hs Reisen und mehr Home Jakobsweg Reisen Timmis Seite WoMos Impressum
Meine Erlebnisse mit der großen Kiste auf vier Rädern - das Wohnmobil: Schon wieder steht die blöde Kiste auf vier Rädern vor der Haustür. Meine Zweibeiner Chef (Hans) und Chefin (Christl) nennen das Ungetüm "Wohnmobil". Da lege ich mich doch gleich auf meine Decke im Flur und rolle mich ganz klein zusammen. Vielleicht sehen mich die Beiden ja nicht, und ich kann zu Hause bleiben. Doch was sehe ich da: Chef trägt einen großen Sack mit meinem heiß geliebten Futter direkt an meiner Nase vorbei zum Wohnmobil. Und was ist das Schlimmste, was einem Labrador passieren kann? Kein Futter!!! Hab ich da noch eine andere Wahl, als mitzufahren? Liebe Leser, ihr dürft mir aber gerne glauben, dass ich der Letzte war, der eingestiegen ist. Nun fragt Ihr Euch sicher, worauf meine nicht gerade positive Einstellung zum Wohnmobil herkommt. Nun, da muss ich ein wenig mehr ausholen: Angefangen hat es ganz harmlos. Ich war, glaube ich, ungefähr zehn Wochen alt, als Chef und Chefin mich von meiner Mama und meiner Züchterin weggeholt haben -  natürlich mit dem Wohnmobil. Zuerst lag ich auf der Fahrt in mein neues Zuhause auf dem Schoss meiner Chefin, aber nach der ersten Pause wollte ich lieber auf meiner neuen Decke auf dem Boden liegen und habe bis Kiel vor mich hingepennt. Das richtige Zuhause von Chef und Chefin ist viiiiel größer als die Kiste auf vier Rädern, aber dazu komme ich später. Von März bis Oktober allerdings ist das Wohnmobil das zweite Zuhause von meinen Zweibeinern, denn man kann überall dorthin fahren, wo man bei schönem Wetter im Freien leben kann. Und so stand dann auch bald ein Ausflug an die Ostsee vor der Tür, und das Unheil nahm seinen Lauf. Chefin hat noch schnell ihr Büro in eine Plastikkiste gepackt und oben auf dem Querbett deponiert - sie ist selbständig und muss auch schon mal am Wochenende (und auch wenn wir unterwegs sind) arbeiten - und die Fahrt ging los. Alles war gut, ich lag entspannt auf dem Boden und war kurz davor, einzuschlafen. Wir fuhren gemütlich dahin - plötzlich nahm ein Auto uns die Vorfahrt - Chef brachte das Wohnmobil durch eine Vollbremsung gerade noch rechtzeitig zum Stehen - und lieber Leser, Ihr ahnt bestimmt, was jetzt kommt. Richtig: die Plastikkiste samt Inhalt flog im hohen Bogen durch die Luft und mit einem Höllenlärm landete alles auf dem Boden. Glücklicherweise wurde ich nicht getroffen, aber einen riesigen Schreck habe ich doch bekommen. Von nun an war diese Kiste auf vier Rädern für mich total blöd und wurde zu meinem größten Feind!!! Das bedeutete für mich, dass ab jetzt kein Auge mehr zu tun konnte, denn ich musste meinen Feind schließlich "bewachen". Einsteigen wollte ich schon gar nicht mehr. Da aber meine Zweibeiner kein Erbarmen mit mir hatten und eine Flucht ausgeschlossen war, bot mir der Fußraum neben dem Beifahrersitz die einzig mögliche Zuflucht. Aber auch das wurde mir verwehrt: Denn wohin sollte Chefin mit ihren langen Beinen? Und außerdem war da ja auch gleich das Gaspedal, das ich dann mir meinem Schwanz blockierte. Zu allem Überfluss hat Chef dann ein Brett zwischen Fahrer- und Beifahrersitz montiert, was natürlich heißen sollte: Bis hierher und nicht weiter! Ich habe zwar immer wieder den Versuch gestartet, blitzschnell darüber zu steigen, aber es ist mir kein Mal gelungen, denn Chef und Chefin ahnten immer schon im voraus, was ich geplant hatte. Liebe Leser, könnt Ihr Euch vorstellen, in welchen Nöten ich mich von da an befand? Einen Erzfeind ohne jegliche Fluchtmöglichkeit um sich herum zu haben, der jederzeit wieder mit Kisten um sich werfen könnte? Was blieb mir mir anderes übrig, als von da an den Feind jede Stunde, jede Minute, ja sogar jede Sekunde zu bewachen. Klein friedliches Schlummern mehr während unserer zum Teil ziemlich langen Fahrten. Bewachen, nach links und rechts und vor allen Dingen in die Richtung, aus der die Kiste geflogen kam, das war  einzige und oberste Priorität. Chef und Chefin waren ganz schön ratlos, wussten sie doch nicht, wie sie mich davon überzeugen sollten, dass unser Wohnmobil kein Monster war und ich die Augen ruhig zumachen konnte. Es kam sogar so weit, dass wir auf unserer ersten wirklich langen Fahrt in die alte Heimat von Chefin nach Bayern in der Nähe von Nürnberg eine Tierärztin aufgesucht haben, weil da plötzlich eine dicke Wucherung an meiner  Schnauze war und Chef und Chefin nicht wussten, was das zu bedeuten hatte. Die Tierärztin war super nett. Bevor sie mich untersucht hat, durfte ich alles eingehend beschnüffeln und bekam außerdem ganz viele Leckerlies. Des Rätsels Lösung war auch schnell gefunden: Ich hatte eine Stresswarze, was daran lag, dass ich die fast 800 km nicht schlafen konnte, weil ich einen Feind zu bewachen hatte. Die Tierärztin konnte Chef und Chefin dahingehend beruhigen, dass sich die Warze wieder zurückbildet, wenn der Stress vorbei ist. Es sollte noch zwei Sommer dauern, bis ich mein Trauma - Zweibeiner nennen es wohl so - überwinden sollte. Die erste Fahrt in der neuen Saison sollte an die Nordsee gehen, genauer gesagt nach St.-Peter-Ording. Ich lag wie immer zwischen Fahrer- und Beifahrersitz und wie immer mit dem Kopf in Hab-Acht- Stellung, nicht aber ohne bemerkt zu haben, dass Chefin sich mit einer Tüte Leckerlies bewaffnet hatte. Immer wenn ihr Befehl kam: "ganz runter!" hieß das, ich musste auch den Kopf hinlegen, was mir wahrlich nicht leicht fiel, denn so  hatte der Feind im Falle eines Angriffs ein leichtes Spiel mit mir, denn ich konnte mich ja dann nicht so schnell verteidigen. Was aber dann kam, ließ mich meine Aufgabe doch schnell vergessen, denn jedes mal, wenn ich mich ganz abgelegt hatte, wurde ich fürstlich belohnt. Dass die Abstände zwischen den einzelnen Befehlen immer länger wurden, habe ich dann so gar nicht realisiert; vielmehr wurde ich um Verlauf der Fahrt schrecklich müde und bin dann sogar eingeschlafen. So hätte der Feind wahrlich ein leichtes Spiel mit mir gehabt. In St.-Peter-Ording angekommen, fühlte ich mich wunderbar erholt, Chef und Chefin haben sich riesig darüber gefreut, nicht ohne mich noch einmal ausgiebig mit Leckerlies zu füttern. Inzwischen ist ein weiteres Jahr vergangen. Die allerbesten Freunde werden das Wohnmobil und ich zwar nicht mehr werden, aber Chefin kontrolliert jetzt immer doppelt, das auch bestimmt nichts durch die Gegend fliegen kann. So kann ich mich meinen Träumen hingeben und werde zwischendurch auch immer wieder belohnt. Heute ist der 21. September 2014, und wir befinden uns auf großer Fahrt durch die Normandie. Eben war ich mit Chef am Strand. Das Wasser ist heute Mittag merkwürdigerweise viel weiter weg als heute Morgen. Dafür ist ganz viel Platz zum Toben. Chefin wollte noch ein wenig aufschreiben, was ich zu berichten habe, hat es sich aber anders überlegt und läuft uns gerade entgegen. Ich laufe ganz schnell zu ihr, weiß ich es doch, sie hat meine Lieblingsleckerlies dabei. Dann wieder ganz schnell zurück zum Chef und noch einmal wieder zur Chefin. Nun liege ich hier, bin faul und genieße unseren Urlaub. Und wenn ich ehrlich bin, ist so eine Kiste auf vier Rädern doch ganz schön praktisch. Nach St.-Peter-Ording würde ich zum Abschluss der Saison auch noch gerne fahren. 
meine Erlebnisse 
© Hans Schönherr 2012-2015
Timmis Seite meine Startseite mein Leben in Kiel ich stelle mich vor meine Familie meine Kumpel meine Schulen meine Erlebnisse meine Bilder mein Blog/Tagebuch