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Jakobsweg 2011
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39. Tag - 9. Juli
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39. Tag: Orthez - St.-Jean-Pied-de-Port   Tagesleistung: 67 km Gesamtstrecke: 2.301 km - (863 km von Vézelay) Wetter: morgens bewölkt und regen, vormittags bewölkt und kühl, nachmittags mit etwas Sonne und schwül/heiß Temperatur 19:00 Uhr: 32 Grd. C Wind: keiner Um 6:00 Uhr werde ich wach, weil es etwas regnet. Nach ca. fünf Minuten ist mit dieser Episode aber bereits Schluss. Als ich um 7:00 Uhr aufstehe, ist davon nichts mehr zu spüren. Nach dem Einpacken esse ich etwas Baguette von vorgestern - es geht gerade noch so. Mit Wasser wird alles herunter gespült.   In Orthez verfahre ich mich natürlich gleich wieder, merke es aber noch rechtzeitig, so dass ich noch umkehren kann. Und dann geht es los: Bergauf, bergauf, bergauf. Immer wieder mit Schieben verbunden. Für die ersten zehn Kilometer brauche ich bald 1½ Stunden. In Ste.-Foy-la-Grande hatte ich noch gedacht, dass es bis St.-Jean-Pied-de-Port relativ eben zugeht - so kann man sich täuschen!   In L'Hopital-D'Orion mache ich in einer Pilgerkirche kurze Rast und komme in ein Gespräch mit zwei Frauen, die die Kirche herausputzen - sie sind ganz erstaunt über mein Gefährt und zeigen mir ihre Fahrräder mit dem Hinweis, dass ich lieber mit einem normalen Rad fahren solle. Nach 20 km bin ich so weit, dass ich mir überlege, bei ca. der Hälfte der Strecke bis St.-Jean-Pied-de- Port für heute Schluss zu machen und ein Hotel zu suchen. Ein Hotel finde ich aber erst nach gut 40 km, so dass ich meine Entscheidung revidiere (es ist 13:00 Uhr), noch einmal alle physischen und psychischen Kräfte mobilisiere und weiter fahre. Eine goldrichtige Entscheidung: Auf den letzten 25 Kilometer gibt es nur noch einen signifikanten Anstieg, ansonsten geht es meist eben dahin oder bergab. Irgendwann mache ich auf einen Rastplatz Mittagspause. Es gibt zwei Äpfel und Wasser. Dann schlafe ich ein wenig auf der Bank ein und werde durch die Sonne geweckt, die nun plötzlich wieder aus den Wolken hervorschaut. Es wird heiß und schwül. Die Gegend sieht inzwischen schon alpin aus - der Mittelgebirgscharakter ist verschwunden. Kurz nach 15:00 Uhr komme ich in St.-Jean-Pied-de-Port an. Ich suche mir gleich einen Platz auf dem sehr zentral gelegenen Camping Municipal (ca. 150 m von Zentrum entfernt). Neben meinem Zelt baut eine Familie aus Deutschland ihr Zelt auf. Ich bekomme ein spanisches Bier in der Dose geschenkt. Sehr nett. Auf der anderen Seite ist ein Franzose dabei sein Zelt zu befestigen. Er ist begeistert, als ich ihm meinen Hammer leihe, damit er die Zeltnägel einschlagen kann. Nach den üblichen Notwendigkeiten ist Stadtbesichtigung angesagt. Kleine schmale Gässchen mit hübschen Häusern, teilweise mit Fachwerk. Die "Hauptstraße" (Fußgängerzone) ist vielleicht fünf Meter breit und steigt steil an. An jedem Ende und in der Mitte bei der Kathedrale befindet sich ein Stadttor.   Im Pilgerbüro hole ich mir den Stempel. Der Mann dort ist fast enttäuscht, dass er mir nicht weiterhelfen kann. Er bewundert aber meine vielen Stempel, die ich schon habe. Ich gehe schnell etwas fürs Abendessen einkaufen, bringe es zum Zelt und setze den Stadtbummel fort. Endlich gibt es heute den ersten Kaffee - er hat mir gefehlt. Es laufen eine Menge Touristen herum, die wenigsten dürften allerdings Pilger sein. Der Ort scheint allgemein Anziehungskraft zu besitzen. Inzwischen ist es 19:30 Uhr. Die Sonne scheint wieder - kaum noch Wolken. Morgen will ich in Spanien sein (Pamplona?) Fazit des Tages: So anstrengend wie heute war es bisher noch nicht. Erkenntnis des Tages: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
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