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Jakobsweg 2011
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35. Tag - 5. Juli
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35. Tag: Ste.-Foy-la-Grande Heute möchte ich einmal einen Tagesbericht geben, der keine Etappe beschreibt, sondern eine Art Zwischenbilanz abgibt. Eine Tagesetappe gibt es deshalb nicht, weil ich mich gestern Abend kurz dazu entschlossen habe, erstens weil es mir hier so gut gefällt und zweitens aus Anlass der 2000 km-Marke einen Faulenzertag einzulegen und die Beine etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Und ich denke, dass es durchaus legitim ist, nach 35 Tagen insgesamt einen dritten Tag einzulegen, an dem ich "nichts" tue. Der Campingplatz hier an der Dordogne ist wirklich sehr reizend gelegen. Ungefähr 50 m vor mir fließt ganz gemächlich die Dordogne vorbei. Der Fluss mag hier ca. 80 m breit sein, ist relativ flach, da einige Angler/Fischer bis zum Bauch im Wasser stehen und versuchen irgendwelche Fische aus dem Wasser zu ziehen - ich habe bisher keine erfolgreichen gesehen. Nachts kann man ein ziemlich ausgeprägtes Froschgequake hören. Auf dem gegenüberliegenden Ufer steigt das Gelände langsam an. Zwischen parkähnlicher Bewaldung liegen ab und an ziemlich herrschaftliche Häuser. Auf dem Campingplatz stehen ziemlich alte große Laubbäume, die schönen Schatten spenden. Mein Zelt steht deshalb auch fast den ganzen Tag im Schatten, allerdings haben die Ameisen es für sich entdeckt, so dass es nur die Lösung gibt, alle Reißverschlüsse des Innenzeltes zu schließen. Ich habe vor meinem kleinen Zelt eine Bank mit Tisch stehen, so dass ich alles im Sitzen machen kann (natürlich alles außer schlafen). Der Swimmingpool ist zwar nicht groß, aber gut gepflegt und hat schönes kühles Wasser. Nachher wenn es etwas heißer geworden ist, werde ich ihn ausgiebig nutzen. Das zur Gegend in der ich mich befinde. Nun zur Zwischenbilanz: Nach nunmehr 2/3 des Weges fühle ich mich körperlich ausgesprochen wohl. Den Gürtel kann ich schon erheblich enger schnallen - jetzt fehlen allerdings weitere Löcher! Bergauf gelingen mir inzwischen auch längere Anstiege ohne zu schieben, wobei es mir manchmal zu mühsam ist mit 6,5 km/h bergan zu fahren, während man erheblich leichter mit 5,5 km/h bergan schieben kann.   Meine Hautfarbe ist an den Unterarmen, den Unterschenkeln und im Gesicht ziemlich dunkel, ansonsten merkt man an der Bräunung des übrigen Körpers noch nicht so sehr, dass ich in Südfrankreich bin. Ich genieße jeden Tag, den ich unterwegs bin. Allerdings habe ich es am Anfang wesentlich leichter ausgehalten, wenn ich nur wenig Ansprache hatte, jetzt freue ich mich über jeden Menschen, mit dem ich mich unterhalten kann. Es ist auch so, dass ich mich verstärkt wieder auf Zuhause freue (ob das evtl. schon ein klein bisschen Heimweh ist?). Auf meinen täglichen Fahrten empfinde ich zwar nach wie vor den sportliche Hintergrund als wesentlich, gleichwohl mache ich mir aber auch viele Gedanken darüber, wie es zukünftig weitergehen soll, was ich machen kann usw., obwohl ich ja durchaus auch eine Menge Interessen habe, denen ich nachgehen kann und auch nachgehen möchte.   Und ich genieße und bewundere die Landschaft, die so anders ist als bei uns. Ich freue mich, wenn ich hübsche Häuser und Ortschaften finde und wundere mich, wenn ich sehe, in welch verfallenen Bruchbuden hier manche Menschen hausen, aber das Thema hatten wir ja schon einmal. Ich sehe am Straßenrand viele Dinge, die einem beim Autofahren nicht so sehr auffallen: Pflanzen und Tiere, die ich teilweise auch nicht kenne. Die Gegenden, durch die ich hier in Frankreich gefahren bin, sind ohnehin die, die wir in den letzten Jahren bei unseren Wohnmobiltouren zum Teil schon gesehen haben. Aus der Autoperspektive sieht jedoch alles noch ein wenig anders aus. Beim Fahrradfahren, wird jeder Berg zum Erlebnis - sei es bergauf oder sei es bergab. Ich freue mich jetzt auf die noch vor mir liegenden rund 1.000 bis 1.100 km - so genau lässt sich das derzeit noch nicht abschätzen. Von der spanischen Grenze werden es 750 bis 800 km bis Santiago sein. Von den Steigungen her wird es bis St.-Jean-Pied-de-Port wohl relativ eben dahin gehen - so habe ich zumindest gedacht ;-). Hier bin ich auf 25 m über NN, dort werden es rund 180 m über NN sein. Danach beginnt dann der Anstieg auf rd. 1.000 m im Stück! Erkenntnis des Tages: In der Ruhe liegt die Kraft!
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