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© Hans Schönherr 2012-2015
Mein Jakobsweg Im Jahr 1997 waren meine Frau und ich zum ersten Mal mit dem Wohnmobil in Nord-West-Spanien. Wir bereisten damals den kompletten Jakobsweg von Jaca in den Pyrenäen bis nach Finisterra am Atlantik, soweit man diesen mit dem Auto befahren konnte. Und seitdem bin ich vom „Jakobsweg-Virus“ infiziert. Der Jünger Jesu und Apostel Jakobus der Ältere (span. Santiago) kam als Missionar angeblich bis nach Spanien. Nach seiner Rückkehr wurde er 44 n.Chr. in Jerusalem enthauptet. Sein Leichnam – so berichtet die Legende – gelangte um 600 n.Chr. nach Spanien, wo seine Grabstätte in Vergessenheit geriet. Im 9. Jh. wurde sein Grab wieder entdeckt. Es ranken sich viele Legenden und Geschichten um „Santiago“, seine Fahrt nach Spanien, um die Jakobsmuschel und um seine Taten als „Krieger” in den Feldzügen gegen die Mauren. Seither gilt er als spanischer Nationalheiliger und sein Grab in Santiago de Compostela war in früheren Zeiten neben Rom und Jerusalem „das“ Ziel der Pilger. Bei unserer Reise im Jahr 1997 begegneten wir nur ganz wenigen Pilgern. Pilgerherbergen gab es nur in den größeren Orten. Und diejenigen, die eine Fuß-Pilgerreise auf den rund 800 km von St.-Jean-Pied-de-Port  nach Santiago de Compostela auf sich nahmen, waren noch etwas Besonderes. Schon 1997 war also der Gedanke in mir geboren, den Jakobsweg auch einmal zu Fuß zu gehen. Der „Jakobsweg“ war damals für mich das Stück Weg in Spanien. Je mehr ich mich aber mit dem Thema beschäftigte, war ich umso überraschter, als ich feststellte, was sich alles dahinter verbarg und wie geschichtsträchtig das gesamte Kapitel „Pilgerei“ und insbe-sondere der Jakobsweg waren. Es gab nicht nur einen Jakobsweg sondern ein ganzes Geflecht von Wegen, die quer durch Europa auf das Ziel Santiago de Compostela zusteuerten (siehe Bild 1). Allein in Spanien erstreckte sich eine große Anzahl von Wegen in den verschiedensten Varianten. Heute werden die wichtigsten dieser Wege durch Jakobus-Gesellschaften zum großen Teil wieder rekonstruiert. Allerdings gelingt das nur zum Teil, da die damaligen Pilgerwege heute große Fernverkehrsstraßen sind. Also versucht man die „neuen“ Wege zwar möglichst nahe des historischen Verlaufs anzulegen, aber so, dass sie ruhig und landschaftlich reizvoll gelegen sind. Somit haben die heutigen Hauptpilgerrouten durchaus Abweichungen vom seinerzeitigen Verlauf. Im Übrigen heißt es auch, dass der Jakobsweg dort beginnt, von wo man losgeht und dass er jeder Weg ist, den man von Zuhause nach Santiago zurücklegt. Der Europarat erklärte 1987 den Weg zum ersten europäischen Kulturweg. 1993 wurde der Camino Francés in Spanien in die Liste der Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Nachdem Harpe Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ seinen Pilgerweg beschrieben hat, kam mir der Gedanke, dass das Bewältigen des Teilstücks mit den letzten 800 km eigentlich gar keine richtige Pilgerreise ist und für mich keine echte Herausforderung darstellt. Ich beschloss also, wenn ich endlich genug Zeit dafür hätte, meinen Pilgerweg von zu Hause in Kiel aus zu starten, so wie es die Pilger in früheren Zeiten auch getan haben. (Diese sind allerdings, sofern sie es überlebt haben oder nicht in den Fängen einer holden Maid hängen geblieben sind, die gleiche Strecke auch wieder nach Hause zurück gewandert.) Ich hatte ausgerechnet, dass ich dafür rund 150 Tage brauchen würde, wenn ich täglich zwischen 20 und 25 km gehe. Im Jahr 2010 bin ich dann Ende Juni/Anfang Juli versuchsweise den ersten Teil des Jakobsweges, von denen einer auch durch Schleswig- Holstein führt, angegangen und in fünf Tagen die Via Jutlandica über Rendsburg und Itzehoe bis Glückstadt gewandert (rund 125 km). Dabei stellte ich fest, dass das Wandern über mehrere Tage meine etwas angeschlagene linke Hüfte zu sehr belastet, so dass ich eine Alternative für mein Vorhaben suchen musste. Alternativen konnten ein Pferd, ein Esel oder das Fahrrad sein. Pferd und Esel kamen für mich nicht in Betracht – und Fahrrad fahren mag ich eigentlich auch nicht besonders, weil mir hinterher immer alles wehtut. Was also dann? Bei unserer Urlaubsreise nach Bayern im Jahr 2010 hatten wir in Passau einen Liegeradfahrer getroffen, der auf dem Donau-Radwanderweg unterwegs war. Diesen fragten wir hinsichtlich seines Liegerades und der damit verbundene Vor- und Nachteile recht lange aus. Es hörte sich alles ziemlich gut an, so dass ich nach meiner Probewanderung beschloss, ein derartiges Gefährt etwas näher zu betrachten. Ich fand in Brande- Hörnerkirchen einen Liegerad-produzenten Toxy (www.toxy.de), der es ermöglichte, Probefahrten mit seinen Fahrrädern zu machen. Nachdem ich mir dort versuchsweise dreimal eines geliehen hatte, stand mein Entschluss fest: Ich mache den Jakobsweg mit dem Liegerad. Anfang Oktober 2010 bestellte ich dann nach einer ausführlichen und sehr informativen Beratung mein Toxy- LT und konnte es nach ungefähr vierzehn Tagen abholen. Leider war es mir während des Winters (wegen des Wetters) und im Frühjahr (wegen vieler dienstlicher Verpflichtungen) fast nicht möglich, ausreichend und intensiv zu trainieren, so dass ich zu Beginn meiner Tour nur rund 300 km gefahren war. Ende Mai 2011 wurde ich aus dem Arbeitsleben verabschiedet, so dass ich nun genügend Zeit hatte, mein lange ersehntes Vorhaben in die Wirklichkeit umzusetzen. Die folgende Beschreibung meines Jakobsweges beruht im Wesentlichen auf den Tagebuchberichten, die ich während der Reise täglich per E-Mail an Freunde und Bekannte geschickt habe. Ich habe allerdings Schreib- und Grammatikfehler verbessert und auch einige Passagen ergänzt, wobei ich mich allerdings bemüht habe, inhaltlich keine gravierenden Änderungen vorzunehmen.
Bild 1: Jakobswege in Europa (Quelle: credential del peregrino)
Bild 1: Jakobswege in Europa
Quelle der Karte: Garmin Trip and Waypoint Manager v5 Vorbereitung Liegerad Ausrüstung Quellen und Links
Vorbereitungen und Ausrüstung Auf den folgenden Seiten gebe ich Hinweise zu meinen Vorbereitungen und zu der Ausrüstung bzw. dem Gepäck, das ich während meiner Pilgerfahrt dabei hatte.
Mein Jakobsweg mit dem Liegerad von Kiel nach Santiago de Compostela im Sommer 2011
Mein Pilgerweg
Hinweis: Die Kartenausschnitte der jeweiligen Tagesberichte beruhen auf Karten von Velomap.org The maps are copyrighted under CCBYSA 2.0 by http://openmtbmap.org
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