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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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22. Tag - 22. Juni
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22. Tag: Les Riceys - Tonnerre - Chablis   Tagesleistung: 58 km Gesamtstrecke: 1370 km - (464 km von Trier) Wetter: morgens schön, aber schwül, dann Gewitter und Regen, am späten Nachmittag schön Temperatur: nachmittags um 16:30 Uhr: 27 Grd. C Wind: gering Wie das Hotel, so das "Petit Déjeuner" - alles vom Feinsten. Es gibt sogar ein Buffet, frisch gepressten Orangensaft, Wurst und Käse, sechs Sorten selbst gemachte Marmelade, drei verschiedene Sorten Croissant, viel Kaffee - vom Chef persönlich serviert. Hier zu frühstücken macht Spaß. Ich unterhalte mich noch längere Zeit mit einer Französin und einem Franzosen über die "Route de St. Jaques". Sie bewundern mich wegen dieser "wagemutigen" Tour sehr, wie wohl fast alle, die ich bisher gesprochen habe. Dann geht es wieder auf Achse. Schon nach wenigen Kilometern läuft mir das Wasser nur so herunter. Es ist heiß und schwül. In der Ferne ist der Himmel dunkelgrau bis schwarz, und ich höre leises Grummeln. Leider ist die "Ferne" genau die Richtung, in die ich will. Es sieht wirklich bedrohlich aus, und es ist beeindruckend, mit welch rasanter Geschwindigkeit das Wetter nun umschlägt. Nach wenigen Kilometern muss ich anhalten, meine Regensachen herauskramen und diese anziehen. In letzter Minute habe ich es geschafft: Ganz in der Nähe schlägt ein Blitz ein (1 Sekunde zwischen Blitz und Donner), ein inferna-lisches Krachen folgt, und dann strömt der Regen nur so herunter. Ich versuche unter einem kleinem Bäumchen Schutz zu finden, was mir natürlich nicht gelingt, weil es nur ein Bäumchen ist. Auf der Straße hält ein Transporter - der Fahrer fragt mich, ob er mich mitnehmen könne. Das widerspricht natürlich allen Pilgergrundsätzen, und ich lehne mit ganz viel Dank ab. Nach einiger Zeit kann ich mit Regenkleidung weiterfahren. Die teure “atmungsaktive” Jacke ist bald von innen genauso nass, wie von außen. Die billige Regenhose dagegen bewährt sich relativ gut. Das Wetter wird wieder besser, also Regenkleidung ausziehen. Nach wenigen Kilometer beginnt es wieder zu duschen. Das Spiel mit dem Umziehen wiederholt sich x-mal. Nach 38 km erreiche ich endlich Tonnerre, das aber nicht mein Ziel ist; Ziel ist eigentlich das 20 km entfernte Chablis (dort wo der gleichnamige, meist nicht zu bezahlende Wein herkommt). Aber am Wegesrand lauert die Versuchung: Ein Campinglatz. Ich bin drauf und dran dorthin zu fahren, aber in diesem Moment lacht mit einem Mal wieder die Sonne - wie ein Wink des Himmels. Also nehme ich allen Ehrgeiz, den ich noch habe, zusammen und fahre weiter.   Es lohnt sich. Der Regen verschont mich - irgendwie regnet es rund um mich, aber nicht bei mir. Ich unterhalte mich unterwegs mit einem Franzosen, der mein Liegerad bewundert und sich von meiner Reise erzählen lässt (Es geht ganz gut mit Händen und Füßen und Deutsch- Französischem Kauderwelsch). Übrigens: Während der gesamten heutigen Tour habe ich wunderschöne Bergab- fahrten erleben können. Da ich auf Nebenstraßen fahre, kann ich die Landschaft in vollen Zügen genießen, ohne ständig auf den Verkehr achten zu müssen. Nach einer etwa 5 km langen Bergabfahrt erreiche ich schließlich Chablis. Ohne Probleme finde ich den Campingplatz, der sehr schön inmitten eines Parks etwas außerhalb der Ortschaft liegt. Der Campingplatzwart kommt erst um 16:00 Uhr, so dass ich eine halbe Stunde Unterhaltung mit einem englischen Paar habe (die einzigen Camper auf dem wunderschönen Platz), die mir alles von Chablis erzählen. Ich hänge meine Wäsche von gestern, die noch nicht ganz trocken ist, und die Regenkleidung auf die Leine und gehe dann nach Chablis zum Einkaufen.
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