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Jakobsweg 2011 nächste Seite nächste Seite
9. Tag - 9. Juni
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9. Tag: Wuppertal-Beyenburg - Wermelskirchen - Odenthal mit dem Altenberger Dom - Leverkusen - Köln Tagesleistung: 65 km Gesamtstrecke: 600 km - (Tagesschnitt knapp 67 km - ich bin damit immer noch sehr zufrieden) Wetter: morgens blauer Himmel, ab mittags etwas bewölkt, abends blauer Himmel Wind: 3 West Temperatur nachmittags: ca. 25 Grd. C Was haben Kiel und Köln gemeinsam? Beide Städte haben vier Buchstaben, beide fangen mit "K" an und beide haben ein "l" im Namen. Damit sind offensichtlich alle Gemeinsamkeiten aufgebraucht. Ihr könnt Euch denken, dass ich Euch mit diesem Hinweis mitteilen möchte, dass ich heute den Rhein und Köln erreicht habe. Ich bin von zu Hause bis hierher genau 600 km gefahren. Und ich bin glücklich, dass ich schon mal etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtstrecke bewältigt habe. Heute Morgen habe ich nach einem guten Frühstück den Langerfelder Hof verlassen. Für zwei Übernachtungen mit Frühstück, zweimal Abendessen und Getränke bezahle ich gerade mal 135 €. Das Fahrrad ist wieder voll gepackt, und die Schaltung funktioniert perfekt. Nach 6 km darf ich die Steigung in das Bergische Land angehen - im wahrsten Sinn des Wortes: "gehen". Ca. 2 km schiebe ich das Fahrrad bergauf. Dann geht es wieder mit "Fahrradfahren" immer ganz leicht bergan, wobei ich allerdings ziemlich ins Schwitzen komme. In Remscheid-Lennep hole ich mir in einer Pilgerstem- pelstelle meinen heutigen Pilgerstempel. Die Dame dort ist sehr redselig, und ich komme erst nach ca. ¼ Stunde weg, erhalte aber von ihr ein Glas Wasser. Weiter geht die Fahrt bis Wermelskirchen tendenziell immer noch mit etwas Steigung. Ab Wermelskirchen ist im Großen und Ganzen leichtes Gefälle angesagt, so dass ich nur etwas nachhelfen muss. Kurz vor Odenthal geht es dann rasant etliche Höhenmeter abwärts bis zum Dom von Altenberg, der sehr idyllisch gelegen ist. Für die Abfahrt benutze ich sehr zum Unwillen einiger Auto- fahrer nicht den Radweg, sondern die serpentinenreiche Straße (der ist Radweg ziemlich kaputt, uneben und löcherig, so dass man kann dort höchstens mit 15 km/h fahren kann). Der Dom ist sehr imposant und wirklich sehenswert. Er wird offen- sichtlich von Protestanten und Katholiken gemeinsam - abwech-selnd - genutzt. Im Domshop be-komme ich wiederum einen Pilgerstempel. Auf der Weiterfahrt gelange ich bald nach Leverkusen. Mein Garmin -Navi hat mir tolle Wege durch Parks und Nebenstraßen ausgesucht, so dass ich unter dem Verkehr nicht zu leiden habe. Schließlich gelange ich an den Rhein. Hier setze ich mich auf eine Bank zu einem Mann, der einen Hund (einen Sheltie) dabei hat. Wir unterhalten uns über Hunde und über Fahrräder. Der Mann besitzt zwar keinen Führerschein, dafür aber zwei Rennräder. Nach einer halben Stunde Plauderei fahre ich weiter, um die letzten 8 km bis zur DJH Köln-Deutz in Angriff zu nehmen, die ich gegen 14:30 Uhr erreiche. Insgesamt ist die heutige Strecke doch wesentlich weniger anstrengend, als ich ursprünglich gedacht habe - oder meine Kondition ist inzwischen besser geworden. Die Jugendherberge ist hier im Gegensatz zu den bisherigen, wo ich immer nett und persönlich begrüßt und eingewiesen wurde, eine durchorganisierte "Massenabferti- gungseinrichtung". Nachdem ich das Fahrrad in den Keller gebracht und das Gepäck eingeräumt habe, dusche ich mich kurz, ziehe frische Klamotten an und gehe über die Rheinbrücke in die Kölner Altstadt zum Dom  (offiziell: Hohe Domkirche zu Köln). Auf der mehrere hundert Meter langen Hohen- zollern-Brücke über den Rhein ist zwischen Fuß- gängerstreifen und der Eisenbahn ein Maschen- drahtzaun. An diesem Maschendrahtzaun hängen Tausende von Vorhänge- schlössern. Auf ihnen sind Namen eingraviert, z. B. "Anne + Klaus forever" oder andere Variationen. Eine Inschrift fand ich ganz schön - sie wird heute Erkenntnis des Tages. Der Kölner Dom ist wie immer mit Gerüsten "verziert". Innen wird im vor- deren Teil des Domes ein Gottesdienst abgehalten - in den übrigen Teilen flanieren die Touristen. Im Domshop hole ich mir meinen Stempel. Anschließend mache ich einen Stadtbummel. In der Gegend um den Dom und in der Fußgängerzone brodelt es förmlich von Menschen. Ich sitze zusammen mit einer alten Frau auf einer Bank. Sie will von mir wissen, ob der Mörder von irgendeinem Bischof, der in der Türkei umgebracht worden ist, nun im Gefängnis oder in der Irrenanstalt sitzt. Als ich ihr sage, ich wüsste das nicht, ist sie ganz empört, wieso ein "Christenmensch" davon keine Ahnung hätte. Ich breche daraufhin das Gespräch ab und gehe, weil ich mich einfach nicht mit fanatisierenden Menschen unterhalten mag. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten ein, esse ein "Menü" bei Burger-King und gehe anschließend langsam zur Jugendherberge zurück. Zwischenzeitlich ist das Zimmer mit noch zwei weiteren Personen besetzt. Ich empfinde das als etwas unangenehm, was ich meinem nunmehr "hohen" Alter zuschreibe. Wie soll es nur in den Pilgerherbergen in Südspanien werden, wenn neunzig Pilger in einem Schlafsaal schlafen? Der eine Zimmergenosse schnarcht schon kräftig, während ich diesen Bericht schreibe. Morgen habe ich nur eine kurze Strecke bis Bonn-Bad Godesberg vor mir. Erkenntnis des Tages: "Wenn Treue Spaß macht, dann ist es Liebe!"
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© Hans Schönherr 2012-2015