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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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31. Tag  - 1. Juli
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31. Tag: Bénévent l´Abbaye - Chaelus-le-Marcheix - St.-Léonard-de-Noblat   Tagesleistung: 45 km Gesamtstrecke: 1808 km - (370 km von Vézelay) Wetter: vormittags wolkenlos, mittags leicht bewölkt, nachmittags wolkenlos Temperatur: 18:00 Uhr 28 Grd. C Wind: schwach aus verschiedenen Richtungen Die Maus ist wieder da! Ich hatte Sie nur irgendwo in eine falsche Tasche gepackt. Ich habe eine wunderschöne Nacht im Vierbettzimmer für mich alleine gehabt - offensichtlich verirren sich nicht viele Pilger hierher. Selbstverständlich trage ich mich auch noch ins Gästebuch der Herberge ein - was ich übrigens auch in den "Gästebüchern" der jeweiligen Kirchen mache. Morgens geht es, nachdem ich mir in der Herberge einen Kaffee gekocht habe (im Preis enthalten), wieder bei strahlend blauem Himmel los. Vorher verabschiede ich mich noch bei der Frau von Yves, die abends sogar meine Wäsche noch ein wenig ordentlicher aufge-hängt hat. Für heute sind etliche Anstiege angekündigt. Im Pilgerführer steht, dass es nur 530 m Gipfelhöhe seien - allerdings sind es doch erhebliche Höhenmeter, die beim ewigen rauf und runter zusammenkommen. Als Entschädigung für die Mühen macht das Abwärtsfahren jedoch wieder unheimlich viel Spaß. In Chaelus-le-Marcheix mache ich an einer Bar kurze Kaffeepause. Da taucht ein holländisches Radler-Pilgerpaar auf, das sich nach kurzer Unterhaltung zu mir setzt. Die beiden (Karin und Jan) sind auch auf dem Pilgerweg, den sie allerdings in drei Etappen machen. Sie sind diesmal in Nevers gestartet und wollen mindestens bis St.-Jean-Pied-de-Port. Sie laden mich zum Kaffee ein und fahren dann auf einer anderen Strecke als ich weiter. Wirklich sehr nette Leute, denen man auf dem Pilgerweg begegnet. Nach etlichen Anstiegen - ich habe heute schätzungsweise 5 km geschoben - lande ich schließlich in St.-Léonard-de-Noblat. Der Campingplatz liegt ungefähr 4 km außerhalb des Ortes und bergab, so dass ich im Tourist Office (das es übrigens in fast jeder etwas größeren Ortschaft gibt) nach einer Unterkunft frage. "Reguläre" Zimmer in der von mir vorgeschlagenen Preiskategorie (bis 40 €) gibt es nicht. Man verweist mich aber an eine Papelleria (Schreibwarengeschäft) mitten in der Ortschaft gegenüber der Kirche, die würden mir eine Übernachtungsmöglichkeit für Pilger nachweisen. Als ich vor der Kirche ankomme war, drückt mir eine Frau eine Visitenkarte in die Hand und fragt mich, ob ich ein Zimmer brauche - sie hätte welche. Der Preis? 15 € incl. Petit Déjeuner. Ich schaue mir das Zimmer, das mitten im Zentrum liegt, an und bin begeistert (Das Zimmer ist eine kleine Wohnung!). Frisch bezogene Betten, Handtücher in der Dusche, Shampoo zum Duschen - alles ist da. Ich verzichte endgültig auf die Campingplatz- oder Pilgerherbergemöglichkeit und sage sofort zu. Nachdem ich das Fahrrad im Flur des Treppenhauses verstaut und angeschlossen, meine Sachen ins Zimmer gebracht und mich geduscht habe, mache ich einen Rundgang durch das kleine mittel-alterlich wirkende Städt-chen, besichtigte die Kirche und eine kleine Bar. Außer-dem suche ich einen Fri-seur auf, wo mir von einer netten jungen Frau Haare und Bart gestutzt werden. Es ist mal wieder dringend nötig, zivilisiert auszu-sehen. Trotz fehlender Französischkenntnisse funktioniert sogar die Kommunikation mit der Friseurin. Jetzt sitze ich in einer Pizzeria, habe eine Riesenpizza (60 cm Durchmesser) - fast - verdrückt und schreibe Tagebuch. Es ist angenehm, blauer Himmel, die Sonne bescheint die Riesenkirche hier in der Ortschaft. So habe ich mir Frankreich immer vorgestellt. Erkenntnis des Tages: Überraschende Ereignisse werfen manchmal alle Vorhaben über den Haufen!
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