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Jakobsweg 2011 nächste Seite nächste Seite
7. Tag - 7. Juni
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7. Tag: Werne - Dortmund - Hagen - Wuppertal-Langerfeld / Beyenburg   Tagesleistung: 74 km Gesamtstrecke: 522 km (Tagesschnitt bisher knapp 75 km - ich bin damit sehr zufrieden) Wetter: morgens bewölkt und schwül, ab mittags blauer Himmel mit Wolken, abends ohne Wolken Wind: 1 aus allen Richtungen Temperatur nachmittags: ? Grd. C, aber sehr warm Heute heißt es früh aufstehen, da ich mich ja zu dem Morgengottesdienst angesagt habe und ich mir vorher noch einmal die Tagestour auf dem Netbook ansehen möchte. Um 6:00 Uhr klingelt also der Wecker (Handy). Ich versuche nach der Morgentoilette noch schnell die Taschen zu packen und schaffe es gerade noch rechtzeitig in die Klosterkirche. Fünf Kapuzinermönche im Alter zwischen schätzungsweise fünfzig und einhundert nehmen an der Messe teil und - neben mir - vier weitere "Zivilisten". Da ich die katholische Liturgie nicht kenne, macht ich fleißig nach, wenn die anderen aufstehen oder sich hinknien. Mit den Liedern funktioniert es ganz gut, auch wenn keine Orgel vorhanden ist. Kurz vor 8:00 Uhr werde ich zum Frühstück eingeladen, das recht zünftig ist. Es gibt alles, was das Herz begehrt, und auch die Mönche langen - nun in Zivil ohne Kutte - kräftig zu. Es sind tatsächlich nur noch fünf Mönche. Ich trage mich ins Gästebuch ein und darf mir meinen Pilgerausweis selbst stempeln. Anschließend mache ich mich auf den weiteren Weg. Bis Lünen benutze ich die B54 - es geht ganz ordentlich, da breite Seitenstreifen oder Radwege vorhanden sind. Ab Lünen fahre ich bis Dortmund auf dem ausgeschilderten Jakobsweg abseits von Hauptstraßen. Es ist sehr idyllisch und ruhig, auch wenn es wahnsinnig viel Zeit kostet, da es nicht der kürzeste Weg ist und teilweise der Straßenbelag aus Schotter besteht. Auch die Durchquerung von Dortmund kostet einige Mühe, da fast jede Ampel rot ist, wenn ich dort ankomme. Hinter Dortmund beginnen dann die "Qualen": Ein Berg löst den nächsten ab, so dass es mit Treten nicht weiter geht - Schieben über teilweise längere Passagen ist angesagt. Aber Pilgern soll ja auch kein "Zuckerschlecken" sein! Zur Belohnung darf ich dann aber nach Herdecke eine lange Strecke bergab fahren. Merkwürdigerweise habe ich - auch die letzten Tage schon - tagsüber keinen Hunger, sondern nur Durst. In Herdecke ist mein Wasservorrat von 1½ Liter schon verbraucht. An einer Tankstelle kaufe ich Nachschub. Weiter geht die Fahrt durch Hagen - eine hässliche Stadt ohne vernünftige Radwege. Also rauf mit dem Fahrrad auf die B7 im Wettstreit mit den Autos - erstaunlicherweise sind die Autofahrer bemerkenswert rücksichtsvoll. Übrigens: Ich trage immer den Helm, so wie ich es Christl bei meiner Abreise versprochen habe! Hinter Hagen folgt Gevelsberg, genau so trostlos. Nächstes Ziel ist Schwelm. Und jetzt beginne ich zu fluchen. Die Berge des "Bergischen Landes" werden steiler und länger. Ich schiebe mindestens fünf weitere Kilometer das Liegerad steil bergan. Ich bin erneut am Verdursten. Da trifft es sich gut, dass neben der Straße ein Mann, der offensichtlich türkischer Herkunft ist, im Garten werkelt. Ich bitte ihn, meine beiden Trinkflaschen mit Leitungswasser zu füllen, was er auch gerne tut. In eine Flasche füllt er sogar Mineralwasser mit Kohlensäure (was allerdings wegen der Aluflasche dann Metallgeschmack annimmt). Schließlich sind es noch fünf Kilometer bis Wuppertal-Beyenburg, dem Endpunkt des westfälischen Pilgerweges. Und jetzt geht es rasant bergab. Das was ich mühsam hoch geschoben habe, ist in wenigen Minuten wieder verbraucht. Die Bremsscheiben werden richtig schön heiß. (Was ich da noch nicht weiß: Mit ein paar Kilometern Umweg hätte ich um den Berg herum fahren können und hätte mir die Bergauf-Schieberei sparen können.) In Beyenburg buche ich telefonisch ein Hotel (50 € incl. Frühstück). Hier wie immer dieselbe Prozedur: Fahrrad weg- schließen, Gepäck ins Zimmer tragen (ich muss zweimal gehen - irgendwie muss ich es schaffen, mich von Dingen zu trennen und nach Hause zu schicken), Duschen, Abendessen (eine sehr gute Lammpfanne mit Bratkartoffeln und Salat-teller vom Buffet), E-Mails lesen, Tagebuch schreiben und versenden. Erkenntnis des Tages: Wer dürstet, dem wird unverhofft geholfen!
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© Hans Schönherr 2012-2015