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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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30. Tag - 30. Juni
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30. Tag: Crozant – St. Germain-Beaupré – la Souterraine – Bénévent l´Abbaye Tagesleistung: 50 km Gesamtstrecke: 1.763 – (325 km von Vézelay) Wetter: vormittags wolkenlos, mittags leicht bewölkt, nachmittags wolkenlos Temperatur: 18:00 Uhr 26 Grd. C Wind: schwach aus verschiedenen Richtungen In der letzten Nacht habe ich schlecht geschlafen. Die Holländer neben mir haben keine Ruhe gegeben – eigentlich bin ich aber selbst daran schuld, der Campingplatz ist groß genug für drei Camper, und ich habe mein Zelt relativ dicht neben ihnen aufgeschlagen (Kuschelsucht?). Dann wohnt in der Nähe des Platzes ein Hunderudel, das ein teilweise infernalisches Wolfsgeheul anstimmt. Morgens friere ich zum ersten Mal während dieser Reise, bis ich schließlich auf die Idee komme, den Schlafsack als Sack zu benutzen und nicht als Decke. Im Waschraum habe ich ich dann zwischen Zähneputzen und Rasieren ein Gespräch mit einem Franzosen der kein Wort deutsch oder englisch kann. Merkwürdigerweise unterhalten wir uns dabei doch ganz gut – anscheinend habe ich im Gegensatz zur Meinung meiner ehemaligen Englisch- und Lateinlehrer doch ein gewisses Sprachtalent?!?! Nach dem Zusammenpacken starte ich das Toxy. Allerdings wird es sehr bald wieder mühselig: Eine Steigung löst die nächste Abfahrt ab – so richtig ebene Strecken gibt es nicht. Für die ersten 18 km benötige ich zwei Stunden. In La Souterraine mache ich eine kurze Mittags-Kaffee-Pause und besichtige die Kirche. Anschließend mache ich einen Umweg von rund 5 km, weil ich nicht die richtige Ausfahrt aus der Stadt finde und dadurch gezwun- gen bin, wieder zurück zu fahren. Der Pilgerführer macht es sich da ein bisschen einfach mit der Beschreibung, und sehr gut ausge- schildert ist der Jakobsweg hier auch nicht. Schließlich bin ich doch auf dem richtigen Weg. Mein ursprüng- liches heutiges Ziel, das noch 20 km weiter liegt, habe ich mir aufgrund der Hitze und der Topografie bereits abge- schminkt. Mancher Berg ist eine Herausforderung für den Körper und gleichfalls für die Seele. Warum tue ich das? Ich bin aber ganz zufrieden, als ich gegen 15:00 Uhr Bénévent l´Abbaye erreiche. Im Pilgerführer ist angegeben, dass es hier einen Campingplatz geben soll – allein die Suche danach ist vergeblich. Auf meine Nachfrage erklärt mir ein Passant, dass es einen in einer fünf Kilometer entfernten Ortschaft gäbe – immer bergab. Nur leider nicht in meine Richtung, ich hätte morgen alles wieder bergauf zurück fahren müssen. Direkt neben der imposanten Kirche finde ich ein kleines Pilgerbüro, das sich als Refugium herausstellt. Ich bekomme einen „Tampon“ in meinen Pilgerausweis und ein Bett in einem Vierbettzimmer für 12,50 € – bisher für mich alleine. Hoffentlich kommt kein Pilger dazu. Die Herbergs- mutter erklärt mir alles (natür- lich auf französisch) und zeigt mir, wo ich meine Wäsche waschen kann (was ich dann auch gleich erledige). Ich besichtige die kleine Ortschaft – sehr malerisch – und die romanische Kirche romanische Kirche Saint-Barthélémy, die angeblich komplett nach dem goldenen Schnitt konstruiert ist. In einem kleinen Café direkt neben dem Refugium und der Kirche gönne ich mir zwei hervorragende Kaffee und einen Eisbecher. Hmmm, das schmeckt gut. Nun sitze ich vor der Pilgerherberge, schaue mir das Treiben um mich herum an und schreibe das Tagebuch (irgendwo habe ich seit gestern die Maus verloren – es muss auch so gehen). Abends plaudere ich noch ein wenig mit Yves. Yves ist der Herbergsvater in Bénévent und ist den Jakobsweg selbst schon mit seiner Frau gewandert. Erkenntnis des Tages: Mancher Tag ist ein Kampf mit Seele und Körper!
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