hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
51. Tag - 21. Juli
51. Tag: Villamartin - Villafranca del Bierzo - O Cebreiro - Triacastela   Tagesleistung: 61 km Gesamtstrecke: 2.979 km - noch ungefähr 130 km bis Santiago - rund 678 km seit St.-Jean-Pied-de-Port Wetter: ganztägig sonnig, einige Wolken Wind: teilweise stark von vorne Temperatur: 21:00 Uhr 24 Grd. C Heute wache ich eine viertel Stunde später auf als sonst. Nachdem alles gepackt ist, vermisse ich mein Handy. Also alles wieder aus der Zelt-Satteltasche auspacken, Zelt ausrollen und fühlen: Handy gefunden! Alles wieder zusammenpacken. In der Campingplatzbar gibt es ein schnelles Frühstück. Ich kaufe dort auch noch Wasser (3 l) für den Tagesbedarf ein - es soll heute anstrengend werden!. Nach einigen hundert Metern bin ich wieder auf den N VI und radele still vergnügt vor mich hin. Hinter Villafranca passiere ich einen etwa 400m langen Tunnel mit einer Jakobsmuschel am Tunnelportal. Hier beginnt der Anstieg ins Gebirge, wobei es gemächlich losgeht: Für die ersten 200 hm sind 20 km Fahrstrecke zu absolvieren. Im Tal laufen drei verschieden Straßen: Die Autobahn auf teilweise sehr futuristischen Konstruktionen, die N VI und eine Nebenstraße. Die N VI wird kaum befahren, da der Kraftfahrzeugverkehr auf die Autobahn ausweicht. Die Fuß-Pilger dürfen auf großen Strecken neben der N VI herlaufen, während ich diese auf dem breiten Randstreifen benutze.  Ab La Portela verlasse ich die N VI und weiche auf eine kleine Nebenstraße aus. In Ambasmestas gönne ich mir den ersten "Unterwegs-Kaffee" und eine Cola. Ab Las Herrias wird es dann haarig: auf 8 km insgesamt 600 Höhenmeter, die ich einfach nur noch schiebend zurücklegen kann. Manchmal fluche ich und frage mich, warum ich mir solch einen Blödsinn habe einfallen lassen. Manchmal mache ich alle 100 m eine Stopp, weil ich irgendwie zu erschöpft bin. Einmal setze ich mich einfach an den Straßenrand und mache Pause, wobei ich bedauere, dass die vielen Brombeeren am Wegesrand noch nicht reif sind. Man hat von hier oben eine tolle Aussicht - das tröstet ein wenig! In Linares, der letzten Ortschaft in Kastilien-Leon - wie mir ein paar Kinder stolz mitteilen, mache ich Mittagspause mit einem Stück Tortilla und Kaffee. Dann noch zwei Kilometer und 150 Höhenmeter, und die Ortschaft O Cebreiro (1.300 m üNN) ist erreicht. Ich freue mich, auch diese Herausforderung gemeistert zu haben und ruhe mich noch ein bisschen aus. Hier oben weht ein ziemlicher Wind und dicke graue Wolken werden über das Gebirge gedrückt. O Cebreiro ist die erste Ortschaft in Galicien. Die Pilger sind fast alle erschöpft von dem Aufstieg und wollen hier übernachten. (Harpe Kerkeling hatte in seinem Buch auch erheblich über die Strapazen lamentiert). Viele Pilger werden aber weiter geschickt, da die Pilgerherberge nur 80 Plätze bietet. Ich unterhalte mich hier noch längere Zeit mit zwei radelnden Portugiesen. Wie fast alle anderen, mit denen ich spreche, sind auch diese erstaunt über die lange Strecke, die ich bereits zurückgelegt habe. Dann fahre ich weiter und merke nach ungefähr zwei Kilometern und entsprechendem Anstieg, dass ich falsch gefahren bin. Also geht es wieder zurück nach O Cebreiro. Dort treffe ich ein holländisches Fahrrad-Pilgerpaar, mit dem ich mich schon gestern am Cruz de Ferro unterhalten habe. Nun muss es aber weitergehen. Nochmals zwei Abfahrten und zwei Anstiege liegen vor mir (insgesamt noch mal fast 200 hm). Am Alto de San Roque (1.270 m üNN) besichtige ich die Statue des Heiligen Rochus, trinke etwas, esse trockenes Weißbrot und fahre weiter. Nach dem Alto de Poio kann ich einen Ausgleich für die davor liegenden Strapazen bekommen: Es geht auf rund 15 km bergab. Die Straße ist sehr breit und ordentlich ausgebaut, es fahren fast keine Autos und so kann ich mit bis zu 50 km/h hinunter sausen (es hätte auch mehr sein können, aber meine Magura-Bremsen müssen manchmal auch zeigen, was sie können. Gegen 17:00 Uhr komme ich in Triacastela, einer kleinen Ortschaft, an. In der Pilgerherberge frage ich, ob sie auch Einzelzimmer haben. Die Dame am Tresen ist empört, wie ich so etwas fragen könne, führt mich aber vor die Tür und übergibt mich in die Hände von Senhora Olga. Olga hat ein Hostel, dort gibt es Einzelzimmer. Olga schreibt mir auf einen Zettel den Preis für das Zimmer: 35 €. Ich akzeptiere, und Olga fährt mit ihrem Auto vor mir her zu ihrem Haus. Das Zimmer ist schön und ordentlich. Nachdem ich mein Gepäck aufgeräumt habe, spendiert Olga mir ein Bier und verschwindet wieder zur Pilgerherberge - vielleicht möchte ja noch jemand ein Einzelzimmer. Ich mache einen Rundgang durchs Dorf, besichtige die Gemeindekirche, die dem heiligen Jakob geweiht ist. In der Kirche bekomme ich einen Stempel für meinen Pilgerausweis. Anschließend gehe ich Essen: Es gibt das Menü des Tages, wobei man aus ungefähr jeweils acht Vor-, Haupt-, und Nachspeisen aussuchen kann. Ich nehme als ersten Gang Paella, auf die ich lange warten muss, weil sie frisch zubereitet wird und von der ich fast alleine satt werde, als zweiten Gang gibt es Gemüse mit drei Hühnerbeinen, als Nachspeise Obst, dazu Brot und Wein. Ich bestelle nach einmal Wein nach und einen Kaffee - alles zusammen macht 13 €. Dort werde ich morgen auch mein Frühstück essen. Insgesamt bin ich heute etwa 1.115 hm hinauf und 900 hm hinunter gefahren (hinauf natürlich auch geschoben). Morgen werden die 3.000 km geknackt! Ich bin bald in Santiago und freue mich darauf! Erkenntnis des Tages: Auch wenn es noch so anstrengend ist, der Erfolg heilt alle Schmerzen!
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