hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
43. Tag - 13. Juli
43. Tag: Puente-la-Reina - Estella - Logroño   Tagesleistung: 68 km Gesamtstrecke: 2.472 km Wetter: nachts Sturm und Regen, bis nachmittags stark bewölkt, abends heiter bis wolkig Wind: sehr stark, meist von der Seite Temperatur: morgens 17 Grd. C, abends 20 Grd. C Nachts zerrt der Sturm ganz schön heftig am Zelt, aber es hält. Und es regnet auch ab und zu - das Zelt bleibt dicht. Wie jeden Morgen stehe ich pünktlich um 7:00 Uhr auf, packe teilweise zusammen, merke, dass es in der Cafeteria der Herberge Frühstück gibt und habe nichts eiligeres zu tun, als mir eines zu bestellen: Baguette, Butter, Marmelade und Kaffee für 3 €. Wenigstens einen Kaffee nach dem Aufstehen. Ich plaudere noch ein wenig mit dem spanischen Ehepaar aus Barcelona, das ich unterwegs schon ein paar Mal getroffen habe und das auch auf dem Campingplatz in Burguete übernachtet hat. Dicke schwarze Wolken überziehen den Himmel. Ab und zu trifft mich eine Sturmböe von der Seite. Beim Schieben des Toxy macht der Wind nicht so viel aus, aber bei den Abfahrten merkt man ihn schon empfindlich. Die Wolken jagen über den Himmel, allerdings verlieren sie kaum einmal ein paar Regentropfen. Die Gegend sieht sehr interessant aus: große Ebenen, eingeschlossen von Bergen. Die Getreidefelder sind meistens schon abgeerntet. Dazwischen tauchen jetzt wieder ab und zu Weinstöcke auf. Große Teile der Landschaft liegen aber auch brach. Die Straße, auf der ich fahre, windet sich - meist direkt neben der Autobahn - durch die Landschaft. Ab und zu gibt es lang anhaltende Abfahrten, die ich genieße. Es ist allerdings ziemlich kalt und der Fahrtwind ist fast schon unangenehm. Schließlich erreiche ich nach 20 Kilometern Estella, halte mich aber dort nicht weiter auf, ich habe noch 46 Kilometer vor mir. Und Estella habe ich mir bereits einmal vor einigen Jahren angesehen. Dafür mache ich mittags Pause in Los Arcos vor der dortigen imposanten Kirche. In der Kirche wird man fast erschlagen, weil dort Unmengen von vergoldeten Schnitzereien und Gemälden eingebaut sind. Vor der Kirche lerne ich einen Griechen kennen, mit dem ich mich längere Zeit über Urlaub in Griechenland, sein Studium in England und den Jakobsweg unterhalte - sehr sympathisch. Und mein Toxy ist bei den anwesenden Pilgern (ca. 20) das Gesprächsthema Nr. 1. Jeder möchte es fotografieren. Ein Spanier gratuliert mir dafür, dass ich es von Kiel bis hierher geschafft habe. Ich verdrücke ein paar Gebäckstücke, weil mich der Hunger nun doch übermannt. Bei der Weiterfahrt muss ich mich einmal unter einem Baum unterstellen, weil es doch etwas anhaltender regnet. Nach 10 Minuten ist es aber wieder vorbei. Ich verlasse Navarra und fahre in die Provinz Rioja ein. Gleichzeitig erreiche ich deren Hauptstadt Logroño. Sehr schön: Der Pilgerweg ist gleichzeitig auch Radweg, und ich gelange ohne Problem bis mitten in die Stadt, durch die der Ebro fließt. Direkt am Ebro, 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, liegt der Campingplatz, der mit 13 € nicht ganz billig ist, aber das ist auch o.k. Neben mir schlägt ein Fahrrad fahrender Belgier sein Zelt auf, der seit Anfang Juli aus Gent unterwegs ist und jeden Tag über 120 km fährt. Solchen Ehrgeiz habe ich glücklicherweise nicht. Ich habe sogar vor, in den nächsten Tagen eventuell bei schwierigen Etappen die Tagesleistung deutlich auf 30 bis 40 km zu reduzieren. Nachdem ich das Zelt aufgebaut und mich geduscht habe, mache ich mich stadtfein und zippe wieder die langen Hosenbeine an meine Hose, ziehe Socken an und die Fleece Jacke drüber. Dann gehe ich in das Stadtzentrum - nur einmal kurz über den Ebro auf einer Fußgängerbrücke, und schon bin ich im Zentrum angelangt. Ich schlendere ein wenig durch die Gassen, schaue mir zwei Kirchen an, u.a die "Santiagokirche". Diese Kirche ist eine Pilgerkirche: Innen sieht man am Hauptaltar Jakobus als frommen Pilger, außen in"einer Steinmetzarbeit als "Maurentöter” (Matamoros). Ich denke, dass das eher ein Maurengemetzel ist. Schließlich lande ich in einem Café, in dem ich das Tagebuch schreibe. Das Bier schmeckt gut, und Tapas gibt es auch gratis dazu. Die Sonne scheint im Moment wieder, die Fleece-Jacke kann ich langsam wieder ausziehen. In einer anderen Bar bekomme ich sogar einmal ein Franziskaner-Weißbier. Zum Abendessen genehmige ich mir ein Bocadillo mit Lachs, das mehr als ausreichend ist. Als ich auf den Campingplatz zurückkomme, treffe ich dort den bereits nachmittags da gewesenen Belgier (Philipp) und den Holländer, den ich schon in St. Jean-Pied-de-Port kennen gelernt habe. Er hat bei Freunden in Pamplona Pause gemacht und einen Tag ausgesetzt, so dass ich ihn dadurch überholt habe. Wir trinken gemeinsam noch ein paar Gläschen Rotwein. Erkenntnis des Tages: Auch in Spanien kann es kalt sein!
The map is copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org nächste Seite nächste Seite vorherige Seite vorherige Seite zurück zur Seitenauswahl zurück zur Seitenauswahl