hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
48. Tag - 18. Juli
48. Tag: Carrión de los Condes - Lediges - Sahagún - El Burgo - Mansilla   Tagesleistung: 84 km Gesamtstrecke: 2.778 km - noch ungefähr 330 km bis Santiago - rund 477 km seit St.-Jean-Pied-de-Port Wetter: ganztägig sonnig, einige Wolken Wind: meist seitlich von vorn, nachmittags sehr stark und böig Temperatur: 19:00 Uhr 27 Grd. C Die Nacht über schlafe ich nicht gut, weil ich friere - ich bin aber zu faul, den Reißverschluss des Schlafsacks zuzumachen und leide deshalb lieber. Um kurz nach 8:00 Uhr bin ich in der Hauptstraße von Carrión, finde ein Restaurant, das schon geöffnet hat und gehe dort hinein zum "Frühstück". Ich bestelle mir ein Schinken- Sandwich und Kaffee. Anschließend starte ich meine heutige Tagesetappe. Aufgrund des Vorschlages des Rad-Reiseführers fahre ich nicht auf dem Pilgerweg, sondern auf der N 620, die breit und gut ausgebaut ist, auf der aber kaum noch Autos fahren, da diese die Autobahn nutzen (ein Radweg mit 8  m Breite). In der Ferne taucht ein anderer Radfahrer auf, der vor mir her fährt. Als ich ihn einhole, stelle ich fest, dass das Franz ist. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, dann trennen sich unsere Wege wohl endgültig. Ich lege einen Zahn zu und versuche Strecke zu machen. In Sahagún angekommen (mittags nach 40 km) habe ich eigentlich vor, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzusehen. Allerdings ist dort alles furchtbar chaotisch, unübersichtlich, die Autofahrer wollen sich mit mir streiten, und das was ich ansehen will, finde ich nicht. Also fahre ich nach einem kleinen Kuchenimbiss in einem Café weiter. Die Gegend ist furchtbar eintönig. Es gibt fast nur brachliegende Ackerfläche, ab und zu Getreide, manchmal Sonnenblumen. Der Pilgerweg läuft parallel zu einer so gut wie nicht befahrenen Straße, auf der ich mich tummeln kann. Der Wind wird immer stärker, zu warm ist es auch nicht, so dass ich den ganzen Tag mein langärmeliges Oberhemd über dem T-Shirt anbehalte. Leider kommt der Wind meistens von schräg vorn, so dass er wenig hilfreich ist. Ich stelle wiederum einmal fest, dass nachmittags kaum noch Pilger unterwegs sind. In der Ferne kann man schon das Kantabrische Gebirge sehen. Und ich denke, rechts seitlich von mir sind die Picos de Europa auszumachen. Langsam reicht es, aber bis zu meinem heutigen von mir geplanten Ziel sind es noch 15 km. Ich schleiche mit 9 bis 15 km/h dahin, obwohl es keine nennenswerten Steigungen gibt. Endlich erreiche ich das heutige Etappenziel: Mansilla de las Mulas. Es ist eine sehenswerte mittelalterliche Stadt. Das Zentrum ist teilweise noch von einem Mauerring umgeben und hat mehrere Stadttore sowie fünf runde Wachtürme. Ich fahre zum Campingplatz, richte mich dort ein, dusche kalt (weil es nur kalt gibt) und wasche mal wieder Wäsche (auch kalt). Nach der Ausschilderung habe ich vom Stadtzentrum mit dem Fahrrad rund zwei Kilometer gebraucht, bis ich den Campingplatz erreicht habe, zu Fuß sind es nur rund 300 m. Ich mache einen Stadtspaziergang und finde es beeindruckend, mit wie viel verschiedenen Farben die Häuser gestrichen sind: eine sehr ordentliche kleine Ortschaft. Ich sitze nun in einer Taberna, schreibe Tagebuch, trinke zwei Bierchen dazu und warte, dass das Menü des Tages serviert wird: Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch, Brot und Bier für 8 €. Morgen will ich möglichst bis Astorga fahren. Leon will ich nur durchqueren - ich war dort schon einmal und ich grause mich einfach vor Großstädten, so dass ich diese so schnell wie möglich wieder hinter mir lassen möchte. Abends unterhalte ich mich auf dem Campingplatz noch lange mit ein paar Spaniern. Es ist ein Kauderwelsch aus allen möglichen Sprachen. Ein junger Mann ist mit Fahrrad, Zelt und seinem Hund unterwegs. Wegen des Hundes sind seine Tagesetappen nicht länger als 20 km. Ich habe den Eindruck, dass er von Zuhause ausgerissen ist. Erkenntnis des Tages: Die Kräfte der Natur schlagen die Kräfte des Menschen (Wind gegen Muskelkraft)
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