hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
52. Tag - 22. Juli
52. Tag: Triacastela - Samos - Sarria - Portomarin   Tagesleistung: 47 km Gesamtstrecke: 3.026 km - noch ungefähr 95 km bis Santiago - rund 725 km seit St.-Jean-Pied-de-Port Wetter: ganztägig sonnig, einige Wolken Wind: manchmal unterstützend von hinten Temperatur: 16:00 Uhr 27 Grd. C Aufwärts: rd. 500 hm Abwärts: rd. 650 hm Schön in einem Bett geschlafen zu haben - auch wenn ich dabei unmögliches Zeug träume. Wahrscheinlich macht sich im Unterbewusstsein der Gedanke an das Ende der Reise breit. Kurz nach 8:00 Uhr ist das Fahrrad fertig bestückt, und ich fahre rund 150 m zur nächsten Bar, um ein Frühstück einzunehmen (Kaffee mit etwas Weißbrot, Butter und Marmelade). Zu mir setzt sich eine Deutsche Pilgerin aus Trier an den Tisch, so dass das "Desajuno" zu einem gesellschaftlichen Ereignis wird. Nachdem es viel zu erzählen gibt, komme ich auch erst kurz nach neun Uhr los. Ich fahre weiter auf der breiten Hautstraße mit Randstreifen, auf der es fast keinen Verkehr gibt. Ich überhole eine Rad- Pilgerin, die offensichtlich Probleme mit ihrem Fahrrad hat. Monika aus Irland hat zu wenig Luft im Hinterreifen und keine Luftpumpe. Ich kann meine gute Tat des Tages verbuchen, indem ich ihren Reifen von 1,2 auf 4 bar aufpumpe (ganz Gentleman). Nach rund 10 km erreiche ich Samos, das durch seine riesige Klosteranlage bekannt ist. Leider ist sie so früh morgens nur von außen zu fotografieren und anzuschauen. Für eine Innenbesichtigung ist es um 9:45 Uhr wohl noch zu früh. Also fahre ich weiter bergauf und bergab durch eine wunderschöne grüne Wald-, Wiesen-, Täler- und Hügellandschaft. Schließlich komme ich in Sarria an, das ich durch viel Verkehrsgewühl relativ schnell passiere. Danach geht es wieder kräftig zur Sache: Wunderschöne grüne, bergige Landschaft, wobei es auf rund 15 km etwa 350 m aufwärts zu fahren gilt. Ein paar kurze Strecken muss ich auch schieben. Nachdem ich mir am "Gipfel" eine Cola und ein Schinkenbocadillo kaufe und mich entsprechend gestärkt habe, kann ich auch die rund 4 km lange Abfahrt mit 400 hm bis nach Portomarin genießen. Das ursprüngliche Portomarin wurde durch einen Stausee geflutet, der z.Z. total leer ist, und oberhalb neu aufgebaut. Die alte Kirche wurde komplett abgetragen und im neuen Ort wieder originalgetreu aufgebaut. Der Campingplatz ist schnell gefunden, liegt etwa 700 m abseits vom Ortszentrum. Er hat ein schönes Restaurant, in dem ich heute Abend essen werde. Das Zelt habe ich unter großen schattigen Bäumen aufgeschlagen. Nach dem Wäschewaschen mache ich einen Bummel in die "Stadt", lasse mir in der Kirche einen Pilgerstempel geben und besichtige den Ort - viel gibt es nicht zu sehen. Eine große Anzahl vom Pilgern wartet darauf, dass die Pilgerherbergen aufmachen. Sie bevölkern die Parkanlagen und sitzen vor den Cafés. Es sind sehr viele sehr junge Menschen, die ich hier als Pilger antreffe. Es gibt auch einige ältere Pilger, die dürften aber die Minderzahl sein. Nachdem ich meine Geldbörse ein bisschen aufgefüllt habe, gehe ich zurück zum Campingplatz und genieße hier die Ruhe und das gute Bier, während ich den Bericht schreibe. Abends gehe ich in das Campingplatz-Restaurant. Die Tische sind sehr schön eingedeckt, mir weist man einen Tisch mit einem Gedeck zu. Neben mir hat ein holländisches Ehepaar seinen Platz. Die Beiden haben ihren Hund dabei. Wir unterhalten uns angeregt den ganzen Abend miteinander. Sie fährt das Wohnmobil, während er seit Nevers mit dem Fahrrad hinterher fährt - er hat sozusagen sein Serviceteam dabei. Es wird nicht gefragt, was wir essen wollen - offensichtlich muss das gegessen werden, was auf den Tisch kommt: Eine Flasche Wasser, Brot, eine ¾ l-Karaffe Rotwein, eine große Schüssel Gemüse- /Kartoffelsuppe, eine Riesenportion gemischter Salat, fünf! große Stücke Rinderschmorbraten mit Pommes und Gemüse. Das einzige, was man sich aussuchen darf, ist der Nachtisch: Ich nehme Käse mit Honig. Dann gibt es noch Kaffee. Das alles kostet 13 €. Heute habe ich die 3.000 km geschafft! Ich finde das toll. Morgen will ich noch einmal einen Halt einlegen, bevor es am Sonntag nach Santiago geht. Dort sind allerdings dem Hören und Sagen nach der Campingplatz und die Hotels bereits belegt, da am 2. Juli der Namenstag des St. Jakobus (Santiago) gefeiert wird. Offensichtlich herrscht dann Ausnahmezustand. Vielleicht muss ich auf der Parkbank schlafen - glücklicherweise habe ich meine Isomatte und meinen Schlafsack. Wenn es nicht regnet, und danach sieht es aus, dürfte das kein Problem sein. Zu klären bleibt dann noch, wie ich zurückkomme und wie das Toxy. Wir werden sehen. Erkenntnis des Tages: Ich fühle mich wohl!
The map is copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org nächste Seite nächste Seite vorherige Seite vorherige Seite zurück zur Seitenauswahl zurück zur Seitenauswahl