hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
45. Tag - 15. Juli
45. Tag: Nájera - Santo Domingo - Grañon - Belorado   Tagesleistung: 44 km Gesamtstrecke: 2.549 km - noch 540 km bis Santiago - rund 250 km seit St. Jean-Pied-de-Port Wetter: tagsüber sonnig, fast ohne Wolken Wind: fast nicht zu spüren Temperatur: 18:00 Uhr 30 Grd. C Bergauf: 560 hm, Bergab: 280 hm Morgens verlasse ich den Campingplatz und fahre rund 500 m zu einer Bar, in der es Frühstück gibt. Für 7 € erhalte ich einen Kaffee, einen frisch gepressten Orangensaft, ein Schokoladen-Croissant, ein Brötchen mit Chorizo und Ei. Danach geht es frisch gestärkt auf die nächste Etappe. Und Stärke braucht man: Es geht rund 40  km fast immer nur bergauf, allerdings so, dass ich zwischen 7 und 17 km/h fahren kann. Nur zweimal muss ich kleinere Abschnitte schieben. Bis Santo Domingo fahre ich auf der Nationalstraße mit entsprechendem Verkehr, aber es gibt einen breiten Seitenstreifen, so dass das relativ easy ist und die Lastwagen ausreichend Seitenabstand einhalten können. Bis Santo Domingo gibt es immer noch Weinanbau, der jedoch zugunsten des Getreides langsam an Bedeutung verliert. Die Täler, durch die ich fahre, sind weit und relativ eben, allerdings von teilweise ziemlich hohen Bergen eingerahmt. Santo Domingo erreiche ich nach einer kleinen Abfahrt. Nachdem ich das Zentrum einmal umrundet habe, finde ich auch den Weg zur Kathedrale, die ich nach Zahlung eines Obolusses von 3,50 € besichtigen darf. Interessant sind die Hühner, die in der Kirche gehalten werden. Zu den Hühnern gibt es die Legende vom Hühnerwunder: Auf ihrer Pilgerreise nach Santiago de Compostela übernachtete eine Familie aus Deutschland in einem Gasthaus in Santo Domingo. Der junge Sohn der Familie tat es der Tochter des Wirtes  an, so dass diese sich in ihn verliebte. Als Pilger wies er deren Ansinnen aber zurück. Die Wirtstochter war aus verschmähter Liebe so von Hass erfüllt, dass sie dem Jüngling einen silbernen Becher in sein Rucksack steckte. Die Wirtstochter schwärzte die deutschen Pilger bei der Gerichtsbarkeit an. Der angeblich gestohlene Becher wurde bei dem Sohn gefunden. Als Strafe ließ der Richter ihn unverzüglich hängen. Die betrübten Eltern setzten den Pilgerweg nach Santiago fort. Als sie nach einigen Wochen auf der Rückkehr in Santo Domingo am Galgen vorbeikamen, hörten sie die Stimme des Gehenkten: "Liebe Eltern, habt keine Furcht, denn ich bin nicht tot! Der heilige Santiago hat mich auf seinen Schultern getragen." Die Eltern liefen schnell zum Richter, der gerade beim Mittagessen saß und gebratene Hähnchen aß. Sie erzählen ihm von dem Wunder. "Eure Geschichte kann so wenig wahr sein und euer Sohn so wenig lebendig wie diese frisch gebratenen Hahn und Henne auf meinem Teller wieder lebendig werden." In dem Moment flatterte das gerupfte und bereits gebratene Geflügel auf. Seither werden nun die Hühner zum Gedenken an dieses Wunder in der Kathedrale Santo Domingo de la Calzada in einem Käfig gehalten. Nachdem das unbeaufsichtigte (angeschlossene) Toxy und mein Gepäck nach dem Besuch immer noch da sind, mache ich mich auf den weiteren Weg - diesmal folge ich dem Fuß- Pilgerweg, was sehr schön ist, weil mich keine LKW´s überholen. Allerdings ist es auch ein bisschen anstrengend, weil der Weg noch hügeliger ist als die Straße und der Asphalt- Belag fehlt. Ein Kirchturm wächst aus dem Weizenfeld hervor. In Grañon mache ich mittags für eine ¾ Stunde in einer Bar Pause (zwei Kaffee, eine Cola) und studiere im Rad- Pilger-Führer, wie es weiter gehen soll. Hinter Grañon verfolge ich einige Zeit immer noch den Fußpilgerweg. Ich erreiche die Grenze zwischen RIOJA und CASTILLA Y LEÒN. Da der Pilgerweg mit Schotterbelag nun direkt neben der Nationalstraße verläuft, beschließe ich, die nur wenig befahrene Nationalstraße zu befahren und somit zumindest den besseren Untergrund zu nutzen. Inzwischen gibt es keinen Weinanbau mehr; die riesigen Felder sind mit Getreide bestellt und teilweise schon abgeerntet. Rundherum sind Berge, und ich befürchte immer, einen von diesen erklimmen zu müssen. Schließlich erreiche ich Belorado. Zwar sind auch heute nur wieder 44 km von mir gefahren worden, aber es reicht mir, und hier ist die nötige Infrastruktur vorhanden (mehrere Pilgerherbergen, kein Campingplatz). Also fahre ich die erste Herberge an. Sie haben noch ein Bett frei. Auf meine Frage, ob sie auch Einzelzimmer haben: "Si, Señor - Hotel". Na fein, die 30 €, die das Zimmer kostet, gönne ich mir - ein wirklich schönes und ordentliches Zweibett-Zimmer für mich alleine. Das ist kein Vergleich zu den überteuerten und abenteuerlichen Zimmern in Frankreich! Nachdem ich Wäsche gewaschen und aufgehängt sowie alle möglichen Akkus ans Netz zum Aufladen angeschlossen habe, gehe ich ins Städtchen (500 m), besichtige die Kirche und den Plaza Major. Auf dem Kirchturm sind mehrere Storchennester, und es klappert ordentlich von oben. Anschließend gehe ich zur Pilgerherberge zurück, trinke ein großes Bier und bestelle das Pilgermenü: Paélla, Hähnchen(bein) mit Pommes, Eis, Brot, ¼ l Rotwein - alles zusammen 10 €. Neben mir prangt ein Schild: "Santiago 540 km". Damit habe ich bereits etwa ein Drittel des Französischen Weges durch Spanien absolviert. Wenn ich meinen jetzigen Tagesschnitt von rund 55 km halte, könnte ich in zehn Tagen in Santiago sein. (Morgen muss ich aber noch auf 1.100 m hoch, und es kommen dann noch zwei ziemlich unangenehme Gebirge.) Abends wird es ziemlich windig.
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