hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011
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18. Tag - 18. Juni
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18. Tag: Pagny-s.-Meuse - Vaucouleurs - Domrémy-la-Pucelle   Tagesleistung: 40 km Gesamtstrecke: 1.150 km Wetter: vormittags bedeckt, nachmittags heiter bis wolkig, Gewitter mit Regen. Temperatur: um 18:00 Uhr noch 17 Grd. C Wind: stark aus Süden - meist von vorne Nach einer ruhigen Nacht im Motel erwache ich gegen 7:15 Uhr, packe meine "Sieben Sachen" zusammen und gehe zum "Petit Dejéuner". Es entspricht zwar nicht unserem Hotel-Frühstück- Standard, ist aber ausreichend und genügend abwechslungsreich. Der Kaffee schmeckt gut. Danach mache ich mich auf meine weitere Reise. Dunkle Wolken, wohin man auch blickt. Und ein Wind aus Richtung Süden, der mir heftig ins Gesicht bläst. Die Fahnen wehen so kräftig, dass sie waagerecht stehen und dass es knattert. Nach rund 12 km erreiche ich Vaucouleurs. Ich fahre direkt in den Ort, weil ich mich schließlich für das Wochenende mit Lebensmitteln und Getränken eindecken muss. Ich fahre am Supermarkt vorbei, ohne ihn zu bemerken. Als ich aus der Ortschaft raus bin, drehe ich um, frage einen Franzosen nach dem Weg und bin schließlich doch erfolgreich. Danach geht es bei weiterem heftigen Gegenwind nach Domrémy-la-Pucelle, dem Geburtsort von Jeanne d´Arc - ein winziger Ort mit rund 150 Einwohnern.   Nachdem mir der gestrige Tag noch in den Gliedern steckt und es den nächsten Streckenabschnitt bei Gegenwind ziemlich bergauf gehen soll, beschließe ich (es ist erst Mittag), hier auf dem Camping Municipal zu übernachten. Der nächste Campingplatz wäre im Übrigen rund 40 km entfernt, und ich habe den Verdacht, dass das über meine Kräfte gehen würde. Der Platz hier liegt abseits der Straße, ich bin der einzige Camper. Ein Schild an der Rezeption besagt, man sollte sich einrichten, irgendwann würde jemand zum Kassieren kommen. Nach dem Zeltaufbau gehe ich auf Entdeckungstour und fahre zunächst bergauf zur Basilique du Bois-Chenu, ca. 2 km vom Ort entfernt. Eine Basilika, die am Hang gebaut ist und zwei Kirchenräume besitzt - wohl zu Ehren von Jeanne d´Arc. Davor steht ein sehr aufwendiges Denkmal der Nationalheiligen. Von der Basilika aus, bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Gegend. (Die Basilika Bois-Chenu wurde im Jahre 1881 erbaut. Hier hörte Jeanne d'Arc die "Stimmen" der Heiligen, die ihr befahlen Karl VII. aufzusuchen und die Engländer während des Hundertjährigen Krieges aus Frankreich zu vertreiben.) Nachdem es nun zu regnen anfängt (welch großartige Entscheidung hier zu bleiben), fahre ich zurück in die Ortschaft, gehe in ein Restaurant und bestelle mir eine “Plate de Jour”. Das sind Nudeln mit Bratwürsten (eine etwas ungewöhnliche aber gut schmeckende Zusammenstellung) und als Nachtisch ein Birnenkompott mit Vanillesoße. Anschließend heißt es wieder waschen - und dann eine Stunde Mittagsschlaf: Eine tolle Erfindung ist solch ein kleines Schläfchen! Anschließend mache ich einen Bummel durch das kleine Örtchen und besuche das ziemlich große und aufwendig gestaltete Museum Jeanne d´Arc. Wirklich sehr sehenswert und sehr großzügig angelegt. Wieder zurück gilt es, einmal bei meinem Drahtesel die Schrauben nachzuziehen. Heute habe ich viele Leute getroffen, die mich bezüglich meiner "Route de St. Jaques" angesprochen haben. Ein netter Franzose, der einmal als Soldat in Deutschland war, dolmetscht bei einer Reisegruppe im Museum, die ganz neugierig nach meinem Woher und dem Wohin ist. Eine alte Frau ist ganz gerührt, weil ich das auf mich genommen habe. Sie verspricht, für mich zu beten. Ich studiere noch ein bisschen die morgige Etappe und esse ein wenig zu Abend. Wenn ich doch nur einen Stuhl hätte - alles am Boden hockend zu erledigen ist schon etwas mühselig. Abends lerne ich auf dem Campingplatz noch ein älteres Ehepaar kennen, das mit einem uralten Wohnmobil mit NL- Kennzeichen auf dem Platz steht. Wie sich herausstellt, sind es Australier, die sich hier ihre Urlaubsträume erfüllen. Wir ratschen eine ganze Weile (auf Englisch), über deren Erlebnisse und über mein Vorhaben. Als erneut ein Gewitter anrückt, das von Sturmböen und heftigem Regen begleitet wird, flüchte ich mich in mein kleines Leichtgewichts-Zelt (1800 g), das dennoch erstaunlich widerstandsfähig ist und keinen Tropfen hinein lässt. Erkenntnis des Tages: Man darf nicht alles erzwingen!
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