hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
56. Tag - 26. Juli
56. Tag: Santiago de Compostela Morgens mache ich das Fahrrad fertig und fahre mit ihm zum Fahrradgeschäft Velocipedo. Die Adresse habe ich im Internet gefunden. Sie verpacken Fahrräder und verschicken sie auch. Ich bin natürlich eine halbe Stunde zu früh dort und muss eine Weile warten, bis sich die Pforten öffnen. Der Ladenbesitzer spricht Englisch und so ist es kein Problem, ihm meine Bedürfnisse bzw. die des Toxy klar zu machen. Er meint, man könne das Toxy zwar in die Boxen verpacken, die er normalerweise verwendet, doch das wäre zu aufwendig, weil er zu viel abbauen müsse; er habe noch ein paar größere. Allerdings würde das - auch wegen des besonderen Fahrrades - dann statt 19 € eher 25 € kosten. Morgen Mittag um 13:00 Uhr ist alles fertig, und er bestellt auch ein Taxi zum Flughafen. Damit ist das erledigt, und ich bin froh, dass das so ohne Problem geht. Ich wandere die 1½ km zum Campingplatz zurück. Unterwegs treffe ich einen Liegerad-Radler, der stolz an mir vorbeifährt. Auf dem Campingplatz sortiere ich Dinge aus, die ich nicht mehr brauche und Platz wegnehmen sowie relativ wertlos sind, damit das morgen alles in zwei Satteltaschen und das Handgepäck passt. Dafür ist die Mülltonne etwas voller. Nachmittags fahre ich mit dem Bus ins "Centro Ciudad". Ich durchstreife nochmals die Gassen und Gässchen von Santiago und entdecke immer wieder Dinge, die ich vorher noch nicht gesehen habe. Dabei treffe ich plötzlich zwei der drei Österreicher wieder, die mir unterwegs schon mehrfach über den Weg gelaufen sind (erstmals im Hotel in Astorga). Wir unterhalten uns noch längere Zeit, dann wünschen wir uns gegenseitig eine gute Heimfahrt. Ich gehe auf den großen Platz vor der Kathedrale und genieße die Atmosphäre. Viele Pilger liegen auf dem Pflaster und freuen sich, dass sie am Ziel angekommen sind. Ich komme mit einer jungen Deutschen, Leonie, ins Gespräch. Zuerst mehrere Minuten auf Englisch, bis wir endlich merken, dass wir auch Deutsch reden können. Sie hat ein halbes Jahr in Madrid studiert und ist nun - sozusagen als Abschluss ihres Spanienaufenthaltes - von Jaca nach Santiago gelaufen. Sie hat dazu ein Tagesbudget von nur 15 €. Da kann man nur sagen: alle Achtung! Sie will heute versuchen, an der Pilgerspeisung im Parador teilzunehmen. Diese ist traditionsgemäß kostenlos, aber täglich nur für zehn Pilger insgesamt. Gegen 19:00 Uhr fahre ich mit dem Bus zum Campingplatz zurück. Ich esse dort im Restaurant. Ab 20:00 Uhr ist es geöffnet. Es macht einen vornehmen Eindruck, und so sind auch die Preise. Allerdings möchte ich mit einem guten Essen meine Reise ein wenig krönen. Als "Primero" bestelle ich mir eine galicische Wurst- und Käseplatte. Dazu gibt es ein hervorragendes Brot. Als zweiten Gang gibt es dann einen Pulpo-/Jakobsmuschelspieß mit "Scheibenkartoffeln" - sehr schön angerichtet. Beides schmeckt hervorragend. Dazu nehme ich Rotwein aus der Rioja (vino de casa). Abends gibt es noch eine kleine Unterhaltung mit Spaniern vor meinem Zelt, die sich dafür entschuldigen, dass sie ihr Zelt so nahe an meinem aufgebaut haben - was soll's, der Campingplatz hat eben nur kleine Parzellen.
nächste Seite nächste Seite vorherige Seite vorherige Seite zurück zur Seitenauswahl zurück zur Seitenauswahl