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Jakobsweg 2011
4. Tag - 4. Juni
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4. Tag: Delmenhorst - Wildeshausen - Visbek - Lohne - Damme     Tagesleistung: 80 km Gesamtstrecke: 303 km Wetter: wolkenlos Wind: 2 aus allen Richtungen Temperatur nachmittags: gefühlte 32 Grd. C Heute Morgen passiert mir das nächste Malheur: Ich stoße mir in der Gästetoilette beim Aufrichten den Kopf (oben) an der Ecke des Badezimmerschränkchens an - das Gefühl war so ähnlich wie früher bei Höhlenbesichtigungen: Ich kam meistens mit blutenden Kratzern am Kopf aus der Höhle heraus. So auch hier: Im ersten Moment fließt das Blut sehr reichlich; ich kann es aber relativ schnell stillen. Dieter verarztet noch einmal meine Abschürfungen am linken Unterarm. Anschließend frühstücken wir auf der Terrasse lang und ausgiebig, so dass ich erst kurz nach 10:00 Uhr aus Delmenhorst loskomme. Der Radweg ist gut ausgebaut und es fährt sich prächtig, auch wenn die Autos und Motorräder mit ihrem Krach manchmal etwas nerven. Die ganze heutige Strecke hat übrigens Radwege, so dass es auf der Straße keinerlei Konflikte mit irgendwelchen Autos gibt. Ich stelle fest, dass mein Camino derzeit eher vom sportlichen Ehrgeiz geprägt ist als von innerer Besinnung. Im Moment interessiert mich mehr, wie viele Kilometer ich wohl schaffen könnte, welche Gänge bei den verschiedenen Geschwindigkeiten bei unterschiedlicher Steigung/Gefälle am sinnvollsten zu nutzen sind. Ab und zu mache ich mir dann auch noch Gedanken, wie und ob es ohne mich in der Arbeit weitergeht. Diese Gedanken vertreibe ich allerdings ganz schnell wieder: Es geht mich wirklich nichts mehr an. In Wildeshausen besichtige ich die wunderschöne Alexanderkirche - auch mit dem Hintergedanken, mir dort einen Pilgerstempel zu holen. Leider sind alle genannten Kontakte nicht erreichbar, so dass ich unverrichteter Dinge wieder abziehe. In Fotografierlaune bin ich übrigens auch noch nicht so ganz, da ich einfach zu faul bin, bei einem netten Motiv anzuhalten und abzusteigen - was nicht ist, kann ja noch werden. In Visbek besichtige ich ebenfalls die Kirche, wieder Fehlanzeige mit dem Stempel. Dafür setze ich mich in eine Gaststätte und bestelle ein Weizen (für den Geschmack) und ein Glas Mineralwasser (gegen den Durst). Für das Wasser verlangen die dann 3 €, mehr als für das Bier - irgendwie ist das Seeräuberei! 20 km vor Damme rufe ich in der dortigen DJH an, ob noch Platz ist. Nach- dem mir ein Bett zugesagt worden ist, fahre ich weiter bis Steinfeld. Die direkte Strecke nach Damme will ich nicht fahren, da diese über die Dammer Berge führt. Also umfahre ich diese östlich - etwa 10 km Umweg. In Damme suche ich die Jugendherberge und muss nunmehr von der anderen Seite die Dammer Berge bezwingen. Dort treffe ich gegen 17:00 Uhr ein. Mir wird (ohne Aufpreis) ein schönes großes Einzelzimmer zugeteilt. Nach dem Abtakeln des Fahrrades und Beziehen des Bettes kann ich erst einmal schnell duschen - welch ein Genuss - dann gibt es Abendessen (Gesamtpreis für Halbpension und Übernachtung 27 €). Anschließend mache ich mich daran, Wäsche zu waschen und den Reisebericht zu schreiben. Wäsche waschen ist ein bisschen kompliziert, da keine brauchbaren Möglichkeiten zum Aufhängen da sind. Also wird improvisiert, und die nassen Sachen werden irgendwo im Zimmer drapiert. Glücklicherweise trocknet die Funktionskleidung schnell. Heute habe ich übrigens 303 km seit Kiel hinter mir. Damit ist schon mehr als ein Zehntel des Camino geschafft. Theoretisch könnte ich in 40 Tagen dort sein, wenn ich den gleichen Schnitt wie bisher halte. Diesen Ehrgeiz habe ich allerdings nicht - vielleicht bleibe ich irgendwo auch mal, wenn der sportliche Ehrgeiz etwas geringer und mein Weg "spiritueller" geworden ist, ein oder zwei Tage. Aber keine Angst: ich werde bestimmt nicht als komischer Kauz zurückkommen.
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© Hans Schönherr 2012-2015