hs Reisen und mehr
Jakobsweg 2011 nächste Seite nächste Seite
1. Tag - 1. Juni
1. Tag: Kiel - Neumünster - Glückstadt   Tagesleistung: 87 km Gesamtstrecke:87 km Wetter: Heiter bis wolkig Wind: 3 von rechts vorn bis rechts hinten Heute habe ich 87 km hinter mich gebracht und bin glücklich und zufrieden um 16:15 Uhr in Glückstadt in der Jugendherberge gelandet. Gestern hatte ich mir in der Kirche in Kiel-Russee meinen ersten Stempel für den Pilgerpass geholt. Die Damen im Kirchenbüro sahen etwas erstaunt aus: erstens hatten sie wohl noch nie einen Pilgerpass gestempelt und zweitens haben die mich wohl für ein bisschen verrückt gehalten, als sie hörten, ich wolle mit dem Fahrrad bis nach Santiago de Compostela fahren. Ich denke, dass viele aus meinem Bekanntenkreis meine Reise per Liegerad auf dem Jakobsweg auch für verrückt halten, ein paar allerdings haben auch gesagt, dass sie mein Vorhaben bewundern. Nachmittags packte ich dann meine Packtaschen endgültig und hängte sie ans Fahrrad, nachdem ich alles erst einmal gewogen hatte: knapp 30 kg. Anlässlich der gestrigen Abschiedsfeier mit unseren Freunden von der "Geburtstagsmafia" gab es dann noch einige Geschenke für die Reise, die ich heute Morgen auch noch unterbringen muss. Die Packtaschen sind jetzt wirklich stramm gefüllt! Die Nacht habe ich leider auch nicht so richtig geschlafen - irgendwie bin ich wohl doch aufgeregt. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück mit meiner Frau Christl breche ich dann gegen 8:00 Uhr auf. Leider geht es aber nicht alles so glatt, wie ich es mir vorgestellt habe. Kaum bin ich etwa einen Kilometer von zu hause weg, klingelt das Handy: Christl sagt mir, dass ich meine Trinkflaschen vergessen habe. Sie ist aber so lieb, sie mir hinterher zu bringen. Nach weiteren 10  km merke ich, dass ich die Schlüssel für die Fahrradschlösser, die ich unterwegs natürlich dringend brauchen werde, vergessen habe. Auch diese bringt mir Christl dann mit dem PKW hinterher - als sie mich einholt, bin ich schon in Blumenthal. Noch einmal würde sie aber nicht irgendetwas nach reichen! Ich merke bald, dass das Liegerad mit 30kg Gepäck doch etwas unhandlicher ist, als ohne und dass man doch erheblich mehr Kraft zum Beschleunigen benötigt. In Neumünster-Einfeld tauchen Freunde von uns auf, die sich auch noch verabschieden wollen. Über diese Überraschung habe ich mich wirklich sehr gefreut. Kurz hinter Neumünster hat dann offensichtlich eine Autofahrerin, die mit einem Affenzahn aus einer Nebenstraße kommt, vor, mich aufzuspießen - ich verzichte aber lieber auf mein Vorfahrtsrecht und mache eine Vollbremsung. Kurz darauf geht dann das mehrere Tage dauernde Elend mit meiner Gangschaltung los: Meine Nabenschaltung (ich habe eine 3-Gang-Nabenschal- tung mit 9-Gang-Ketten- schaltung) gibt den Geist auf, so dass ich nur noch im ersten Nabengang mit der 9er-Kettenschaltung fahren konnte. Auch damit lassen sich noch 25 km/h erreichen. Gut, so meine ich, dass ich schon vorher einen Termin bei meinem Fahrradhersteller "Toxy" in Brande-Hörnerkirchen (liegt auf dem Weg nach Glückstadt) gemacht hatte, um das Fahrrad noch einmal durch zu checken. Dort wird die Schaltung repariert, die Kette ge-schmiert, werden etliche Schrauben nachgezogen und ein paar Ersatzteile eingepackt.   Danach sind es noch 25 km bis Glückstadt, die mir aber ehrlich gesagt, ein bisschen schwer fallen. Ich stelle fest, dass ich neue Muskeln bekommen habe - zumindest haben die einen Krampf verursacht, die Knie tun auch leicht weh. Aber ansonsten schaut mich der Herbergsvater der DJH Glückstadt sehr erstaunt an, als ich ihm sage, dass ich direkt aus Kiel komme. Im Übrigen gibt es auch im schleswig-holsteinischen Flachland merkwürdigerweise etliche lang gezogene Steigungsstrecken, die man als Autofahrer gar nicht bemerkt, die einem als Liegeradfahrer aber durchaus beschwerlich vorkommen. Ich bin gespannt, wie es im Mittelgebirge sein wird. Ich hege die Hoffnung, dass meine Beinmuskulatur und meine Kondition im Laufe der Tour doch noch ein wenig "gestählt" werden. Irgendwie hab ich doch ein bisschen zu wenig trainiert. Zur Not habe ich vor, gegebenenfalls auch einmal zu schieben. Nach der Ankunft bin ich, obwohl ich tagsüber 1½ Liter Tee getrunken habe, ziemlich ausgedörrt und ziemlich hungrig. Ich genehmige mir eine große Currywurst mit Pommes und zwei Weißbier und ein Eis - hm! Morgen früh werde ich das Jugendherbergsfrühstück genießen - gute Nacht (in einem Vierbettzimmer, das ich ganz für mich alleine habe).
The map is copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org zurück zur Seitenauswahl zurück zur Seitenauswahl
© Hans Schönherr 2012-2015