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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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32. Tag - 2. Juli
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32. Tag: St.-Léonard-de-Noblat - Pierre-Buffiére - St.-Yrieix-la-Perche   Tagesleistung: 60 km Gesamtstrecke: 1.868 km - (430 km von Vézelay) Wetter: ganztägig wolkenlos Temperatur 18:00 Uhr: 30 Grd. C Wind: schwach aus verschiedenen Richtungen, häufig von hinten Die Nacht habe ich gut geschlafen, trotz der Riesenpizza von gestern Abend. Nachdem ich meine Sachen gepackt habe, stehe ich pünktlich um 7:30 Uhr bei Madame Yvonne vor der Tür für das Petit Déjeuner. Es gibt ein kleines Baguette, einen Croissant, Kaffee, Cornflakes, Marmelade. Wir unterhalten uns in einem Kauderwelsch Englisch/Französisch. Dabei erzählt sie mir, dass ihr Urgroßvater aus Tschechien stammt, ihr Großvater aus Deutschland. Ich gehe anschließend noch schnell einkaufen, bezahle das Zimmer (sie möchte 15 €, ich gebe ihr 20 €), danach noch ein Abschiedsfoto, und ab geht die Fahrt auf die nächste Etappe. Laut Pilgerführer soll die heutige Strecke über Limoges führen, der Hauptstadt des Limousin. (Die Via Lemoviciensis heißt übrigens so, weil sie durch Limoges führt.) Dazu habe ich aber einfach keine Lust, da ich das dortige Samstag-Vormittag- Verkehrsgewühl fürchte. Also wähle ich einen Weg südlich um Limoges herum, etwas abseits des eigentlichen Pilgerweges. Es braucht keiner zu glauben, dass ich deshalb ein schlechtes Gewissen habe, schließlich ist der Weg das Ziel. Gleich zu Anfang treffe ich auf zwei französische "Pilgerbrüder", die sich mit Rucksäcken bepackt den Berg hoch quälen, ich schiebenderweise mit dem Toxy. In der Geschwindigkeit liegen wir gleich auf. Bald jedoch trennen sich unsere Wege wieder, da ich schließlich den kleinen Abstecher vom Jakobsweg eingeplant habe. Der Weg ist ganz schön anstren- gend. Wieder ist es warm, die Anstiege gehen bis 540 m hoch, und es gibt auch viele Abfahrten. Insgesamt geht der heutige Tag ganz schön an die Substanz - gleichwohl, es ist wieder eine atemberaubende Landschaft gewe- sen, bei der es lohnt, auch einmal zu verweilen und sich umzusehen. Gegen 15:00 Uhr erreiche ich den Campingplatz von St.- Yrieix-la-Perche, einem klei- nen, im Kern mittelalterlichen Städtchen. Der Campingplatz ist sehr, sehr ordentlich, gepflegt und liegt wunder- schön an einem kleinen See. Von der Dame der Rezeption werde ich sehr freundlich (auf Englisch) empfangen. Als sie hört, dass ich nach "Compostelle" fahre, ist sie ganz aus dem Häuschen - besonders als sie auch noch erfährt, von wo ich schon herkomme. Sie bietet mir sogar an, mich ins zwei Kilometer entfernte Städtchen fahren zu lassen, was ich aber dankend ablehne. Sie schenkt mir eine Tüte "Madeleines", eine Spezialität der Gegend, weil sie sich so über einen Jakobspilger freut. Das nehme ich gerne an - eignet sich hervorragend als Frühstück, und ich freue mich über so viel Zuwendung. Nachdem ich das Zelt aufgebaut und mich geduscht habe, nehme ich mein vom Gepäck befreites Toxy und sause damit in das Städtchen. Es ist sehr idyllisch, richtig mittelalterlich und sehenswert. Eine riesige Kirche und ein etwas verfallener Wehrturm dominieren die Ortschaft. Ich fotografiere hier ziemlich viel, weil mir alles so gut gefällt. Nach einem Rundgang und einem kühlen Bier fahre ich zu einem Supermarkt, kaufe noch etwas zu trinken ein und fahre wieder zum Campingplatz, wo ich jetzt in der Sonne sitze und den Abend mit einem Blick auf den See ausklingen lasse.
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