hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
50. Tag - 20. Juli
50. Tag: Astorga - Ponferrada - Villamartin  Tagesleistung: 73 km Gesamtstrecke: 2.918 km - noch ungefähr 190 km bis Santiago -rund 617 km seit St.-Jean-Pied-de-Port Wetter: ganztägig sonnig, einige Wolken Wind: nachmittags meist stark seitlich von vorn Temperatur: 17:00 Uhr 27,5 Grd. C Heute ist Jubiläum: der fünfzigste Tag meiner Pilgerfahrt! Obwohl ich gestern fast bis Mitternacht im Internet wegen einer Rücktransportmöglichkeit für mein Toxy gesurft habe (freier Internetzugang im Hotel), bin ich heute Morgen auch schon um 7:00 Uhr munter. Heute gibt es fast nichts zum Zusammenpacken, da die Campingsachen alle in der Tasche geblieben sind. So habe ich ausreichend Zeit, in der Hotelbar gemütlich zu frühstücken kann und mich dabei mit drei Wienern, die per Fahrrad auf dem Weg sind, unterhalten. Nachdem ich bezahlt habe, geht es los. Beim Start wird noch schnell einmal die Kathedrale fotografiert, die nun endlich auch einmal auf der Ostseite von der Sonne angestrahlt wird. Auf 8 km geht es relativ eben dahin. Ich durchfahre ein so genanntes "Bilderbuchdorf" Castrillo de los Polvazares; es ist ganz nett, aber der Umweg lohnt sich nicht wirklich. Ab Kilometer 8 wird es dann etwas steiler. Ab Kilometer 23 steige ich ab und schiebe für sechs Kilometer bergan. Ich passiere die Ortschaften El Ganso, Rabanal del Camino und Foncebadón. Dort gehe ich in eine Bar, weil ich Hunger und Durst habe. Ein Kaffee, zwei Cola, ein Bocadillo - alles zusammen kostet 8,20 €. Der Barbesitzer erzählt mir auf Englisch, dass sein Vater in Deutschland gewesen ist und dass hier im Winter für zwei Monate Schnee liegt (Höhe 1.450 m üNN). Mit einem Franzosen aus Toulouse unterhalte ich mich auch noch eine ganze Weile in der Bar. Kurz nachdem ich weiter gefahren bin, holen mich die drei Wiener ein. Wir fahren gemeinsam zum Cruz de Ferro, das auf 1.500 m liegt und der höchste Punkt des Caminos ist. Dort lege ich den Stein ab, den meine Frau mir auf die Pilgerreise mitgegeben hat. Wir fotografieren uns gegenseitig und ratschen noch ein wenig. Anschließend fahren wir zusammen bis Manjarín, das eigentlich nur aus einer primitiven Pilgerherberge und ein paar verwegen aussehenden Pilgerherbergsbetreibern besteht. Viele Fahnen wehen hier und sollen wohl zeigen, dass alle Nationen willkommen sind. Wenn ein Pilger auftaucht, wird eine Glocke gebimmelt. Einer der Österreicher gibt eine Runde Dosenbier aus. Nun trennen sich unsere Wege endgültig (so habe ich zunächst jedenfalls gedacht). Nach sausender Abfahrt passiere ich (etwas langsamer) die Ortschaft Al Acebo mit einem schlechten Straßenpflaster, in die Fahrbahn ragenden Balkons und mit vielen Pilgern. Weiter geht es bergab bis Molinaseca. Kurz danach erreiche ich Ponferrada. Das waren 950 m Abfahrt - fast in einem Stück auf 20 km. Die Magura-Hydraulik-Scheiben-Bremsen haben prächtig gehalten! Ponferrada umfahre ich möglichst weiträumig, wie bereits geschrieben, mag ich keinen Innenstadtverkehr und gelange - etwas abseits vom Pilgerweg - auf die N VI. Auf dem breiten Randstreifen fahre ich - auf relativ ebener Strecke - nochmals ca. 15 km bis kurz vor Villafranca und biege nach Villamartin ab. Dort ist ein Campingplatz, den ich schon einmal vor zwei Jahren besucht habe. Nach 73 km erreiche ich den Camping El Bierzo (Bierzo heißt die Region hier), baue das Zelt auf, dusche mich und wasche ein wenig “verbrauchte” Kleidung in der Packtasche (ich denke, dass ich das zum Patent anmelden kann ;-)). Danach setze ich mich ins Café, um Tagebuch zu schreiben und den Flüssigkeitsspiegel wieder auf "Normal" zu bringen. Abends gibt es im Campingplatz-Restaurant etwas zu essen. Morgen wird es noch einmal anstrengend: Galizien wird erreicht, aber vorher muss ich noch von 500 m (hier) auf 1300 m (O Cebreiro) ansteigen. Dabei sind die letzten 600 hm auf 8 km zu bewältigen (wahrscheinlich wird das eine Schiebestrecke). Aber nur nicht den Mut verlieren - ich habe schon mehr geleistet. Außerdem sind es nun nur noch weniger als 200 km. Erkenntnis des Tages: Nur nicht den Mut verlieren!
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