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Jakobsweg 2011
5. Tag - 5. Juni
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5. Tag: Damme - Vöhrden - Osnabrück - Hasbergen - Lengerich   Tagesleistung: 59 km Gesamtstrecke: 362 km Wetter: wolkenlos Wind: 1 aus allen Richtungen Temperatur nachmittags: gefühlte 35 Grd. C Heute habe ich Heiko kennen gelernt, die Schaltung hat wieder einmal nicht richtig funktioniert, die Berge sind doch wesentlich anstrengender als erwartet gewesen, und ich übernachte nicht in der DJH, sondern in einem Hotel! Doch nun alles der Reihe nach: Ich verbringe in meinem Einzelzimmer in der DJH Damme eine sehr gute Nacht. Gegen 7:00 Uhr werde ich wach, ziehe - wie es sich in Jugendherbergen gehört - das Bett ab und gehe zum Frühstück, das sich durchaus mit Hotelbuffets messen kann. Gegen 9:00 Uhr fahre ich los, besichtigte noch kurz die sogenannte Altstadt von Damme (lt. Pilgerführer sehr sehenswert). Was ich sehe, sind einige wenige alte Fachwerkhäuser, die von umgebender hässlicher Modernität fast erdrückt werden. Also schnell das "Ross gesattelt" und weiter geht es Richtung Süden. Hinter Engter quäle ich mich einen Berg hoch. Ich glaube tatsächlich, dass das schon der Teutoburger Wald sei. Meine erste Flasche Wasser habe ich schon ausgetrunken, so heiß ist es. Die Sonne knallt unbarmherzig herunter - wie soll es da nur in Spanien werden? Dort werde ich auf alle Fälle mehr Wasser mitnehmen müssen. Schnaufend geht es weiter bergan. Plötzlich kommt mir ein Liegerad- fahrer entgegen: Das ist Heiko. Wir klönen ein wenig; dann meint Heiko, es wäre eigentlich egal, wohin er seinen Sonntagsausflug macht. Er würde vor mir herfahren und mir den besten Weg nach Osnabrück zeigen. Außerdem sei das noch gar nicht der Teutoburger Wald sondern das Wiehengebirge - na Prost. Es geht also weiter bergauf. Heiko - ohne Gepäck - treibt mich ganz schön, und der Schweiß fließt, aber ich will auch keine Schwäche zeigen. Schließlich erreichen wir nach 15 km gemeinsamer Fahrt Osnabrück. Wir schließen unsere Räder an einen Zaun an, und Heiko macht mit mir eine kleine Stadtführung, wobei er mir mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt zeigt. Zum Dank lade ich ihn auf ein Bier ein - lange schon hat es nicht mehr so köstlich geschmeckt. Schließlich fährt Heiko wieder nach Hause, und ich besichtige noch den Dom St. Peter und den wirklich prächtigen Kreuzgang. Im Dommuseum hole ich mir von einer Nonne meinen Stempel für den Pilgerausweis. Diesmal bekomme ich einen richtigen Pilgerstempel mit dem Jakobsmuschel-Symbol. Nachdem ich wieder einmal ohne Erfolg an der Gangschaltung herum gebastelt habe, geht es wieder in ersten Naben- Gang (mit neun Kettengängen) weiter. Macht nichts: Bergauf nutze ich diese ohnehin ausschließlich. Und wirklich: Es geht weiter stramm aufwärts (nunmehr tatsächlich über den Teutoburger Wald), so dass ich einige Streckenstücke schieben muss. An einer Tankstelle kaufe ich mir gegen den elenden Durst eine große Flasche Mineralwasser. Der Radweg ist ab Nordrhein-Westfalen auch nicht mehr vorhanden, so dass ich mir die Straße mit den Autos teilen muss, wobei die Autofahrer fast immer einen ordentlichen Seitenabstand einhalten. Eigentlich habe ich geplant, heute bis Münster zu fahren (noch etwa 40 km), aber das Bergauf-fahren hat Kraft gekostet. Am mittlerweile drohend schwarzen Himmel grummelt es gewaltig, und es ist schon 15:00 Uhr, so dass ich - nach einer rasanten Abfahrt - in Lengerich ein Hotel anrufe, ob noch ein Zimmer frei sei. Ich betone, dass ich Pilger sei und auch einen Pilgerausweis hätte, deshalb gibt es dann das Zimmer zum "Vorzugspreis" von 60 € incl. Früh- stück. Ich geneh- mige mir ein gutes Abendessen - Salat gibt es we-gen Infektionsge-fahr nicht, statt-dessen Gemüse. Damit kann ich aber auch ganz gut leben. Anschließend ist ein Stadtbummel in Lengerich angesagt. Das einzig interessante Gebäude ist die alte Kirche. Ein markanter Brunnen zieht auch meinen Blick auf sich. Ansonsten ist die Altstadt auch hier relativ nichtssagend. Es gibt aber eine Eisdiele, in der ich ein paar verlorene Kalorien auftanke. Morgen wird mein erster Weg zu einer Fahrradwerkstatt sein, und dann werde ich sehen, wie weit ich komme. "Buen Camino" liebe Freunde (wer es nicht weiß, das bedeutet "Ich wünsche Dir/Euch einen guten Weg" und das ist in Spanien der Pilgergruß) Erkenntnis des Tages: Jeder mühsam erreichte Gipfel bietet auf der anderen Seite eine tolle Abfahrt.
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© Hans Schönherr 2012-2015