hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
nächste Seite nächste Seite
29. Tag - 29. Juni
vorherige Seite vorherige Seite
29. Tag: Montgivray - Crozant   Tagesleistung: 51 km Gesamtstrecke: 1.713 km - (276 km von Vézelay) Wetter: vormittags stark bewölkt, nachmittags etwas aufgelockert Temperatur: so, dass man vormittags ein langärmeliges Hemd tragen kann Wind: schwach aus verschiedenen Richtungen In der Nacht beginnt es etwas stürmisch zu werden. Es regnet ein bisschen (im Zelt hört es sich an, als wenn gleich alles absäuft), und es blitzt und donnert. Immerhin bleibt das Zelt dicht - es scheint eine gute Qualität zu sein. Um 7:00 Uhr bin ich wach, packe zusammen, mache ein "Mini-Petit Déjeuner" und fahre los. Heute möchte ich dem Jakobsweg einmal möglichst genau folgen. Das stellt sich aber schnell als undurch- führbar heraus, da es über Feldwege und Pfade geht. Also versuche ich über kleine Sträßchen, die möglichst parallel zum Jakobsweg führen, die angegebenen Ort-schaften anzufahren. Es ist alles sehr idyllisch, die Landschaft ist hinreißend. Das Wetter spielt mit: Es ist hervorragendes Fahrradfahrerwetter. Allerdings kann ich viele und auch lang gezogene Steigungen nur mit ganz kleinen Gängen fahren, so dass die Durchschnittsgeschwindigkeit heute insgesamt nur bei etwa 10 km/h liegt. Ich stelle fest, dass die kleinen Ortschaften, die etwas abseits liegen, wohl vom Aussterben bedroht sind. An jedem zweiten oder dritten Haus ist ein Schild zu finden: "vendre" - zu verkaufen. Die Hütten würde man bei uns übrigens meist abreißen. Darüber hinaus scheint es in Frankreich so zu sein, dass die Menschen auf Äußerlichkeiten kaum Wert legen. Die Häuser und Wohnungen sehen von außen teilweise ziemlich heruntergekommen aus. Steffen, der Südtiroler, meinte dazu, dass die Franzosen dafür aber sehr viel Wert darauf legen, wie es innen aussieht. Mittags mache ich neben der Straße Pause und schlafe prompt ein. Gleichwohl: Es muss weiter gehen. Als heutiges Ziel habe ich mir Crozant vorgenommen, ein kleines Örtchen oberhalb des Flüsschens Creuze, das ich mit einer langen Bergabfahrt erreiche, der Campingplatz und der Hauptteil der Ortschaft liegen aber auf der anderen Seite der Creuze etwa 100 m oberhalb des Wasserspiegels. Es ist ganz schön schweißtreibend, das Schieben auf 1½  km bergauf. In der Ortschaft gibt es ein Pilger- Refugium, auf das mich eine Frau wort- und gestenreich hinweist. Die Übernachtung soll 10 € kosten (in einem Schlafsaal). Ich komme allerdings nicht in Versuchung, das Angebot anzunehmen, da niemand anwesend ist. Ich fahre lieber zum kleinen Camping Municipal, wo ich für 4,30 € übernachten kann. Anschließend ist ein Dorfrundgang angesagt. In einer kleinen Bar bekomme ich endlich meinen Kaffee Creme. In einem Laden, in dem es "alles" gibt, kaufe ich mir eine Flasche Rotwein und erfahre von der bestimmt 80jährigen Betreiberin, dass ich hier einen "Tampon de Pellerin" (Stempel für den Pilgerausweis) bekommen könne. Natürlich nehme ich das Angebot an. Die Frau kann ich nicht verstehen, sie mich nicht, dennoch verstehen wir uns. Nachdem es am bequemsten ist, den Tagesbericht am Tisch zu schreiben und nicht am Boden sitzend auf dem Campingplatz, habe ich mir in der Bar auf der Terrasse einen Platz organisiert, habe das Netbook vor mir und lasse mir dabei ein Bierchen schmecken. Abends pflege ich noch ein wenig das Toxy, schmiere die Kette mit einem Teflon- Trockenspray und repariere den kaputten Schlauch. Erkenntnis des Tages: Es kommt nicht darauf an, die Sprache zu verstehen, sondern den Menschen.
The map is copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org zurück zur Seitenauswahl zurück zur Seitenauswahl