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© Hans Schönherr

Reise mit dem

Wohnmobil nach

Südengland

18. Juli - 9. August 2018

04.08.2018, Samstag: Salisbury – Southampton – Chichester – West Hythe (265 km) Als wir nach dem Frühstück losfahren wollen und Hans das Navi mit den entsprechenden Koordinaten füttert, ertönt urplötzlich laute Musik: Die Anlage geht wieder. Auch das Warndreieck ist nicht mehr zu sehen. Wir fahren also frohgemut los, nicht ohne vorher alle nötigen Ver- und Entsorgungen durchzuführen. Heute wollen wir noch einmal eine längere Strecke bewältigen. So sind wir dann kurz vor Dover und haben den Sonntag als Faulenzertag zur Verfügung. Die Straßen sind „rappeldickevoll“, und wir quälen uns über die Autobahn bis Chichester. Hier machen wir dann doch noch schnell einen kurzen Zwischenstopp bei Lidl, denn unser Mineralwasser geht zur Neige. Auf der Weiterfahrt beschließen wir, die Autobahn zu verlassen und querfeldein weiterzufahren. Jetzt sind die Straßen zwar nicht mehr so voll, dafür sind viele Trecker unterwegs, die in Anbetracht der schmalen Fahrbahnen nicht überholt werden können. Und wir sind wieder einmal mehr erstaunt, wie viele Kreisverkehre es hier gibt. Dadurch zieht sich die Fahrt ganz schön hin, und wir sind froh, als unser Tagesziel in Sichtweite ist. In West Hythe erreichen wir dann am Spätnachmittag den Campingplatz, auf dem wir bereits vor vierzehn Tagen zwei Nächte zugebracht haben. Heute sieht es so aus, als wenn kein Platz mehr zu haben ist. Stimmt aber nicht. Wir finden einen passenden Platz auf der Wiese, sind schnell eingerichtet und ich koche uns erst einmal einen Cappuccino, denn den habe ich jetzt nötig. Hans ist auch nicht abgeneigt. Bevor wir Montag die restlichen 30 Kilometer bis Dover in Angriff nehmen, ist erst einmal „Nichtstun“ angesagt. Übernachtungsplatz für zwei Nächte: Caravan and Motorhome Club, Lower Wall Road, West Hythe, Kent (Wir erhalten mit dem CCI-Ausweis Mitglieder-Rabatt) 05.08.2018, Sonntag: West Hythe Der Sonntag beginnt geruhsam. Timmi und ich machen einen längeren Spaziergang, bei dem wir an etlichen Gattern mit Schafherden vorbeikommen, und so werden wir von vielen neugierig dreinblickenden Schafen beäugt. Timmi hätte große Lust, die Schafe ein wenig aufzuschrecken, aber da wir hier Gäste sind, muss auch er sich benehmen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich es mir gemütlich, um zu lesen. Hans macht sich daran, sein Pedelec-Klapprad aufzubauen, denn er möchte zum Bahnhof in der Hoffnung, eine der Dampfloks, die hier in der Gegend ihre Runden drehen, im Einsatz zu sehen und zu fotografieren. Als er zurückkommt, erzählt er ganz begeistert von ganz kleinen Loks, die eine Menge Wagen hinter sich herziehen. Da ihm das Fahren mit seinem E-Bike so viel Spaß gemacht hat, fährt er gleich noch einmal los, um eine größere Runde zu drehen. Als er zurückkommt, berichtet er, dass man hier als Radfahrer nicht besonders geschätzt wird. Das ist bei den doch sehr engen Fahrbahnen nicht besonders schön, denn man wird ohne Respekt regelrecht an die Seite gedrängt. Trotzdem hat Hans sich gefreut, dass sein Fahrrad heute in Südengland rund 40 Kilometer zum Einsatz gekommen ist. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit genussvollem „Faulsein“ und den Abend wie fast alle Camper um uns herum, indem wir unseren Grill anwerfen. 06.08.2018, Montag: West Hythe – Dover – Calais (57 km) Heute geht unser Urlaub in Südengland zu Ende. Die Fähre, die wir gebucht haben, geht allerdings erst um 1.00 Uhr nachts. Es liegt demzufolge noch ein langer Tag vor uns. Und da wir den Platz spätestens um 12.00 Uhr verlassen müssen, überlegen wir uns, unsere letzten englischen Pfund in eine Fahrt mit der „Romney, Hythe & Dymchurch Railway“ zu investieren. Gegen Mittag brechen wir nach Hythe auf und finden in einer ruhigen Seitenstraße unweit des Bahnhofes einen Platz für unser Wohnmobil. Der (Senioren-)Fahrschein ist schnell gelöst, und die Dampflok steht auch schon bereit. Die Lok sieht fast aus wie eine Spielzeugeisenbahn, und um in die Wagen zu kommen, müssen wir uns sehr klein machen, damit wir uns keine Beulen holen. Timmi muss nichts bezahlen, aber beansprucht gut ein halbes Abteil für sich alleine. Als seine erste Aufregung vorüber ist und er den richtigen Platz gefunden hat, liegt er mit seiner Schnauze in der offenen Tür und hält seine Nase in die Luft. Die Dampflok nimmt schnell Fahrt auf. Wer hätte das gedacht, dass eine kleine Dampflok in der Lage ist, eine Vielzahl an Wagen und Fahrgästen in beachtlicher Geschwindigkeit hinter sich herzuziehen. Bis wir den Zielbahnhof in Dungeness erreichen, fahren wir an Häusern vorbei, deren Gärten fast bis zu den Bahnschienen reichen und deren Bewohnern man fast die Hand reichen könnte. Wir passieren Felder, die bereits abgeerntet sind und solche, die noch vor der Ernte stehen. Immer wieder fahren wir auch an Gattern mit Schafherden vorbei und zwischendurch passieren wir mannshohe Brombeerhecken, die zum Pflücken einladen. In Dungeness hält der Zug fast neben dem Leuchtturm. Wir steigen aus, um eine Stunde später wieder zurück zu fahren und spazieren in Richtung Meer. Als Timmi das Wasser riecht, gibt es für ihn kein Halten mehr. Da die Wellen des Ärmelkanals heute sehr gemäßigt daherkommen, darf Timmi ins Meer, eine willkommene Abkühlung bei der heißen Witterung. Die Rückfahrt beginnt zunächst mit einer Diesellok. Als wir in New Romney, dem dritten Bahnhof ankommen, geht es eine ganze Weile nicht weiter. Und als es dann endlich weitergeht, stellen wir fest, dass wieder eine Dampflok vor uns her fährt, was natürlich noch viel mehr Spaß macht. Als wir am Spätnachmittag wieder beim Wohnmobil sind, ziehen wir unser Abendessen, das aus Brot, Butter, Wurst und Käse besteht, vor, um uns dann noch ein wenig auszuruhen, denn die Nacht verspricht ziemlich kurz zu werden. Gegen 21.00 Uhr machen wir uns dann auf den Weg nach Dover. Unser Navi ist wieder einmal sprachlos – welch ein Ärger! Den Weg zur Fähre finden wir aber trotzdem ohne Mühe, denn der Weg ist perfekt ausgeschildert. Der Mitarbeiter am Schalter unserer Fähre kann uns die Fahrt für 23.00 Uhr anbieten, das ist rund zwei Stunden früher, als wir gebucht hatten. Wir haben dankend angenommen. In Calais angekommen ist es dann trotzdem schon 1.30 Uhr, denn die Stunde, die wir die Uhr auf dem Hinweg zurückstellen mussten, müssen wir sie nun wieder vorstellen. Noch am Hafen in Dover geben wir die Koordinaten für einen Stellplatz in Calais ein, allerdings können wir diesen Platz nicht finden. Wir finden aber einen Platz an einer breiten Straße mit angezeichneten Parkbuchten und so richten wir uns dort schnell für die Nacht ein. Übernachtungsplatz: An der Straße 07.08.2018, Dienstag: Calais – Gent – Antwerpen – Breda - Gorinchem (298 km) Gegen 9.00 Uhr werden wir wach und fühlen uns ganz gut ausgeruht. Nach Spaziergang und Frühstück geht es dann auch schnell auf die Autobahn. Der Verkehr rollt flüssig dahin, nur in Antwerpen stehen wir wieder im Stau. Das ist wohl immer so. Allerdings geht es relativ schnell wieder zügig voran: Vor zwei Wochen war das noch ganz anders! Wie vor gut 14 Tagen wollen wir unser Nachtlager wieder in Gorinchem aufschlagen, eine malerische Marina in Süd-Holland. Als wir gegen 15.00 Uhr dort eintreffen, kommt uns beim Aussteigen ein Hitzeschwall entgegen, der uns fast den Atem raubt. Kein Wunder, denn das Innere unseres Wohnmobils ist durch die Klimaanlage angenehm temperiert. Am Spätnachmittag erreicht das Thermometer zeitweise 38 Grad im Schatten. Gegen Abend ziehen einzelne dunkle Wolken auf. Und als wir dann in dem kleinen Restaurant der Marina beim Essen sitzen, kommen sogar ein paar Regentropfen herunter. Übernachtungsplatz: WSV de Merwede, Buiten de Waterpoort 8, 4201 CS GORINCHEM 08.08.2018, Mittwoch: Gorinchem – Utrecht – Lelystad – Leeuwarden – Uplengen (406 km) Der Morgen beginnt bedeutend kühler als in den vergangenen Tagen, denn nachts hat es geregnet, und der Wind frischt ordentlich auf. Eine Winterjacke ist aber trotzdem nicht erforderlich, und so mache ich mich mit Timmi auf den Weg in den Ort, um Frühstücksbrötchen aufzutreiben. Es macht Spaß, durch die malerischen Straßen zu laufen. Ich fühle mich dabei stark an Amsterdam erinnert. In einer kleinen Fußgängerzone finde ich, nachdem mir eine freundliche Frau erklärt hat, ich solle immer geradeaus gehen, auch einen Bäcker. Es gibt Kuchen in Hülle und Fülle, aber auch ein paar wenige Brötchen. Ich freue mich über meinen Einkauf und als ich mit Timmi zurück beim Wohnmobil bin, ist derTisch für unser Frühstück bereits gedeckt. Wir sind aber die einzigen, die draußen frühstücken, den anderen ist es wohl ein wenig zu „pustig“. Wir füttern unser Navi mit den entsprechenden Eckwerten, und da wir über das Ijsselmeer fahren wollen, wird die Strecke heute 100 Kilometer länger ausfallen. Insgesamt wird das heute mit 406 Kilometern auch die längste Teilstrecke unserer Reise. Schnell sind wir dann auch fahrbereit und machen uns auf den Weg. Wir kommen gut voran, an Utrecht vorbei bis Lelystad. Kurz danach fahren wir auf einen Damm, der sich Kilometer für Kilometer über das Markermeer links und das Ijsselmeer rechts spannt. Auf dem Fahrradweg neben der Fahrbahn kämpfen schwer bepackte Fahrradurlauber gegen den starken Wind. Beide freuen wir uns über die Fahrt auf dem imposanten Damm. Vom Beifahrersitz aus fotografiere ich in alle Richtungen in der Hoffnung, ein wenig von dieser außergewöhnlichen Stimmung einzufangen. Weiter geht es nach Norden, um dann die Autobahn, die über das Ijsselmeer führt, ostwärts zu fahren. Das Ijsselmeer liegt wieder rechts, und links befindet sich jetzt die Nordsee mit dem Wattenmeer. Beim ersten Rastplatz gönnen wir uns eine Kaffeepause, denn es liegen noch ein paar Kilometer vor uns. Nach der Überquerung der beiden Meere fahren wir dann noch einmal nach Norden bis Leeuwarden. Von dort aus geht es schnurstracks nach Osten. Nun ist es auch nicht mehr allzu weit bis zur Landesgrenze nach Deutschland. Nach einer trotz der vielen Kilometer schönen und entspannten Fahrt erreichen wir gegen 17.00 Uhr Uplengen und fahren direkt den Gasthof „Grüner Jäger“ an. Nach unserem Stellplatzführer soll hier die Möglichkeit bestehen, unentgeltlich zu übernachten. So landen wir also bei einem „ostfriesischen“ WoMo- Pub. Der Wirt gibt sich Hans gegenüber wortkarg: Ja, wir dürfen hier übernachten, ja wir können auch bei ihm essen und ja, wir dürfen den Hund mitbringen. Wir sind dann auch die einzigen Gäste. Für Timmi steht aber auch schon Wasser bereit und die Frau vom Wirt schmeißt für uns den Ofen an. Das Essen schmeckt ausgezeichnet, und auch der Wirt wird zunehmend gesprächiger. Als wir uns dann von ihm verabschieden, bringt er sogar ein Lächeln zustande. Übernachtungsplatz: Gasthof Grüner Jäger, Uplengen 09.08.2018, Donnerstag: Uplengen – Wischhafen – Kiel (293 km) Wir befinden uns fast schon auf der Zielgerade nach Hause. Morgens ist es sonnig, aber nicht allzu warm. Heute übernehme ich das Kaffeekochen und Hans dreht eine Runde mit Timmi. Ein Bäcker ist weit und breit nicht in Sicht, und so machen wir uns über das deutsche Sonnenblumenbrot her, das wir in England bei Lidl erstanden haben. Auf der letzten Teilstrecke wollen wir die Autobahn „links liegen lassen“, also kein Elbtunnel und hoffentlich auch kein Stau. Dafür aber Wesertunnel und Elbfähre. Wir kommen gut voran. Nach Varel und Bremerhaven geht es dann vor Bremervörde Richtung Wischhafen. Vor uns fahren fünf historische Lastkraftzüge, die sicher auch zur Fähre wollen. Wir geben Gas und fahren daran vorbei, denn diese Fahrzeuge beanspruchen mit Sicherheit viel Platz auf der Fähre und das würde unsere Wartezeit doch erheblich verlängern. Und so haben wir Glück und stehen ziemlich weit vorne in der Schlange, so dass wir auch schnell auf der Fähre sind. Und siehe da, auch die fünf Lastkraftzüge haben noch Platz gefunden! In Glückstadt angekommen, fahren wir an einer ziemlich langen Blechlawine vorbei. Ich habe großes Mitleid mit den Wartenden, denn bis die in Wischhafen ankommen, da können noch Stunden vergehen. Von nun an fahren wir durch Ortschaften, die uns vertraut sind. In Itzehoe fahren wir Schleichwege, die von früher bekannt sind, und in Aukrug gönnen wir uns eine Kaffeepause bei einem Bäcker. Hier überlegen wir uns, dass es Sinn macht, über Rendsburg zu fahren, denn da ist ein großer Stellplatz, und den wollen wir für die Entsorgung nutzen. Ein bisschen Autobahn kommt jetzt doch noch ins Spiel. Wir passieren die Rader Hochbrücke und sind dann auch schnell auf der Autobahn von Rendsburg nach Kiel. Gegen 15.00 Uhr kommen wir dann wohlbehalten und endgültig vor unserer Haustür an. Und damit endet eine wunderbare Reise, wie sie schöner kaum sein kann!
Reise nach Südengland Juli/August 2018 Reise nach Südengland Juli/August 2018