hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
44. Tag - 14. Juli
44. Tag: Logroño - Nájera   Tagesleistung: 33 km Gesamtstrecke: 2.505 km Wetter: bis nachmittags mal stark bewölkt, ab und zu schaut die Sonne durch, abends heiter bis wolkig Wind: sehr stark, meist von vorn, manchmal von der Seite Temperatur: 16:00 Uhr 22 Grd. C Heute Morgen wache ich erst gegen 8:00 Uhr auf. Es ist bewölkt, Frühstück gibt es nicht, nur einen Kaffee con Leche kann ich mir aus dem Automaten des Campingplatzes ziehen. Er schmeckt nicht besonders, als "Entschädigung" dafür kommen die 50 Cent, die ich zahlen muss, auch wieder zurück. Kurz nach 9:00 Uhr bin ich - rund 15 Minuten nach Phillip und dem Holländer - wieder unterwegs. Ich verfahre mich bei der Stadtausfahrt von Logroño, aber einige nette Spanier weisen mir den rechten Weg. Auf dem in großen Teilen asphaltierten Pilgerweg geht es aus der Stadt heraus. Plötzlich überholen mich der Belgier und der Holländer - sie hatten sich verfahren und neun Kilometer Umweg gemacht. Bei einem "Heiligen", der mitten in der Wildnis einen "Stand" aufgemacht hat und Pilger bekehren will, halten wir an und lassen uns einen Stempel für den Pilgerausweis geben. Danach geht es weiter, meine beiden Radfahrerfreunde entfleuchen langsam in der Ferne. Ich fahre weiter durch die Weinberggegend der Rioja. Einen schönen Blick zurück gibt es auf Logroño, das nun bereits 150 Höhenmeter - und etliche Kilometer entfernt - unter mir liegt. Nach wenigen Kilometern werde ich erneut von zwei Radfahrern überholt - es ist das Ehepaar aus Barcelona. Wir unterhalten uns noch eine Zeit lang, dann trennen sich unsere Wege. Gegen 10:00 Uhr gibt es Frühstück unter blauem Himmel umgeben vom vielen unbekannten Pflanzen: ein paar Muffins und einen halben Liter Wasser. Insekten umsummen mich. Es ist richtig schön hier. Aber irgendwie habe ich heute Blei in den Beinen. Stetig geht es bergauf. Der Wind kommt von vorne. Ich habe einfach keine Lust, dagegen anzutreten. Hinter Navarrete heißt es, einen Umweg zu fahren, weil es die bisherige N 620 nicht mehr gibt (nun Autobahn). Das bedeutet zwei Kilo- meter mehr und zusätzliche hundert Höhenmeter, weil ich durch Ventosa fahren muss. Dafür darf ich dann wieder eine ziemliche lange Strecke abwärts fahren und rolle schließlich in Nájera ein. Es ist erst 14:00 Uhr, als ich nach (nur) 33 km auf dem Campingplatz ankomme. Heute ist wieder Waschtag. Da die Waschbecken alle keine Stopfen für die Abflüsse haben, wasche ich die Wäsche heute in einer meiner wasserdichten "Ortlieb"-Radtaschen - wozu man die alles gebrauchen kann. Die Akkus müssen aufgeladen werden - ich nehme mir die Freiheit, das Ladegerät an das Netz des Campingplatzes anzuschließen. Nachdem die Pflichten erledigt sind, gehe ich ein paar hundert Meter zurück in die "City" und besichtige die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Mich fasziniert immer wieder, wie ordentlich und aufgeräumt die spanischen Städte teilweise sind. Ähnlich wie in Frankreich versuchen die Spanier ihre Ortschaften durch Blumenschmuck "glänzen" zu lassen. Ich sitze auf einem großen Platz in einer Bar, trinke zwei Bier und lasse mir zwei belegte Brötchen schmecken. Vom Kirchturm klappert ab und zu ein Storch herunter (vier Nester). Zu mir setzt sich ein holländisches Ehepaar an den Tisch - Fußpilger von St. Jean-Pied-de-Port. Wir unterhalten uns gemischt auf Englisch und Deutsch fast eine halbe Stunde lang. Dann gehen wir gemeinsam das Kloster "Santa Maria la Real" besichtigen. Die Kirche und der Kreuzgang sind im Eingangsbereich einer Höhle errichtet und wirklich außerordentlich prachtvoll - einerseits von der gotischen Architektur, andererseits auch vom kunstvollen Altar her, der über und über mit Gold versehen ist - die armen Indianer, denen die Spanier das während ihrer Herrschaftszeit alles mit Mord und Totschlag geraubt haben. Anschließend laufe ich ein bisschen durch die Hauptstraße des Städtchens und schaue mir an, was die Geschäfte zu bieten haben. Allerdings beginnt das Leben hier erst ab 17:30 Uhr wieder zu pulsen, vorher ist fast alles tot. Um 19:00 Uhr gehe ich in eine Bar und bestelle mir ein Pilgermenü für 10 €: Grüne Bohnen mit Schinken, gegrillte Forelle mit Schinken, Eisbecher, ¼ Liter Rotwein. Schmeckt gut und ist voll in Ordnung. Ich sitze auf der Terrasse und habe eine schönen Blick - bei blauem Himmel mit ein paar kleinen Wölkchen - auf das Städtchen und den Fluss Rio Nájerilla. Auf dem Campingplatz sind nur fünf Parzellen besetzt. Eine Spanierin übernachtet in ihrem Golf. Abends plaudere ich noch ein wenig mit einem holländischen Paar, das im WoMo unterwegs ist. Einen Rioja-Rotwein, den ich abends noch gekauft habe, werfe ich weg, er schmeckt einfach nicht (korkig). Erkenntnis des Tages: Manchmal kann man noch so viel wollen - es geht aber einfach nicht; dann muss man los lassen!
The map is copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org nächste Seite nächste Seite vorherige Seite vorherige Seite zurück zur Seitenauswahl zurück zur Seitenauswahl