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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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42. Tag - 12. Juli
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42. Tag: Burguete - Pamplona - Puente-la-Reina   Tagesleistung: 70 km Gesamtstrecke: 2.404 km Wetter: morgens stark bewölkt, mittags sehr heiß, bis nachmittags wolkenlos, dann stark bewölkt und Sturm, Wind: ab nachmittags stärker werdend (Sturm) Morgens wache ich pünktlich um 7:00 Uhr auf, packe zusammen und fahre eine Stunde später ohne Frühstück los. Die erste Steigung folgt sofort, ist jedoch ziemlich leicht zu bewältigen (Alto des Mesquiritz 922 m). Danach geht es eine ganze Zeit kontinuierlich bergab, bis der Alto Erro im Weg steht, den ich wieder in Teilen schiebend bewältige. Danach - hurra - komme ich fast ohne zu treten bis kurz vor Pamplona. Vorher übermannt mich aber doch noch der Hunger. In einem kleinen Kaffee am Wegesrand bestelle ich mir einen Kaffee con Leche (Kaffee mit Milch) und ein Bocadillo. Das Bocadillo ist ein Weißbrot, der Länge nach geteilt, dazwischen warmes Schnitzel, eingelegtes Paprika und Käse. Ich bin jedenfalls pappsatt, nachdem ich das alles verdrückt habe. Der Kaffee und das Bier kosten hier in Espania übrigens rund die Hälfte von dem, was ich in Frankreich dafür zahlen musste. Die Wegbeschreibung des Pilgerführers nach Pamplona hinein ist allerdings ziemlich lückenhaft, so dass ich mich prompt mal wieder verfahre. Ehe ich mich aber darum kümmern kann, gibt es einen Knall und ein klirrendes Geräusch. Ich halte sofort und sehe die Bescherung: Eine Querstrebe des Gepäckträgers ist herausgebrochen, so dass er nun auf dem Schutzblech aufliegt. Nach kurzem Überlegen suche ich aus der Campingausrüstung eine lange Leine heraus und verspanne den Gepäckträger mit dem Sitz - es scheint zu halten. Dann kümmere ich mich um den Weg. Ein freundlicher Herr erklärt mir auf Englisch, wie ich nach Pamplona gelange. Dort ist der Teufel los. Tausende von Menschen, alle weiß gekleidet mit roter Baskenmütze und roter Schärpe um den Bauch, bevölkern die Innenstadt. Ich wäre gerne über Nacht dort geblieben, weil Pamplona wirklich interessant ist. Aber es gibt dort keine Unterkünfte und gemütlich ist es bei dem Auflauf auch nicht. Also nichts wie weiter. Ich bin heilfroh, als ich mit Hilfe eines Polizisten schließlich den Weg aus dem Gewühl heraus finde. Der Fahrradpilgerführer ist mir dabei wieder einmal wenig hilfreich. Zunächst fahre ich ein paar Kilometer auf der !Autobahn! Dann muss ich aber runter und benutze die alte National- straße. Zum Alto Perdon geht es wieder 200 m hoch. Ich schiebe rund drei Kilometer. Und dann kommt der Hochgenuss: rund 10 km Abfahrt nach Puente-la- Reina, eine wichtige Pilger- station, da sich hier zwei Pilgerwege treffen (der von St.-Jean-Pied-de-Port und der von Jaca). Puente-la- Reina ist wegen der dort befindlichen Brücke berühmt. Das Wetter ist inzwischen ziemlich schlecht geworden. Der Himmel ist dunkel bewölkt, der Wind pfeift in Sturmstärke, glücklicher- weise kommt er die letzten Kilometer heute von hinten oder schräg von hinten. Bei der Pilgerherberge darf ich auf der Wiese mein Zelt aufbauen - kostet heute 6 €. Nach der notwendigen Dusche gehe ich ins Dorf und suche einen Supermarkt. Ich muss unbedingt Nähzeug kaufen, da einer meiner Radlerschuhe ein wenig den Geist aufgibt und eine Naht nachgenäht werden muss. Im Supermarkt habe ich keinen Erfolg, aber die nette Kassiererin gibt mir einen Stadtplan und erzählt mir, dass ich zu einer Marceria gehen soll. Sie malt in den Plan hinein, wo diese ist. In der Marceria bekomme ich endlich Nadel (20 Stück-Packung) und Faden und einen Fingerhut, und ich kann - zurück bei der Herberge - den Schuh reparieren. Ich habe mir in der Herberge ein Pilgermenü (10 €) bestellt: Gemischter Salat, Spiegeleier, Pommes und Würstchen, Pudding, Brot, ein Glas Rotwein (stellte sich als ½ l-Bierglas heraus). Ich sitze zusammen mit Billi, einer Holländerin, die schon den ganzen Weg von Holland gegangen ist, Lars aus Norwegen, René mit seiner Frau aus Frankreich. Wir unterhalten uns dreisprachig - das funktioniert hervorragend. Abends treffe ich vor der Herberge noch eine Pilgergruppe aus Deutschland, mit deren Mitglieder ich mich noch eine Weile unterhalte. Bei Sonnenuntergang singen wir gemeinsam ein paar Lieder. Danach verabschiede ich mich dann endgültig in mein kleines Zelt. Erkenntnis des Tages (heute mal wieder nicht so originell): Eine Stadt kann noch so interessant sein - aber sie kann auch zur schnellen Durchreise verführen
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