hs Reisen und mehr
© Hans Schönherr

Reise mit dem

Wohnmobil nach

Südengland

18. Juli - 9. August 2018

Hinweis: um die täglichen Fahrtstrecken anzuschauen, bitte auf die Routenüberschriften der jeweiligen Tage klicken! 18.07.2018, Mittwoch: Kiel – Geesthacht – Soltau – Nienburg (297 km) Schon lange ist es unser Ziel, noch nie hat es geklappt: Heute wollen wir für rund drei Wochen nach Südengland aufbrechen. Morgens werden erst die Blumen rund ums Haus mit viel Wasser versorgt (die Sonne scheint seit Wochen unermüdlich), und danach geht es daran, die nötigen Arbeiten im Haus zu beenden und Poldi zu beladen. Gegen 12.30 Uhr sitzen wir im Wohnmobil und los geht es: Südengland ist unser Reiseziel. Da Staus auf der Autobahn nach Hamburg und lange Wartezeiten für die Fähre Glückstadt vorher gesagt sind, schlagen wir die Richtung nach Geesthacht ein: Wir werden ja nicht getrieben, denn unsere Fähre nach Dover geht erst von Freitag auf Samstag. Bei Bad Segeberg knallt uns ein Stein an die Windschutzscheibe. Hans begutachtet die Stelle und ist zuversichtlich, dass wir ohne Probleme weiterfahren können. Im Anschluss an unsere Reise ist dann wohl eine neue Scheibe fällig (Anm: Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass sie sich reparieren ließ). Wir kommen ohne weitere Störungen gut voran, passieren Soltau und landen am frühen Abend in Nienburg. Hier hat Hans auf seiner Fahrradtour im Mai genächtigt und er will mich in das Restaurant einladen, in dem er damals ausgezeichnet gespeist hat. So beschließen wir den Abend mit einem Spaziergang an der Weser und einem genussvollen mexikanischen Gericht. Übernachtungsplatz: Wohnmobilstellplatz Nienburg 19.07.2018, Donnerstag: Nienburg –Sulingen – Diepholz – Lingen – Hengelo – Apeldoorn – Utrecht - Gorinchem (390 km) Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir zunächst einmal nur auf der Bundesstraße. Unterwegs mache ich noch einen kurzen Einkauf bei Lidl, denn wir wollen ja nicht hungern. Und wer weiß, wann wieder die Gelegenheit zum Einkaufen ist. In Lingen wird der Tank noch einmal gefüllt. Danach geht es auf die Autobahn, denn wir wollen uns am Freitag auf dem Weg zur Fähre nicht hetzen. Südlich von Lingen gelangen wir auf die Autobahn Richtung Niederlande und fahren auf der A1 über Hengelo nach Apeldoorn, dann auf der A28 nach Utrecht und schließlich auf der A27 nach Süden. Es ist ordentlich was los auf der Autobahn und immer wieder meldet unser Navi Staus. Trotzdem kommen wir ganz gut voran, denn die Staus stellen sich jeweils als zähfließender Verkehr heraus. Als Übernachtungsziel haben wir einen Stellplatz in Giessenburg im Auge. Allerdings kommt unser Navi mit den Koordinaten nicht klar; wir fahren gefühlt im Kreis herum und können den Platz nicht finden. Bei dem nächsten Platz in Gorinchem ist das Glück auf unserer Seite. Zunächst einmal sind wir aber sehr verwirrt, denn unsere Fahrt geht auf ganz schmalen Straßen direkt durch die Ortschaft. Zu guter Letzt landen wir aber in einer malerischen Marina mit sehr gepflegten Stellplätzen. Schnell sind wir eingerichtet. Hans macht einen ausgiebigen Spaziergang mit Timmi und ich fasse unsere Erlebnisse der letzten zwei Tage auf dem Computer zusammen. Der verbleibende Abend ist einer ausgiebigen Brotzeit vorbehalten. Übernachtungsplatz: WSV de Merwede, Buiten de Waterpoort 8, 4201 CS GORINCHEM 20.07.2018, Freitag: Gorinchem – Antwerpen – Gent – Deinze – Veurne – Calais (309 km) Als ich heute Morgen mit Timmi unterwegs bin, stelle ich fest, wie schön doch dieser Ort ist: Das Wasser, die vielen Boote im Seitenkanal und die liebevoll hergerichteten Grünanlagen laden zum Verweilen ein. Uns zieht es jedoch weiter, und nach einem ausgiebigen Frühstück geht die Fahrt durch das Städtchen auf demselben Weg zurück, den wir gestern gekommen sind, um auf die Autobahn zu gelangen. Zunächst einmal fahren wir auf der A1 Richtung Antwerpen. Unser Navi ist – wie so oft – recht eigenwillig, denn wir werden in Antwerpen nicht um den Ring herum, sondern auch durch Antwerpen gelotst (lag wohl nicht am Navi, sondern an der Einstellung der Routenoptionen). Weiter geht es auf der E17 Richtung Gent. Überall ist enorm hohes Verkehrsaufkommen, und so kommen wir nur sehr langsam und teilweise sehr zähflüssig voran. Von Gent aus ist die Weiterfahrt auf der E40 an die Küste nach Oostende geplant. Zunächst einmal wollen wir aber eine Mittagspause einlegen. Da die Rastplätze an der Autobahn übervoll sind, fahren wir kurzentschlossen von der Autobahn ab und landen in Deinze. Wir finden schnell einen großen Parkplatz und stärken uns mit Kaffee und Gebäck. Auf unserer Weiterfahrt bleiben wir zunächst einmal weg von der Autobahn und fahren auf der N35 nach Diksmulde. Die Fahrt ist lange nicht so anstrengend wie auf der Autobahn, und ich kann mir in Ruhe die Landschaft und die Häuser in den Ortschaften anschauen. Es gibt viele moderne Bauten, die aussehen wie Schuhschachteln, aber auch alte Häuschen mit verspielten Fassaden. Dazwischen sind aber auch viele verfallende und verfallene Gebäude zu erkennen. Bei Veurne erreichen wir die Autobahn E40. Da wenig Verkehr ist, kommen wir bis Calais gut voran. Wir fahren bis zur Fährstation in der Hoffnung, dort einen schönen Parkplatz zu ergattern, denn es sind noch einige Stunden bis zur Abfertigung. Das was wir dort sehen, gefällt uns aber nicht. Am Rand von Calais finden wir einen Platz, auf dem wir uns häuslich einrichten. Hans geht mit Timmi die Gegend erkunden, und ich werfe den Ofen an. Auf dem Speiseplan steht Putengeschnetzeltes mit Champignons und Gurkensalat. Um uns die Zeit bis zur Überfahrt zu verkürzen, sehen wir uns Inspektor Lewis im Fernsehen an. Dazu gibt es noch einen großen Pott Kaffee, denn wir müssen wach bleiben. Gegen 22.00 Uhr beschließen wir, zur Fähre zu fahren, um mit etwas Glück eine frühere Verbindung als die, die in unserer Buchungsbestätigung angeben ist, zu ergattern. Als wir dort ankommen, sind wir zunächst einmal erstaunt über die wenigen Fahrzeuge, hatten wir doch mir langen Warteschlangen gerechnet. Der französische Beamte winkt uns durch, am englischen Schalter müssen wir nur die Personalausweise vorzeigen und der Mitarbeiter vom Zoll will sich das Wohnmobil näher ansehen. Er schaut ins Bad, dann in den Kühlschrank und lässt sich außerdem die Garage öffnen, um einen Blick hinzuwerfen. Glücklicherweise hatte sich niemand im Kühlschrank versteckt. Da wir mit Hund verreisen, sind wir ein wenig angespannt, denn England ist für seine eigenwilligen Einreisevorschriften, Hunde betreffend, bekannt. Wir übergeben der Dame am DFDS-Schalter unsere Personalausweise und die Impfnachweise von Timmi. Diese drückt uns unverzüglich ein Gerät in die Hand, um den Chip an Timmis Hals sichtbar zu machen. Danach erhalten wir ein Klebeschild „PET“, der Hinweis für Hund, das wir an der Windschutzscheibe anbringen müssen und ein Schild, das anzeigt, von welcher Spur aus wir auf die Fähre gelangen. Sollte das tatsächlich schon alles gewesen sein? Die Fähre, mit der wir loskommen, fährt rund 1 ¼ Stunden früher los, als die von uns gebuchte, was uns sehr entgegenkommt. Als wir auf Deck 5 den Motor abstellen, fällt uns auf, dass wir von zu Hause bis hierher genau 1.000 Kilometer gefahren sind. Timmi muss im Wohnmobil bleiben, was er bereits kennt, und wir gehen auf Deck 7. Die Überfahrt geht reibungslos über die Bühne. Wir besorgen uns am Wechselschalter ein paar englische Pfund (zu einem unverschämt schlechten Wechselkurs), vertreiben uns die Zeit, indem wir ein wenig herumspazieren und dem Treiben der Mitreisenden zuschauen, die sich vielfach mit ihren Smartphones beschäftigen. In England ticken die Uhren anders; sie sind um eine Stunde zurück. Und so dauert die Überfahrt für uns nur 30 statt 90 Minuten. In Dover angekommen, sind wir die Ersten, die von Bord dürfen, und ab jetzt ist Linksfahren angesagt. Wenn wir jetzt auch noch schnell einen Übernachtungsplatz finden, wären wir überaus glücklich, denn wir sind mittlerweile doch sehr müde. Der offizielle WoMo-Platz ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Die nächste Möglichkeit ist ein Parkstreifen hinter der Strandbucht von Dover. Hier wird nach den Angaben unseres WoMo-Reiseführers das Übernachtstehen von Wohnmobilen geduldet. Wir haben großes Glück und können den letzten freien Platz ergattern. Durch gekonntes Rangieren gelingt es uns, unseren Poldi in der etwas zu kurzen Parkbucht abzustellen. Und in Windeseile verschwinden wir in unseren Betten. Übernachtungsplatz: An der Straße 21.07.2018, Samstag: Calais – Dover – West Hythe (48 km) Morgens stellen wir Beide fest, dass wir nicht sehr gut geschlafen haben. Timmi findet den morgendlichen Spaziergang auch ziemlich blöd: Kein Baum und auch kein Strauch, den es zu erschnüffeln gibt. Er bleibt immer wieder demonstrativ stehen und so kehren wir schnell wieder zum Wohnmobil zurück. Während des Frühstücks beschließen wir, den Kreidefelsen „White Cliffs of Dover“ einen Besuch abzustatten. Hier wollen wir auch den Gutschein für den „National Trust Touring Pass“ einlösen, den wir noch von zu Hause aus gebucht haben. Der Pass ist für zwei Wochen gültig und ermöglicht uns die freie Besichtigung einiger Hundert ausgewiesener Burgen, Schlösser und Parks, die unter der Verwaltung des National Trust stehen. Ohne Probleme, auch was das Linksfahren betrifft, fahren wir von Dover aus hoch zu dem großen Besucherparkplatz. Obwohl es noch nicht einmal Mittag ist, knallt die Sonne auf uns runter und es verspricht ein heißer Tag zu werden. Auf markierten Wegen unternehmen wir einen ausgedehnten Spaziergang mit imposanten Ausblicken. Der Hafen mit seinen Fähranlegern sieht von hier oben ziemlich klein und unscheinbar aus. Im Gegensatz zu unserer Abfahrt in Calais stehen unzählig viele Autos in Reih und Glied und warten auf ihre Abfertigung - und das auch ohne Brexit! Immer wieder bleiben wir stehen und bestaunen die Kreidefelsen. Zurück beim Wohnmobil lösen wir im Büro des National Trust erst einmal den Gutschein ein. Mit einer farbigen Broschüre und einer Landkarte, auf der alle Sehenswürdigkeiten markiert sind, werden wir von den freundlichen Mitarbeitern ausgestattet. Wir sind uns schnell einig, dass wir wohl nur einen Bruchteil davon schaffen werden, denn unsere Reise soll nicht über Südengland hinausgehen. Danach überlegen wir uns, ob es nicht Sinn macht, einen schönen Campingplatz aufzusuchen, um dort zwei Nächte zu bleiben und in Ruhe zu überlegen, wie und wo wir die nächsten Tage verbringen wollen. Außerdem sind wir doch ganz schön müde, denn die Nacht davor war nicht gerade sehr erholsam. Auf Empfehlung unseres WoMo-Reiseführers fahren wir 30 Kilometer nach Westen und erreichen in West Hythe einen großzügig angelegten Campingplatz, der einem das Gefühl gibt, inmitten eines riesigen Parks zu sein. Die Straße dorthin ist sehr eng, aber dennoch ziemlich befahren. Aber mit Rücksichtnahme auf beiden Seiten kommen wir unbeschadet an unser Ziel und freuen uns auf gemütliche Stunden, die allerdings bis abends durch eine „Mini-Fliegen-Plage“ getrübt werden. Übernachtungsplatz für zwei Nächte: Caravan and Motorhome Club, Lower Wall Road, West Hythe, Kent (Wir erhalten mit dem CCI-Ausweis Mitglieder-Rabatt) 22.07.2018, Sonntag: Faulenzertag Der Sonntag ist vormittags sonnig und sehr warm. Am Nachmittag ziehen dicke Wolken auf, die aber bis zum Abend verschwunden sind. Ich schreibe den Reisebericht der letzten zwei Tage und versende ein paar Grüße per SMS und Email. Außerdem befassen wir uns näher mit unserer Reiselektüre und der Planung, wie wir weiterfahren wollen. Alles in allem verbringen wir einen gemütlichen Tag, den wir mit Hähnchenfilets in Paprikasoße und Reis genussvoll zu Ende bringen. 23.07.2018, Montag: West Hythe – Dungeness – Rye – Bodiam Castle (82 km) Gegen 8.00 Uhr mache ich mich mit Timmi auf den Weg. Der Himmel ist strahlend blau, und es verspricht heute sehr heiß zu werden. Nach dem Frühstück und der Ver- und Entsorgung von Wasser und Abwasser sind wir startklar. Wir erreichen zügig in südlicher Richtung Dungeness. Hans fährt auf der linken Seite, als wäre er noch nie anders gefahren. Die Gegend um Dungeness besteht Meile für Meile aus nichts als Kieseln, wird aber in Großbritannien als Wüste bezeichnet. Es ist sogar die größte reine Kiesellandschaft der Erde. Wir fahren an Fischerhütten und Urlaubsdomizilen vorbei. Viele dieser Häuschen wirken windschief, nicht sehr gepflegt und auch zum Teil verlassen. Vielleicht leben hier ja Menschen, die sich von der Zivilisation ein wenig verabschiedet haben. Wir fahren, linkerhand das Meer bis zur Landspitze und erreichen den Leuchtturm, der es wert ist, als Erinnerungsfoto verewigt zu werden. Weniger wert verewigt zu werden ist dort stehende Atomkraftwerk, das die Gegend verschandelt. Auf unserer Weiterfahrt überqueren wir extrem schmale Gleise, auf der die kleinste Personeneisenbahn der Welt ihre Runden dreht (siehe hierzu den Bericht vom 6. August). Das nächste Ziel ist die Ortschaft Rye, im Mittelalter eine bedeutende Hafenstadt und später als Schmugglernest verrufen. Durch Versandung des Hafens versank Rye in späteren Jahren in der Bedeutungslosigkeit, konnte sich aber seinen historischen Ortskern bewahren. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, laufen über den Hof der Kirche „Saint Mary“ und bestaunen die alten zum Teil windschiefen Grabsteine. Der weitere Weg führt uns an Resten einer Burganlage vorbei, die aus dem 13. Jahrhundert stammt. Da es auf Mittag zugeht und wir Timmi nicht zu lange der großen Hitze aussetzen wollen, laufen wir gemächlich zurück zum Parkplatz und fahren weg von der Küstenregion weiter zum „Bodiam Castle“. Bodiam Castle ist ein von einem Wassergraben umgebenes Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert und eine der schönsten Burgen in England. Nachdem wir unsere Parkgebühr entrichtet haben, machen wir uns auf den Weg zum Castle. Timmi darf nicht mit in die Burg, springt dafür aber an einer für ihn zugänglichen Stelle begeistert ins Wasser. Hans geht zuerst auf Entdeckungstour, danach bin ich an der Reihe. Von außen ist das Castle nahezu unversehrt, dafür sind im Inneren nur mehr Bruchstücke erhalten geblieben. Trotzdem macht es Spaß, durch die Ruine zu schlendern und sich vorzustellen, wie das Leben wohl damals gewesen sein könnte. Nachdem wir Bodiam Castle einmal umrundet haben, setzen wir uns auf die Terrasse des angrenzenden Cafés, um unseren Durst und Hunger zu stillen. Zurück beim Wohnmobil beschließen wir, unsere Sightseeingtour für heute zu beenden und erreichen schnell den nahegelegenen Campingplatz „Park Farm Caravan & Camping“. Im Gegensatz zu den meisten anderen Campingplätzen, die wir schon erlebt haben, geht es hier kunterbunt zu. Jeder hat sein Domizil da aufgeschlagen, wo es ihm am besten gefällt. Und so haben auch wir uns schnell häuslich eingerichtet. Übernachtungsplatz: Park Farm Camping, Bailey Reed Farm, The Stage
Reise nach Südengland Juli/August 2018