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Jakobsweg 2011
© Hans Schönherr 2012-2015
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15. Tag - 15. Juni
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15. Tag: Trier - Konz - Perl - Sierck-les-Bains - Thionville   Tagesleistung: 84 km Gesamtstrecke: 990 km Wetter: Ganztägig Wechsel zwischen Bewölkung und Sonne Temperatur um 19:00 Uhr: 26 Grd. C Heute feiere ich ein Premiere: zum ersten Mal während meiner Reise habe ich mein Zelt aufgebaut und werde in diesem Übernachten. Auch wenn es offiziell ein Zweimannzelt ist, habe ich zusammen mit meiner Ausrüstung in ihm gerade Platz - das Toxy muss allerdings draußen stehen bleiben. Hoffentlich fürchtet es sich nicht ;- )! Heute Morgen fahre ich bereits kurz nach 8:00 Uhr aus Trier los, nachdem ich im Hotel noch ausgiebig gefrühstückt habe. Ich weiß allerdings nicht, was mit mir los ist: Nach 1½ Brötchen bin ich bereits satt. Das wäre mir früher nicht passiert. Ich fahre in Trier noch einmal durch die Fußgängerzone, um am Rande der Stadt noch die Matthias-Basilika zu besichtigen. Dann suche ich schnell die Verbindung zum Mosel-Radwanderweg, dem ich weiter auf der deutschen Seite folgen will, weil er auf Luxemburger Seite sehr oft an Straßen verläuft. Ich hingegen kann weit ab vom Verkehr die Mosel genießen. Das Toxy fährt sich mit Gepäck wegen der härteren Federung ein wenig angenehmer - es federt nicht mehr so stark durch. Die Höhen links und rechts werden langsam flacher. Auf der anderen Moselseite liegt bereits Luxemburg. Das Wetter hält sich ganz gut, auch wenn Schauer und sogar Gewitter angesagt sind. Es bleibt aber trocken. In Perl, dem deutschen Grenzort zu Frankreich (gegenüber von Schengen gelegen) gehe ich noch schnell einkaufen, um für abends eine kleine Brotzeit zu haben (Äpfel, Birnen, ein wenig Wurst und Käse, Brot, Mineralwasser, eine Flasche Wein). Beim Bäcker gönne ich mir eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen. Als ich aus dem REWE-Markt herauskomme, fängt es ganz kurz an zu regnen, hört aber gleich wieder auf. Ich passiere die Grenze nach Frankreich, die man gar nicht mehr - Schengen sei Dank - erkennt, durchquere auf dem französischen Mosel- Radwanderweg die Grenzortschaft Sierck-les-Bains und fahre abseits des Verkehrs weiter nach Frankreich hinein. Laut Wegweiser sollen es noch 2.433 km bis Santiago de Compostela sein. Da ich schon mehr als 900 km hinter mir habe, müssten das ungefähr 3400 km insgesamt werden - ich hatte ursprünglich mit rund 2.800 km kalkuliert. Hoffentlich halte ich das durch! Aber die Frage ist natürlich auch, welche Strecke hier angegeben wird, da es ein weit verzweigtes Netz an Jakobswegen durch Frankreich gibt. Bei Cattenom, dort wo das Riesen-Atomkraftwerk steht, ist der Weg an der Mosel wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass ich einer Umleitung folgen muss, die aber plötzlich nicht mehr weiterführt. Mit Hilfe meines GPS-Gerätes finde ich schließlich die richtige Strecke bald wieder. Gegen 15:15 Uhr komme ich an meinem heutigen Ziel "Thionville" an. Die Campingplatzrezeption ist leider erst wieder gegen 16:00 Uhr besetzt, so dass es warten heißt. Da kommt Erich mit seinem schwer bepackten Tourenrad an. Er will auf dem Campingplatz einen Kumpel treffen. Erich kommt mir ein bisschen "durchgeknallt" vor. Er erzählt mir, dass er jeden Tag ungefähr 200 bis 250 km fahre. Übermorgen müsste er wieder in Bonn sein. Nachdem er über den Campingplatz gegangen ist und seinen Kumpel nicht getroffen hat, verabschiedet er sich mit dem Hinweis, wenn Andreas käme, solle ich ihm sagen, dass Erich schon mal weiter nach Trier gefahren wäre. Bis jetzt ist Andreas nicht aufgetaucht - ich weiß im Übrigen auch gar nicht, wie er aussieht. Um 16:00 Uhr ist die Dame der Rezeption da, um die Formulare auszufüllen. Ich zahle 5,80€ - schließlich ist das auch ein Camping Municipal, also entsprechend preiswert. Für meinen Pilgerpass bekomme ich das städtische Siegel. Die Madame freut sich sehr, als sie feststellt, dass ich ein "Jakobspilger" bin und zeigt mir ausgiebig und voll Enthusiasmus ihr Gästebuch, in dem sich bereits ein paar andere Jakobspilger eingetragen hatten. Sie hat damit bestimmt zehn Minuten lang die hinter mir Schlange stehenden anderen Gäste aufgehalten. Danach baue ich zum ersten Mal mein Zelt auf - es geht zwar relativ einfach, aber man muss das System erst einmal durchschauen. Nur gut, dass ich Zeit dafür habe und nicht durch Regen getrieben bin, das sehr schnell zu erledigen. Ich hoffe zwar, dass es heute Nacht nicht regnet, bin andererseits aber auch gespannt darauf, ob das Zelt dicht ist - teuer genug war es schließlich. Nachdem das alles erledigt ist, mache ich einen kurzen Spaziergang durch das Stadtzentrum. An einer Stelle findet mitten in der Fußgängerzone ein Stabhochsprungwettbewerb statt. Ansonsten kann ich wirklich sehenswerte Objekte nicht entdecken, allerdings sind die Grünanlagen außerordentlich gut gepflegt, schön angelegt und bieten eine vielfältige Blumenpracht. Zurück am Campingplatz ist "Brotzeit" machen und Tagebuch schreiben angesagt. (Leider funktioniert die Computer- Mouse nicht mehr.) Schön ist es, dass mir seitens des Campingplatzes dazu Tisch und Bank zur Verfügung stehen. Das Taschenmesser, das ich vom Personal der Landesfeuerwehrschule zum Abschied erhalten habe, bewährt sich hervorragend, und der Korkenzieher des Leatherman-Multifunktions-Tools eignet sich bestens, um die Rotweinflasche zu öffnen. Erkenntnis des Tages: Beim Camping lernt man, sich bescheiden zu müssen.
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