hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
41. Tag - 11. Juli
41. Tag: St.-Jean-Pied-de-Port - Ibaneta-Pass - Roncesvalles - Burguete   Tagesleistung: 33 km Gesamtstrecke: 2.334 km Wetter: ganztägig sonnig und heiß Temperatur: 18:00 Uhr 32 Grd. C Wind: keiner Heute Morgen will ich es aber wissen: Zelt und Ausrüstung zusammenpacken, etwas frühstücken und dann ab Richtung Spanien. In der Ortschaft komme ich aber noch an einer Bar vorbei, in der der Holländer vom gestrigen Abend sitzt und Kaffee trinkt. Ich schließe mich an und genehmige vor dem Anstieg auch noch zwei Tassen Kaffee. Im Radwanderführer heißt es dazu: "Der relativ gleichmäßige Anstieg zum 1057 m hohen Ibaneta-Pass verteilt sich auf viele Kilometer, ist nur selten etwas steiler und deshalb nicht allzu schwierig zu bewältigen". Nun ja, das ist alles relativ und man kann das so sehen - ich jedenfalls habe das Toxy die letzten sechs Kilometer fast ausschließlich geschoben. Insgesamt sind es bergauf 870 m auf 25,5 Kilometer verteilt. Ich muss Geduld üben - eigentlich geht es mir nicht schnell genug. Aber es geht nur das, was der Körper hergibt. 13:30 Uhr bin ich endlich oben - gemeinsam mit einem 67 Jahre alten Holländer, der sich mir auf mein Zuraten hin beim Schieben anschlossen hat. Seine Tochter (27 Jahre) wartet oben am Pass auf uns - sie ist eine halbe Stunde vor uns da gewesen. Den Beiden spendiere ich einen Liter Wasser - sie hatten dummerweise nichts Trinkbares dabei. Trotz aller Anstrengung ist es ein grandioses Erlebnis durch die Welt der Pyrenäen zu radeln bzw. zu schieben. Der Fußpilgerweg geht immerhin noch auf 1400 m Höhe, so dass man es als Radfahrer im Gegensatz dazu doch relativ einfach hat. Allerdings ist das hier noch nicht die höchste Stelle des Weges: In Spanien gibt es noch etliche Gebirge und es soll auf über 1500 m gehen!! Nach wenigen Kilometern Abfahrt erreiche ich schließlich Roncesvalles, einen wichtigen Ort für die Pilger nach der Überquerung des Gebirges. Ich besichtige die Anlage und hole mir meinen ersten spanischen Pilgerstempel. In den Pilgerführern heißt es, dass in Roncesvalles keine Fahrradpilger aufgenommen werden. Ich frage in der Pilgerherberge nach, wo mir gesagt wird, dass das nicht stimme. Offensichtlich schreiben die Pilgerführer die falsche Info voneinander ab. Da es noch relativ früh ist, fahre ich noch ein paar Kilometer weiter. Bis Pamplona sind es noch 40 km. Da dort derzeit keine Übernachtungsmöglichkeit wegen der vom 6. bis 14. Juli stattfindenden "Fiesta de San Fermin" (die Stierhatz durch die Straßen von Pamplona) zu finden ist, beschließe ich, heute bereits nach 33 km Schluss zu machen. Außerdem tun mir die Knochen ein bisschen weh. Ich finde einen schönen Campingplatz kurz nach Burguete, auf dem ich mein Zelt aufschlage. Heute ist Großwäsche angesagt - es hat sich in den letzten Tagen doch etliches angesammelt, und die Kunstfaserkleidung kann man längstens einen Tag tragen. Es ist so schön warm, dass die Wäsche innerhalb von vier Stunden knochentrocken ist. Ich unterhalte mich ein wenig mit einem Ehepaar aus Barcelona, das mich auf dem Weg nach oben überholt hat und ebenfalls auf dem Campingplatz übernachtet. Morgen wird es ein langer Tag werden, da ich Pamplona durchqueren werde (ohne Übernachtung) und dann noch ein paar Kilometer bis zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit vor mir habe. Außerdem liegen insgesamt doch etliche Höhenmeter vor mir, allerdings nicht am Stück. Jetzt werde ich mir erst einmal im Restaurant des Campingplatzes etwas zu Essen gönnen. Erkenntnis des Tages: In den Pyrenäen lernt man geduldig zu werden (ich denke, dass das ein gutes Ergebnis dieser Anstrengung ist).
The map is copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org