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Fahrradreise 2012
11. Tag: Usti nad Labem - Radebeul gefahrene Kilometer 107 km Gesamtstrecke 562 km Wetter: vormittags sehr starke Bewölkung, wenig Wind, mittags ca. 12 Grd. C , ab mittags heiter bis wolkig, starker Wind meist von vorne   In der Nacht werde ich immer wieder von Geschrei und Gesang auf der Straße geweckt, bis es mir zu bunt wird und ich das Fenster zumache. Irgendwie liegt die Pension im Amüsierviertel von Usti. In der Nacht gibt es ein ziemlich starkes Gewitter, und es regnet ziemlich heftig. Morgens bin ich pünktlich kurz vor acht im Frühstücksraum. Ich darf mir aussuchen, ob ich den Kaffee als Nescafé oder türkisch haben möchte. Ich wähle türkisch, auch wenn ich dann den Kaffeesatz hinnehmen muss. Die Bedienung, eine alte Frau, ist sehr zuvorkommend. Sie schneidet mir mit einem scharfen Messer die Hörnchen, die es hier als Brötchenersatz gibt, auf. Mit normalen Messern ergibt es nur Krümel. Außerdem gibt sie mir einen Lappen, mit dem ich mein Fahrrad trocken wischen kann (es stand über Nacht im Hinterhof - zweifach angeschlossen).   Am Frühstückstisch unterhalte ich mich mit einem Berliner, der auch per Fahrrad unterwegs ist. Er ist schon 75 Jahre alt und wollte eigentlich bis Prag, hat sich aber in der Zeit verschätzt, so dass er in Usti umkehren muss.   Schnell finde ich den Weg aus der Stadt. Das Wetter ist besser als angesagt. Es sieht zwar bedrohlich aus, aber es regnet nicht. Im Gegensatz zur Beschreibung im Radwanderführer verläuft der Weg nicht entlang von Autostraßen, sondern fast bis Decín (Tetschen) auf nagelneuen Radwegen. In Decín verliere ich für eine Weile den richtigen Pfad, finde ihn aber bald wieder. Hinter Decín ist bis Bad Schandau ausschließlich Radweg angesagt. Es ist ein wunderschöner Weg. Die Elbe fließt rechts von mir. Links verläuft die Bahnstrecke. Vor mir schreckt eine Herde Pferde, die wohl ausgebüxt ist, auf und verschwindet im Galopp. Später kommen drei Mädchen, die die Pferde suchen. An einem Radfahrerunterstand mache ich Pause, um eine Schraube am Toxy nachzuziehen. Zu mir gesellt sich ein Tscheche, mit dem ich mich über Fahrradtouren unterhalte. Er ist in Dänemark und Schleswig-Holstein gewesen und die Elbe ab Brunsbüttel aufwärts gefahren. Heute will er noch bis Prag. Ich habe da so meine Zweifel ob er es schafft.   Ich passiere Bad Schandau und wechsele die Elbseite. Gegen 14:00 Uhr bin ich bereits in Königstein und fahre dort mit der Fähre wieder an das linke Ufer. Der Fährmann hält mich offensichtlich für verrückt, mit solch einem merkwürdigen Ding durch die Gegend zu fahren. Ich überlege, nachdem wir angelegt haben, was ich weiter tun soll. Ich könnte mir jetzt ein Zimmer suchen oder bei meiner Cousine anrufen, ob es ihr passt, wenn ich nicht erst morgen, sondern bereits heute bei ihr in Radebeul vorbeikomme. Es passt. Also mache ich mich auf den weiteren Weg - es sind doch noch eine Menge Kilometer bis dahin abzuradeln. Das Wetter wird von der Bewölkung her immer besser - auch die Sonne schaut öfters hervor. Allerdings wird der kalte Wind, der von vorne kommt, immer stärker. Ich fahre durch die sächsische Schweiz und genieße den Blick auf die Sandsteinformationen und die Bastei. Hinter Pirna wird das Elbtal weiter. Ich passiere Schloss Pillnitz und das "Blaue Wunder" - eine blau bestrichene Fachwerk- hängebrücke. Auch die neue Brücke, die Dresden den Status "Weltkulturerbe" kostet, ist bereits im Bau. Auf der rechten Elbseite sind prachtvolle Villen und Schlösschen, die an und in den Hang gebaute sind, zu bewundern.   Schließlich ist das Zentrum von Dresden erreicht. Ich überquere hier die Elbe und setze meinen Weg gen Radebeul fort. Nach insgesamt neun Stunden Fahrt und 107 Kilometern erreiche ich das Haus meiner Cousine Eva-Maria und ihres Mannes Matthias in Radebeul- Naundorf. Damit habe ich die längste Etappe geschafft, die ich bisher jemals gefahren bin, und das bei nicht gerade optimalen Wetter! Morgen und übermorgen gibt es keine Etappen, sondern Verwandtenbesuch und Dresdenbesichtigung. Ich habe - grob geschätzt - nun noch rund 700 km vor mir.
11. Tag - 12.5.2012
nächste Seite nächste Seite Quelle der Karte: Garmin Trip and Waypoint Manager v5