hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
53. Tag - 23. Juli
53. Tag: Portomarin - Melide   Tagesleistung: 40 km Gesamtstrecke: 3.066 - Noch 54 km bis Santiago - Rund 765 km seit St. Jean-Pied-de-Port Wetter: ganztägig sonnig, einige Wolken Wind: manchmal unterstützend von hinten : Temperatur. 16:00 Uhr 27 Grd. C Aufwärts: rd. 700 hm Abwärts: rd. 635 hm Nachts ist es wieder empfindlich kalt. Also rein in den Schlafsack: Das ist zu warm. Irgendwie hab ich es dennoch bis zum Morgen geschafft, ausgeschlafen zu sein. Morgens hängt der Nebel in den Tälern. Um 8:00 Uhr gibt es ein Desajuno im Campingplatz- Restaurant - wieder ist alles fein eingedeckt. Bevor ich aufbreche, rufe ich allerdings erst einmal den Campingplatz in Santiago an und reserviere mir einen Stellplatz. Das ist schon mal erledigt. Dann mache ich mich auf die Piste. So richtig viel Lust habe ich eigentlich nicht mehr, aber es sind ja auch nur noch ein paar Kilometer bis Santiago - “also los”, sage ich mir! Ab Portomarin ist es eine regelrechte Pilgerkarawane, die ich begleite, soweit meine Fahrstrecke mit dem Pilgerweg identisch ist. Ich denke, dass ich heute Hunderte von Pilgern gesehen und mit einem "Buen Camino" begrüßt habe. Es sind insbesondere viele Spanier, die hier die 100-muss-Kilometer abspulen, um die Pilgerurkunde zu erhalten. Unterwegs halte ich auf der Hälfte der Strecke und genehmige mir einen Kaffee und ein Schinken-Käse-Bocadillo. Anschließend heißt es Abschied nehmen vom kleinen Pilgerweg; es geht weiter auf dem Randstreifen einer etwas befahreneren Straße - der Pilgerweg läuft parallel. Irgendwann passe ich nicht auf und fahre in den Graben und falle um - aber weich ins Heu, so dass mir nichts passiert. Ich fahre weiter. Nach rund 300 m überholt mich ein Auto, hupt und fährt rechts ran. Ich denke mir: "Was ist das für ein Idiot". Der Idiot ist eine Frau, die aussteigt und mir zeigt, dass ich eine meiner Satteltaschen bei dem Sturz verloren habe. Nun bin ich sehr dankbar, gehe die paar hundert Meter zurück und sammle die Tasche auf. In ihr sind das komplette Zelt, Isomatte und Schlafsack. Kurz nach 13:00 Uhr komme ich in Melide an. Hier gibt es keinen Campingplatz, also suche ich mir ein Hotel. Es ist ein *-Hotel, aber sehr ordentlich und kostet 35 € (WiFi inbegriffen). Ursprünglich hatte ich vor, mit dem Bus nach Hamburg zu fahren und das Fahrrad per Spedition zu verschicken. Das hätte insgesamt rund 300 € gekostet, und die Fahrt hätte 36 Stunden gedauert. Ich mache es mir im Hotelzimmer bequem und suche im Internet nach Flügen von Santiago nach Norddeutschland. Nun habe ich glücklicherweise für den 27. Juli noch einen Platz bei Air-Berlin nach Hamburg gefunden: Flugpreis mit Fahrradtransport für 500 €. Das Fahrrad muss allerdings verpackt sein. Das macht ein Fahrradgeschäft in Santiago für rund 20 € - allerdings haben die Geschäfte am 25. Juli wegen der Fiesta geschlossen, so dass es frühestens am 26. eingepackt werden kann. Nachmittags mache ich einen Spaziergang durch Melide, sehe mir die Pilgerkarawane an, die hier verschwitzt und abgekämpft einzieht. Zwei Kirchen gilt es zu besichtigen. In einer Bar bestelle ich mir ein Bier. Dazu gibt es umsonst ein paar köstliche Oliven und ein kleines Stück Tortilla. Manche Bars sind sehr großzügig. Später lasse ich mir in einer Pastelleria zu einem Kaffee noch zwei kleine Blätterteigkuchenstückchen geben. Zum Abendessen gehe ich in das Restaurant meines Hotels. Um 20:00 Uhr macht die Küche auf - ich bin (noch) der einzige Gast. Ich wähle das Menü: Brot, eine Flasche Rotwein, Nudel-Vorspeisenteller (mit Oliven, Thunfisch, Eiern, Tomaten, Zwiebeln) gebratene Leber mit Pommes, Eis, 1 Tasse Kaffee. Alles zusammen 8,80 €. Morgen geht es an die letzte Etappe - noch rund 50 km. Ich freue mich darauf, auch wenn es wieder nicht einfach werden wird, da es viele kurze, aber knackige Ansteige geben soll. Erkenntnis des Tages: Nicht voreilig urteilen - man tut damit vielleicht unrecht!
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