereiten. Ich hatte dabei ja nicht viel zu tun. Ich musste lediglich kontrollieren, ob genügend Hundefutter und Rinderohren mit an Bord genommen wurde. Und sehr zu meinem Leidwesen musste ich üben, wie ich in das Wohnmobil über eine Rampe komme. Da waren Chef und Chefin sich wieder einmal einig: Reinspringen war von nun an tabu! Am Anfang kam ich mir vor wie ein uralter Greis, und ich habe mich auf der Rampe extra beeilt, damit mich auch bestimmt niemand dabei beobachtet. Bald habe ich aber gemerkt, wie bequem das ist und dass das meinen Knochen bestens bekam. Mittwoch, den 05. Juni - 13. Juli 2019 Es geht endlich los - in die Bretagne. Ich habe es mir auf meinem gepolsterten Lieblingsplatz zwischen Fahrer- und Beifahrersitz bequem gemacht, und wir sind ganz entspannt losgefahren. Als wir am frühen Nachmittag an unserem ersten Zwischenziel in Celle ankommen, sind wir beim Aussteigen erst einmal über die große Hitze geschockt, die uns empfängt. Mir zuliebe haben wir dann erst gegen Abend einen kleinen Spaziergang gemacht. Davor haben meine Zweibeiner meinen Rücken mit einem nassen Handtuch gekühlt, worüber ich ganz schön froh war. Am Freitag machen wir dann noch einen Besuch in Obertshausen bei einem langjährigen Wanderfreund meiner Zweibeiner. Ich freue mich riesig über das Wiedersehen mit Rainer, kenne ich ihn doch schon fast mein ganzes Leben lang. Er hat auch überhaupt nichts dagegen, dass ich mich erst einmal gründlich in seinem Haus umsehe. Meine Chefin mag das gar nicht, wenn ich so neugierig bin, aber es ist einfach zu spannend, alles genau in Augenschein zu nehmen. Von unseren nächsten Tagesetappen kriege ich während der Fahrt nicht so viel mit, weil ich meistens genüsslich vor mich hin döse und nur dann munter werde, wenn wir Pause machen oder einen Platz für die Nacht suchen. Auf unseren Spaziergängen habe dann immer genug Zeit, um die Gegend zu erkunden und des Öfteren mein Bein zu heben, denn es sollen ja schließlich alle Artgenossen wissen, dass ich hier gewesen bin. Nach sieben Tagen erreichen wir St. Coulomb und wollen hier ein paar Tage bleiben. Der Campingplatz liegt auf hohen Dünen mit direktem Strandzugang und einer herrlichen Aussicht für die Buchten links und rechts. Hier dürfen auch Hunde an den Strand, und so springe ich immer wieder in den Atlantik. Bei einem unserer Spaziergänge laufen wir auf einem schmalen Pfad die Klippe hoch und um den Felsen herum. Hier ist es so eng, dass meine Chefin mich vorsichtshalber an die Leine nimmt, hat sie doch tatsächlich Angst, ich könnte abstürzen! Etliche Tage sind wir jetzt schon unterwegs und mittlerweile führen wir ein richtiges Lotterleben. Bin ich zu Hause gegen 8.00 Uhr schon von meinem Morgenspaziergang zurück, werde ich hier frühestens gegen 8.30 Uhr wach. Meinen Zweibeinern geht es ebenso, was uns aber nicht weiter stört, uns treibt ja nichts. Ach ja, bevor ich es vergesse, hier in der Bretagne erreicht uns dann auch ein ganz außergewöhnlicher Anruf. Es ist die Familie von Bruno (siehe oben), die jetzt mit ihrem WoMo vor unserer Haustür in Kiel stand, weil sie auf der Durchreise waren und gedacht haben, sie könnten doch bei uns vorbeischauen, damit wir uns alle kennenlernen. Schade, dass wir nicht zu Hause waren - ich hätte doch so gerne einmal mit Bruno getobt! Unsere weitere Reise führt uns durch viele schöne Landschaften, dazwischen erkunden wir spannende Orte mit viel altem Gemäuer, und auch etliche Leuchttürme stehen auf dem Programm. Dazwischen haben wir aber immer wieder längere Faulenzerpausen auf gemütlichen Campingplätzen. In Pont Croix wollen wir auch wieder ein paar Tage bleiben, denn mein Chef hat am 26. Juni Geburtstag, und den will er nicht fahrend im Wohnmobil verbringen. Hier haben wir dann auch zwei richtig heiße Tage, an denen mich meine Zweibeiner immer wieder mit dem Schlauch nass machen: Was für eine Wohltat! Bevor wir nach gut vier Wochen langsam wieder an die Rückreise denken müssen, wollen wir noch einmal ein paar Tage richtig faul sein und fahren einen Campingplatz in Landrellec an. Dieser Campingplatz ist das Beste, was einem Labrador passieren kann: Wir haben einen Stellplatz mit dem Atlantik quasi vor der Haustür. Ich kann vom Wohnmobil aus auf direktem Weg ins Wasser springen. Blöd war nur, dass die große Badewanne regelmäßig total leer ist. Meine Chefin hat mich dann jedes Mal getröstet und mir versprochen, dass das Wasser wieder zurückkommt. Und das war nicht gelogen. Einmal sind mein Chef und ich sogar über den Atlantik gelaufen, natürlich als das Wasser weg war. Das hat richtig Spaß gemacht, auch wenn meine Chefin mich hinterher ziemlich doll mit Wasser traktiert hat, weil wir von unserem Spaziergang ziemlich viel Matsch mitgebracht haben. Ach ja, und ich durfte auf der Liege bei zwischen den Beinen von meinem Chef liegen: Das war herrlich. Vier tolle Tage haben wir es uns hier bei bestem „Schleswig-Holstein-Wetter“ mit blauem Himmel, Sonne und auch ein paar Wolken gut gehen lassen. Dann mussten wir den Platz leider räumen, denn er war für die nächsten Urlauber vorgebucht. Unsere Rückfahrt ging auch wieder ganz gemütlich über die Bühne. Ich hatte viel Zeit zum chillen, und regelmäßig war ich mit meinem Chef oder der Chefin unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Wenn wir dann für die Nacht einen Platz mit viel Wiese drum herum gefunden haben, habe ich mich erst einmal genüsslich im Gras gewälzt. Und natürlich gab es dann auch immer wieder noch das ein oder andere Rinderohr. Zum Schluss wurde es dann doch noch einmal langweilig, denn wir mussten am Fähranleger in Wischhafen eine geschlagene Stunden warten, um die Elbe zu überqueren. Als wir dann auf der Fähre waren, hat meine Chefin dann aber jedem von uns eine Bockwurst spendiert, die wir dann mit großem Genuss verspeist haben. Zurück von einer wunderbaren Reise kehrt der Alltag schnell wieder ein. Nach meinen regelmäßigen Spaziergängen morgens und mittags lasse ich es gerne ruhig angehen und abends bin ich ganz oft mit meinen Kumpels unterwegs. Und es dauert auch nicht mehr lange, bis wir noch einmal mit dem Wohnmobil verreisen, denn wir wollen die Korsikareise, die wir im März nicht machen konnten, nachholen. Natürlich werde ich davon berichten.
Foto: Fam. Giessler Foto: Fam. Giessler zurück zu Timmis Startseite zurück zu Timmis Startseite