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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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38. Tag - 8. Juli
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38. Tag: Mont-de-Marsan - St.-Sever - Hagetmau - Orthez   Tagesleistung: 69 km Gesamtstrecke: 2.234 km - (796 km von Vézelay) Wetter: ganztägig wolkenlos Temperatur 20:00 Uhr: 28 Grd. C Wind: schwach aus verschiedenen Richtungen, häufig von vorne Kaum dass ich um 7:00 Uhr aufgestanden bin, steht der Campingplatzwart vor meinem Zelt und will kassieren. Macht nichts, ich zahle gerne die 7 € - so komme ich wenigstens pünktlich kurz nach acht Uhr los. Natürlich finde ich wieder nicht die richtige Stadtausfahrt aus Mont- de-Marsan und muss deshalb einen Umweg von rund 5 km fahren. Es geht unheimlich aufgeregt auf den Straßen zu - so etwas habe ich in Frankreich bisher (zumindest seit ich per Toxy unterwegs bin) nicht erlebt. Richtung St.-Sever fahre ich auf dem Standstreifen einer vierspurigen Schnellstraße (ca. 20 km). In St.-Sever, das auf einer Berghöhe liegt, genehmige ich mir erst einmal meinen Morgenkaffee und besichtige die Kathedrale (Weltkulturerbe). Von da an wird es landschaftlich viel schöner. Ich fahre auf kleinen Nebenstraßen und folge einmal genau den Ausschilderungen des Jakobsweges, habe keinen Verkehr. Eine hügelige Landschaft, entweder extensiv bewirtschaftet oder Maisanbau (genmanipuliert). Es ist richtig romantisch, wie ich durch kleine enge Täler fahre, um dann wieder auf dem Höhenrücken zwischen zwei Tälern dahin zu radeln. Unterwegs pflücke ich wilde Brombeeren - sie schmecken einmalig gut. Die kleinen Ortschaften sind bemerkenswert aufgeräumt und sauber. Menschen sieht man kaum. Die Fensterläden sind wegen der Hitze fast alle geschlossen. In Hagetmau bin ich wirklich platt: Ein kleines Städtchen, natürlich mit prächtiger Kirche, aber mit einer Blumenpracht ohnegleichen und sauber, wie man es sich für Südfrankreich eigentlich nicht vorstellen kann. Bin auch platt, weil das Fahren auf kleinsten Straßen doch ein wenig anstrengend ist. Also gibt es erst einmal den wohlverdienten Mittagskaffee. Dann geht es weiter entsprechend den Vorschlägen des Pilgerführers. Wenn man den Blick schweifen lässt, sieht man im Vordergrund eine Vorgebirgslandschaft mit Wiesen, Wäldern, grasenden und wiederkäuenden hellen Kühen. Und weiter hinten im Dunst lassen sich erstmals die Pyrenäen schwach erahnen. Einmal wäre ich fast gestürzt, weil die asphaltierte Straße plötzlich ein stark abschüssiger Feldweg mit Schotter und Kiesbelag wird. Ich kann das Toxy gerade noch abfangen und schiebe lieber weiter (diesmal ausnahmsweise bergab, was allerdings schwierig ist, weil man das Toxy dabei schlecht festhalten und dirigieren kann). Später als ich denke, komme ich in Orthez an. Im Tourist Office frage ich nach einem Bett im Refugé. Es ist noch eins frei (von sechs), als die Dame allerdings erfährt, dass ich Fahrradpilger bin, zieht sie ihre Zusage zurück - Fußpilger haben Vorrang. Na gut: dann also wieder auf den Campingplatz, der wie fast immer zwei Kilometer außerhalb des Ortszentrums liegt. Als ich ankomme, ist der Durst groß - der Campingplatzwart verkauft glücklicherweise gut gekühltes Bier! Nach den üblichen Obliegenheiten gehe ich zurück ins Städtchen, besichtige die Kathedrale, kaufe Wasser und O-Saft (ich bin, glaube ich, inzwischen O-Saft-süchtig). Anschließend suche ich mir ein Restaurant, in dem ich Tagebuch schreibe. Ich gönne mir heute ein 3-Gang-Menü, und freue mich darauf. Erkenntnis des Tages: Bergauf schieben bin ich gewöhnt, bergab schieben irritiert mich aber sehr!
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