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Jakobsweg 2011 nächste Seite nächste Seite
11. Tag - 11. Juni
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11. Tag: Bad Godesberg – Remagen – Koblenz – Kattenes Tagesleistung: 88 km Gesamtstrecke: 729 km Wetter: morgens: blauer Himmel, mittags: Heiter bis wolkig, nachmittags: eher bedrohliche Bewölkung Wind: windstill, manchmal leichter Gegenwind Temperatur mittags: 22 Grd. C Um 7:30 Uhr werde ich nach einer ruhigen Nacht wach. Ich durchforste nochmals meine Ausrüstung nach Dingen, auf die ich verzichten kann und packe alles in ein Päckchen der Größe M, das ich gestern auf der Post gekauft habe. Insgesamt hat dadurch mein Gepäckvolumen und vor allem das Gewicht doch spürbar abgenommen, so dass ich wieder einmal das gesamte Gepäck umpacken muss. Ulrika sei Dank, habe ich auch wieder frisch gewaschene Kleidung, die nun auch leicht ihren Platz in den Fahrradtaschen findet. Nach einem guten Frühstück geht es los: bergab nach Bad Godesberg, die Rheinallee entlang durch ein Villenviertel bis zum Rhein. Auf dem Rhein-Radwanderweg geht es linksrheinisch nach Süden. In Remagen lege ich die erste Pause ein und schaue mir die Reste der berühmten Brücke von Remagen an: die Brückenköpfe. Ich komme mit zwei Frauen (Mutter und Tochter) ins Gespräch, die ganz begeistert sind, über das was ich noch vorhabe und über das, was ich schon absolviert habe. Die Tochter erzählt mir, sie wolle nächstes Jahr den „Camino“ machen. Ohne große Eile fahre ich weiter Richtung Koblenz. Unterwegs treffe ich zwei Frauen, mit denen ich mich längere Zeit unterhalte. Sie rauchen beide „Kette“. Die eine der beiden war letztes Jahr mit dem Fahrrad von Deutschland auf dem Jakobsweg unterwegs – ich frage mich nur, wie sie das bei ihrer Raucherei durchgehalten hat. Schließlich erreiche ich Koblenz. Zwei etwa achtjährige Jungen springen auf den Zebrastreifen, blockieren den Verkehr und meinen, ich solle ihnen mein Liegerad schenken – schließlich sei es cool und sie könnten es gut gebrauchen. Als ich ihrem Wunsch nicht nachkomme, fordern sie von mir mein Garmin GPS. Auch diesen „Wunsch“ will ich Ihnen nicht erfüllen. Die beiden verschwinden schließlich, als sich Autofahrer über ihre „Blockade“ aufregen. In Koblenz will ich eigentlich zum „Deutschen Eck“, die Stelle, an der die Mosel in den Rhein fließt. Aufgrund der Bundes- gartenschau mit ihren Menschenmassen gibt es allerdings kein Durchkommen, so dass ich es aufgebe, dorthin zu gelangen. Ich aktiviere die neue Route in meinem GPS für den Mosel- Radwanderweg. In Koblenz begegnet mir ein Liegerad-fahrer, der bei meinem Anblick voller Begeisterung seinen Fotoapparat hochreißt und mich im Vorbeifahren fotografiert. Ich strampele nun weiter moselaufwärts. Die Steigung ist zwar relativ gering, aber aufgrund des zunehmenden Gegenwindes wird es streckenweise etwas mühselig.   Ich habe ursprünglich gedacht, dass ich beim Fahrradfahren viel Gelegenheit hätte, die Gegend zu bewundern und mich an der Natur zu erfreuen. Inzwischen glaube ich, dass man das eher beim Autofahren machen kann. Als Radfahrer ist man gezwungen, höllisch auf den Autoverkehr aufzupassen, ständig die Bodenunebenheiten zu beobachten und auch mit der Unaufmerksamkeit anderer Radfahrer zu rechnen. Eigentlich habe ich vor, heute auf einem Campingplatz zu über- nachten. Leider fängt es aber gegen 16:30 Uhr an zu regnen, so dass ich mir auf die Schnelle ein Hotel suchen muss. Für 39 € incl. Frühstück finde ich eines in Kattenes, das etwa 25 km hinter Koblenz liegt. Als ich am Hotel ankomme, fahren ungefähr 25 holländische Motorradfahrer in den Hof des Hotels, ich komme mir mit meinem Liegerad dabei direkt ein wenig armselig vor. Auf der anderen Seite bin ich bis hierher mit eigener Muskelkraft gelangt (mit Ausnahme der Fähren über Elbe und Rhein). Die Preise im Hotelrestaurant sind ganz moderat: Das Abendessen „Spargel mit Schinkenplatte und Kartoffeln“ kostet insgesamt 9,80 €, ein Weißbier 2,80 € – da kann man wirklich nicht meckern. Zwischenzeitlich hat sich die Bewölkung verzogen! Erkenntnis des Tages: Manchmal findet man einen Grund, ein weiches Hotelbett einem Campingplatz vorzuziehen.
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© Hans Schönherr 2012-2015