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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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19. Tag   - 19. Juni
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19. Tag: Domrémy-la-Pucelle - Cirfontaines en Ornois - Joinville   Tagesleistung: 50 km Gesamtstrecke: 1.200 km Wetter: bis nachmittags bedeckt und manchmal Regen, anschließend heiter bis wolkig Temperatur: kalt Wind: stark aus Süd-West - meist von vorne Nachts gibt es wiederholt Gewitter mit heftigen Böen, und es regnet noch einige Male. Morgens kommt noch ein ziemlicher Wind dazu, der mir einreden will, noch einen Tag hier zu bleiben. Als um 8:30 Uhr die Sonne manchmal zwischen den Wolken hervor sieht, sage ich mir: Auf geht's Bua! Ich packe das nasse Zelt zusammen. Ab 10:00 Uhr bin ich reisefertig und starte die neue Etappe. Ich will heute bis Poissons fahren, da dort ein Campingplatz sein soll. In Joinville, dem nächsten größeren Ort gibt es dagegen nur Hotels, die ich eigentlich aus Kostengründen vermeiden möchte. Zunächst geht es aber mal wieder streng bergauf. Der Wind kommt entsetzlich stark von vorne, und ab und zu duscht es kräftig. Teilweise kann ich kaum noch etwas sehen, meine Brille bräuchte eigentlich Scheibenwischer. Ohne Brille geht es aber auch nicht, da bei Bergabfahrten der Fahrtwind so stark ist, dass es in Verbindung mit den Regentropfen schmerzt. Gestern Abend und heute während der Fahrt habe ich zum ersten Mal meine Fleece-Jacke an - zuvor hatte ich mich mehrfach gefragt, warum ich sie eigentlich dabei hätte. Nun weiß ich es. Die Steigungen sind teilweise wiederum so extrem, dass ich schieben muss. Wenn man oben am Berg angekommen ist, besteht die Hoffnung, dass es wieder bergab geht. Irrtum: Nein, die Steigung ist dann nur nicht mehr ganz so stark. Aber irgendwann kann ich dann doch wieder mehrere Kilometer bergab radeln, ohne einmal in die Pedale treten zu müssen - mit dem Ergebnis, dass es dann wieder bergauf geht und wiederum Schieben angesagt ist (heutige Durchschnittsgeschwindigkeit 12,1 km/h). Die Gegend, durch die ich fahre, ist wirklich einsam und man hätte sie genießen können, wenn nicht Wind und Regen gewesen wären. Laut Wanderführer hat das Departement nur 31 Einwohner pro km². Das merkt man auch am Verkehr: Ab und zu ein Auto. Dafür bemerke ich nur wenige Meter von mir entfernt rechts in einem Rapsfeld einen kleinen Rehbock, der mich neugierig anstarrt, als ich anhalte aber furchtsam das Weite sucht. Wenige Kilometer weiter schrecke ich einen Fuchs auf, der rechts von der Straße etwas auf einem Acker sucht. Ein weiteres Indiz für die geringe Bevölkerung: Man kann mit dem Handy über viele Kilometer kein Netz empfangen. In Poissons angekommen, suche ich den Campingplatz, den ich schließlich auch finde. Einsam, "mitten in der Wildnis" kurz hinter dem Ortsausgang gelegen und kein Zelt oder WoMo. Nachdem ich feststelle, dass es dort außerdem unmöglich ist, ein Netz zum Telefonieren zu bekommen, disponiere ich um und mache mich doch noch auf nach Joinville, einem kleinen Städtchen an der Marne. Das sollte kein schlechter Entschluss gewesen sein, da die Ortschaft recht hübsch ist. Nachdem ich die Kirche besichtigt habe, beginne die Suche nach einem Hotel. Schließlich finde ich das Hotél du Nord aus dem Pilgerwanderführer und bekomme dort ein Zimmer für 38 €. Dabei handelt es sich um ein Vierbettzimmer (zur alleinigen Benutzung), allerdings mit Dusche und WC. Die Farbe (irgendein Gemisch aus "rosa- pink") blättert bereits ein bisschen, modern ist nur die Dusche. Mein Toxy darf ich im Flur der Gaststätte abstellen. Nachdem ich mich eingerichtet, umgezogen und geduscht habe, mache ich nochmals ein Stadtspaziergang - an der Marne ist es richtig idyllisch, zumal es zwischenzeitlich auch nicht mehr regnet. Ich begegne zwei Französinnen, die ausweislich der Jakobsmuschel am Rucksack auch auf dem Camino  sind - sie wollen aber offensichtlich kein Gespräch mit mir - dann eben nicht! Erkenntnis des Tages: Erfolg ist wie eine Bergbesteigung: Ihn bzw. den Gipfel zu erlangen ist ganz schön schwer, aber dann läuft es!
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