© Hans Schönherr 2012-2015
hs Reisen und mehr Fahrradreise 2012
10. Tag: Melnik - Usti nad Labem (Aussig) gefahrene Kilometer 75 km Gesamtstrecke 454 km Wetter: ganztägig sonnig, kaum Bewölkung, kaum Wind, mittags ca. 32 Grd. C., abends brütend heiß und windstill Die Nacht habe ich gut geschlafen. Das Frühstück ist gut, allerdings gibt es einen aufgebrühten Pulverkaffee, der nicht so ganz mundet. Aber ich denke: "andere Länder andere Sitten!" Kurz nach acht Uhr starte ich in sausender Fahrt bergab zur Elbe. Der Radweg Nr. 2 ist hier anders ausgeschildert, als im Radwanderführer beschrieben und auch der GPS-Track verläuft sehr abseits. Entgegen der Beschreibung geht es nicht auf der Landstraße, sondern über fast zwanzig Kilometer auf einem hervorragend asphaltierten Radweg an der Elbe entlang. Auf der einen Seite die tollen Wälder oder kleinen Dörfchen, auf der anderen Seite des Weges die Elbe - es ist richtig romantisch. Und die Sonne tut ihr Bestes, um alles aufzuwärmen. Bis Roudnice fahre ich linkselbisch, dann überquere ich den Fluss. Der Weg verläuft nun auf kleinen Nebenstraßen oder Feldwegen, die dann teilweise auch mehr als katastrophal sind. Ich muss höllisch aufpassen, um nicht zu stürzen. Aber man wird recht schnell wieder getröstet, indem es auf einen guten Weg geht. Es gibt kaum Anstiege, die jedoch fast alle fahrend zu meistern sind. In Litomerice (ehemals Leitmeritz) mache ich wegen des bekannten Marktplatzes Pause und trinke eine Cola. Es ist drückend heiß: 32 Grd. C. Den Abstecher nach Theresien- stadt spare ich mir - die zusätzlichen 10 km sind bei dieser Hitze einfach zu viel. Auch ohne diesen Umweg beträgt die heutige Etappe mehr als 70 km. Und ich glaube auch nicht, dass ich in meinem ausgepowerten und verschwitzten Zustand die notwendige innere Ruhe oder Konzentration für die Besichtigung gehabt hätte. Hinter Litomerice erreicht die Elbe die Böhmische Pforte. Es gäbe herrliche Fotomotive, doch leider macht mein Fotoapparat nicht mehr mit: "Systemfehler bei der Schärfeeinstellung" lautet die Fehlermeldung - das habe ich allerdings auch selbst gemerkt. Der Fotoapparat ist gerade einmal rund zwei Jahre alt - hoffentlich hat er noch Garantie!?!? Unterwegs unterhalte ich mich mit einer Holländerin aus Amsterdam, die mit ihren zwei Enkelinnen (ca. 10 Jahre alt) von Prag nach Dresden unterwegs ist. Da kann ich zu den Mädchen nur sagen, dass das eine tolle Leistung ist. Der zu große Vorderreifen schabt übrigens nicht mehr - er hat sich wohl abgeschabt!   Ich passiere die wuchtige Burg Schreckenstein, die alles überragt, allerdings ohne sie aufgenommen zu haben. Schließlich erreiche ich mein heutiges Tagesziel: Usti nad Labem. Ich schiebe das Toxy ziemlich lange durch den städtischen Verkehr, um die Pension Duel zu erreichen. Der Portier meint ziemlich aufgeregt, ich solle als erstes mein Fahrrad von der Straße holen, es würde sonst sehr schnell gestohlen werden. Die Pension wird zwar gerade renoviert, aber mein Zimmer ist ordentlich und "eigdottergelb" gestrichen - genauso wie gestern im Hotel Jaro. Ich dusche schnell und lege mich erst einmal hin.   Gegen 16:30 Uhr mache ich mich auf, um das Städtchen zu erkunden. Von der Hitze werde ich fast erschlagen. Zunächst hole ich mir noch ein paar Kronen aus dem Automaten - schließlich muss ich noch etwas essen und das Hotel bezahlen. Viel gibt es nicht zu sehen. da Usti im Krieg wohl sehr zerstört worden ist und der Kommunismus auch einiges platt gemacht hat. Die Kirche hat einen ganz schiefen Turm (1,92 m Abweichung von der Achse) - ein Relikt der Bombardierungen im 2. Weltkrieg. Inzwischen ist mir eingefallen, wie ich auch ohne Fotoapparat fotografieren kann: Ich habe mein Smartphone dabei, und das kann auch Fotos machen. Ich gehe schließlich in das traditionelle Restaurant Na Rychte  und bekomme endlich die heiß ersehnte Haxe mit Speckknödel! Dazu gibt es Bier, das durch die Gastwirtschaft noch selbst gebraut wird. Da alle Tische voll besetzt sind, fragt mich ein tschechisches Ehepaar, ob es sich dazu setzen darf. "Kein Problem"! Er kann einigermaßen deutsch, so dass eine nette Unterhaltung entsteht. Ich erfahre, dass er bis vor zwei Jahren Polizist gewesen ist, aber wegen des wesentlich besseren Verdienstes nun als Fernfahrer arbeitet. Auf dem Rückweg zur Pension mache ich noch in einem Café halt und genehmige mir einen Cappuccino. Für morgen hat der der eine Wetterbericht ganztägig Regen angesagt, der andere Wetterbericht nur für den Vormittag. Ich hoffe, der zweite hat recht.
10. Tag - 11.5.2012
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