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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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23. Tag - 23. Juni
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23. Tag: Chablis - Cravant - Chatel-Censoir - Vézelay   Tagesleistung: 68 km Gesamtstrecke: 1.438 km - (531 km von Trier) Wetter: morgens schon bewölkt, schwül, dann Regenschauer, am späten Nachmittag schön Temperatur: nachmittags um 16:30 Uhr: 24 Grd. C Wind: gering Nachts ist es sehr ruhig, kein Regen. Ich schlafe fast bis 8:00Uhr. Das Zelt ist schnell abgebaut, dann ein Mini-Petit- Déjeuner ohne Kaffee - nur mit Wasser - gefrühstückt, schließlich mit der Campingplatz-"Warderin" über die Übernachtungsgebühr gestritten: Sie will einfach die 10 €, die ich für den Sanitäranlagenschlüssel als Pfand hinterlegt habe, als Gebühr behalten. Nach einer längeren Auseinandersetzung sind es dann tatsächlich nur 8 €. Nach diesem etwas unerfreulichen Kapitel mache ich mich auf meinen weiteren Weg. Ich fahre nicht über Auxerre, wie es die offizielle Routenführung vorsieht, sondern direkt nach Vézelay. Große Überraschung: gleich zu Beginn Steigungen zwar, aber Steigungen, die man radelnd abarbeiten kann. Hinter Cravant mache ich dann die Entdeckung, dass es entlang der Yonne einen Kanal (Canal Du Nivernais) für Freizeitschiffer mit ihren Hausbooten gibt, der von einem toll ausge- bauten Radweg begleitet wird. Ich ändere deshalb mehrfach die heutige Route, weil ich möglichst lange den Kanal-Radweg nutzen möchte (schätzungsweise 20 km). Unterwegs treffe ich ein französisches Radler-Ehepaar. Ihr Fahrrad hat einen Plattfuß. Leider passt ihr Luftpumpenadapter aber nicht auf das Fahrradventil. Also leihe ich den beiden meine Pumpe. Aus Dankbarkeit wollen sie mich auf ein Glas Rotwein bei sich zu Haus einladen, das hätte aber eine Umweg von 10 km bedeutet, den ich aber nicht in Kauf nehmen möchte.   Dann muss ich doch Richtung Vézelay die Berge queren. Es ist allerdings erträglich, und es sind nur rund zwei Kilometer zu schieben. Ärgerlich ist allerdings, dass ich immer wieder durch Regenschauer aufgehalten werde, die mich zum Unterstellen zwingen. Der letzte Regenguss kurz vor Vézelay will kein Ende nehmen. Also hole ich erneut die Regenklamotten hervor. Kaum dass ich fünf Minuten gefahren bin, hört es auf zu regnen, die Sonne kommt hervor, und hinter der nächsten Wegbiegung erblicke ich endlich Vézelay mit der auf einem Hügel gelegenen markanten Kathedrale.   Wie gesagt: Vézelay liegt irgendwie auf einem Berg, so dass es noch ein wenig Anstrengung bedarf, dorthin zu gelangen. Ich suche zunächst den Campingplatz auf, der etwa 2 km außerhalb liegt, baue mein Zelt auf und unterhalte mich längere Zeit mit einem Rentnerehepaar aus der Nähe von Borken, das mit Auto und einem riesigen Zelt unterwegs ist. Anschließend fahre ich nach Vézelay (ohne Gepäck) und schiebe das Toxy durch die Ortschaft den Berg zur Basilika hinauf. Im Pilgerbüro begrüßen mich zwei sehr nette Franzosen, die mir den Stempel geben und sich lange mit mir über das woher und wohin unterhalten. Sie sind sichtlich enttäuscht, dass sie mir keine Unterkunft nachweisen können, weil ich bereits auf dem Campingplatz untergekommen bin.   In Vézelay gibt es massenhaft Touristen, aber ich bin neben einer Australierin offenbar der einzige Pilger - ich habe jedenfalls keinen Menschen mit den Pilgerutensilien (Muschel, Rucksack) gesehen. Danach besichtige ich die Basilika Sainte-Marie-Madeleine und zünde beim St. Jaques eine Kerze für 2 € an. (Vor zwei Jahren, als wir mit dem WoMo hier waren, habe ich das schon einmal gemacht - damals kostete eine Kerze allerdings nur einen Euro.) Anschließend mache ich noch einen Bummel über die "Kirchenterrasse", von der man einen tollen Ausblick auf die Umgebung hat. Nach einer Abfahrt durch das Dorf, besuche ich einen "Minimini"-Market, der aber alles hat, was man so braucht, und fahre dann zum Campingplatz, bei dem ich nun einchecken kann (4  € für die Übernachtung). Das Wetter hat sich gebessert, zwar ziehen auch noch dicke Wolken vorbei, aber auch die Sonne schaut ab und zu heraus und wärmt kräftig. Abends stehe ich dann noch sehr lange mit einem ebenfalls Fahrrad fahrenden holländischen Ehepaar zusammen. Die beiden haben sich offensichtlich völlig in der Zeit verschätzt haben. Sie sind in Utrecht losgefahren und wollen bis Ende Juni in St.-Jean-Pied-de-Port sein, weil sie von dort die Busheimfahrt nach Hause gebucht haben. Da das nicht zu schaffen ist, wollen sie ab morgen Teile der Strecke mit dem Zug fahren. Wir unterhalten uns lange über Liegeräder und das Pilgern an sich. Im und vor dem Zelt genehmige ich mir dann mein Abendessen: Brot, Wurst, Pastete, Käse und Wein. Meine Ausrüstung ist ja eigentlich ziemlich komplett - was ich vermisse, ist ein Stuhl oder Hocker. Die meisten Campingplätze haben leider keine Bänke, so dass man Tagebuch schreiben und Essen am Boden erledigen muss. Das ist mit meinen alten Knochen manchmal ganz schön mühselig. Morgen wird endlich die "Via Lemoviciensis" in Angriff genommen, die hier in Vézelay beginnt und deren Name in Frankreich eigentlich unbekannt ist. Hier ist es der “Voie de Vézelay”. Der vor mir liegende Weg bis zu den Pyrenäen ist rund 900 km lang. Der Camino Frances durch Spanien hat dann noch einmal 800 km. Insgesamt liegen also noch rund 1700 km vor mir. Erkenntnis des Tages: Nach jedem Regen scheint auch wieder die Sonne!
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