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Nach sechs Stunden Fahrt, die ich ja fast ganz verschlafen hatte, kamen wir in Kiel-Russee an. Ich fühlte mich anfangs natürlich im wahrsten Sinne des Wortes hundsmiserabel: keine Mama Melly, keine Schwesterchen und Brüderchen mehr, an die ich mich kuscheln konnte. Auf der anderen Seite gab es auch ganz viel Neues zu sehen und zu riechen. Meine Chefin verfrachtete mich nach unserer Ankunft als erstes auf das kleine Fleckchen Erde hinter unserem Garten und wartete darauf, dass etwas passierte. Sie schaute mich ganz erwartungsvoll an, aber ich wusste gar nicht, was sie wollte. Nach einiger Zeit machte ich aber den Rasen nass. Sie war darüber ganz begeistert und sagte immer wieder “Fein, mein Timmi!” Nun ja, dann durfte ich endlich mein neues Heim erkunden. Was gab es da alles, was ich noch nicht kannte. Einen Raum, den nannten sie Wohnzimmer - da durfte ich überall hin. Ein anderes Zimmer, aus dem es ganz wunderbar nach Fressbarem roch, den nannten sie Küche. Und stellt Euch vor, der war für mich verboten - es stellte sich schließlich heraus, dass ich überall hin durfte, nur nicht in diese tolle Küche - dabei hätte es mir dort äußerst gut gefallen! Die sind schon komisch, diese Menschen. Am Abend, nachdem es schon längst dunkel war, war ich mit Chef und Chefin draußen vor dem Wohnzimmer. Da sah ich plötzlich im Zimmer durch die große Fensterscheibe ein Brüderchen von mir. Vor Freude jaulte ich ein wenig und lief auf das Fenster zu, mein Brüderchen von der anderen Seite auch - war das schön. Er machte immer die selben Bewegungen wie ich. Irgendwie war er dann doch nicht da - heute weiß ich natürlich, dass er nur ein Spiegelbild war. Nachdem ich gefressen hatte, brachten sie mich wieder auf das Fleckchen Erde hinter dem Garten. Als ich mein kleines und mein großes Geschäft gemacht hatte, lobten sie mich wieder sehr. Das gefiel mir - ich nahm mir deshalb vor, immer wenn ich mal musste, hinter den Garten zu gehen, weil man dann immer gelobt wurde. Nachts durfte ich in einem kleinen “Stoffhaus” im Wohnzimmer schlafen. Meine Chefin wollte mich nicht alleine lassen,  sie schlief deshalb auf der Couch. Das war auch gut so, weil ich mitten in der Nacht wieder hinter den Garten wollte und sie mich raus lassen musste. Die nächsten Tage verliefen immer wieder ähnlich. Ich bekam morgens, mittags und abends mein gewohntes Futter, wurde danach und vor jedem Spielen hinter den Garten gebracht, um meine Geschäfte zu erledigen. Ich durfte auch schon mit den Zweibeinern ganz kurze Spaziergänge machen - sie meinten tatsächlich, längere Strecken wären für mich schädlich. Abends durfte ich ab der zweiten Nacht dann mit im Schlafzimmer liegen - ich musste immer in das kleine Stoffhaus. Weil das Schlafzimmer im ersten Stock liegt und ich die Treppenstufen nicht erklimmen konnte, trugen sie mich immer rauf und auch wieder runter. In der zweiten Nacht entdeckte ich eine kurze braune Schnur, die aus der Wand herauskam - sehr spannend! Ich probierte sogleich, ob sie schmecken würde und versuchte hinein zu beißen. Irgendwie bekam mein Chef das mit. Er sprang aus dem Bett und brüllte mich an: “TABU!!!!” Ich verkroch mich schleunigst in meine Hütte. Ich wagte mich danach nie wieder an irgendwelche Schnüre (braune, weiße oder schwarze), die aus der Wand herauskamen. Damit ich mich abkühlen konnte, hatten sie für mich solch eine kleine blaue Wanne im Garten hingestellt und mit Wasser gefüllt. Sie meinten, dass ich als Labrador dort unbedingt baden müsste - ich hatte aber keine Lust dazu. Ich glaube, die beiden waren deshalb ein bisschen enttäuscht. Ziemlich bald meinten meine Zweibeiner, dass ich einmal zu einem Arzt müsste. Wir fuhren mit der kleinen Kiste mit vier Rädern zu Dr. Grebe - der ist Tierarzt in der Holtenauer Straße in Kiel. Nachdem ich am Anfang ein bisschen ängstlich war, merkte ich bald, dass der gar nicht schlimm ist. Er befummelte mich an allen möglichen Stellen, steckte mir einen Stab hinten hinein (mein Chef sagte, dass das ein Fieberthermometer sei), klopfte mich ab und piekte mich dann auch noch mit einer Spritze - tat aber gar nicht weh. Er meinte, dass ich ein toller Hund wäre. Zu Chefin und Chef sagte er allerdings etwas, was ich reichlich komisch fand: “Ihr müsst immer konsequent mit ihm sein!” Inzwischen freue ich mich jedes Mal, wenn ich zu Dr. Grebe darf und wackele mit dem Schwanz, wenn ich ihn sehe. Er hat auch so eine nette Sprechstundenhilfe, die mich immer freundlich begrüßt, wenn wir mal wieder hin müssen.  
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© Hans Schönherr 2012-2015
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