7 Tage entlang der Elbe von Lauenburg nach Radebeul hs Reisen und mehr Elberadweg 2016 Home Impressum
© Hans Schönherr 2016
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Radtour entlang der Elbe von Lauenburg nach Radebeul (16. - 25. Juli 2016)

Prolog

Nach meiner Tour von München nach Kiel im letzten Jahr hatte ich mir eigentlich geschworen, nie wieder alleine auf eine mehrtägige Radtour zu gehen – die Nachmittage und Abende sind so einfach zu langweilig! Nachdem ich nun im Mai eine „Pedelec-Unterstützung“ (knapp 1900 €) habe einbauen lassen, war ich wieder total begeistert vom Liegeradfahren. Und die Beine „juckten“ wieder. Also überlegte ich mir während unseres Deutschlandurlaubs im Juni, wo es denn hingehen könnte. Mein Entschluss war schnell gefasst: Elberadweg – diesmal von „unten“ nach „oben“. Auch wenn ich schon mal von Prag nach Lauenburg gefahren bin, denke ich, dass ich in der Gegenrichtung viel neues sehen kann – zumal es ja auch noch eine zweite Elbseite gibt, die teilweise auch beradelt werden kann. Nach ein paar Tagen Zuhause geht es am Samstag, den 16. Juli los nach Radebeul!

Samstag, 16. Juli 2016

Kiel – Lauenburg (mit dem Zug) – Bleckede – Neu Darchau –

Hitzacker

rd. 55 km mit dem Liegerad, bewölkt, meist „Schiebewind“

Um 8:25 Uhr fahre ich mit der Regionalbahn von Kiel-Russee nach Kiel Hbf. In Russee steigen an dem neu gebauten Haltepunkt offensichtlich so wenig Personen ein, dass man dem Lokführer ein deutliches Zeichen geben muss, damit er anhält. Im Hauptbahnhof steige ich in den Zug nach Lüneburg um, muss jedoch auch erst zwei Frauen bitten, ihre Sitze freizugeben, damit ich das Liegerad unterbringen kann. In Lübeck und Büchen hat der Zug je 20 Minuten Aufenthalt – merkwürdige Fahrplangestaltung! In Lauenburg erreicht der Zug die Elbe, ich steige aus und bin gleich nach dem Bahnhof an der Brücke über die Elbe. Ich möchte heute linkselbisch bis nach Hitzacker fahren, deshalb geht es, nachdem ich mein Gepäck (zwei Fahrradtasche und eine Quertasche) nochmals ordentlich verstaut und befestigt habe, gleich auf die ziemlich lange Brücke über die Elbe. Nachdem ich die Bundesstraße verlassen habe, fährt vor mir ein kleines Mädchen mit seinem Roller auf dem Radweg. Auf mein Klingeln hin sperrt es – wohl vor lauter Schreck – mit dem Roller den kompletten Radweg, so dass mir nichts anderes übrig bleibt, als in den Graben zu fahren. Glücklicherweise verletze ich mich nicht – lediglich das Gepäck muss ich neu befestigen. Ich halte im übrigen noch öfter einmal an, um das Gepäck so zu verstauen, dass alles am richtigen Platz ist. In Barförde erreiche ich eine Umleitung für Radfahrer, die vom Elberadweg weg ins „Nichts“ führt. Mühsam suche ich deshalb den Weg nach Brackede, wo ich den Elberadweg wieder erreiche. In Bleckede wird mein Weg durch einen Umzug der Schützenvereine gebremst. Nachdem ich mir das etwas lächerliche, pseudomilitärische Getue eine Weile angesehen habe, suche ich mir einen anderen Weg, um voranzukommen. Zwischen Bleckede und Alt Garge ist der Radweg eine Schotterstrecke, obwohl im „Bikeline- Führer“ als asphaltiert ausgewiesen. In den nächsten Tagen stelle ich übrigens fest, dass dieser Führer hinsichtlich der Wegbeschaffenheit schlecht recherchiert ist und häufig falsche Angaben macht, obwohl die Auflage von 2016 ist! Hinter Neu-Darchau wird es bergig! Hier bewährt sich mein Pedelec erstmals wirklich sehr, sehr gut. Ohne die Unterstützung hätte ich jetzt etliche Kilometer bergauf schieben müssen (Steigung bis 17%!!!). Nach rund 55 Kilometer erreiche ich die Jugendherberge von Hitzacker, wo ich bereits ein paar Tage zuvor ein Einzelzimmer reserviert habe (36,50 € mit Frühstück, Betten selbst beziehen). Nachdem das Zimmer in Besitz genommen und das Toxy im Fahrradkeller verstaut ist, mache ich einen Spaziergang in das wunderschöne Städtchen Hitzacker (rd. 2,5, km). Es geht die gesamte Strecke bergab. Nach einem einfachen, aber mit Touristenpreisen zu zahlenden Abendessen geht es zurück in die Jugendherberge, wo ich das Tagebuch (diesmal handschriftlich in Kladde) schreibe und die Tour für morgen plane. Ich lasse mir dabei ein Weißbier schmecken. Übrigens: Von der Elbe habe ich heute nicht viel gesehen! Der Weg verläuft teilweise sehr abseits. Ich denke, dass ich morgen bei Dömitz die Elbe überqueren und dann rechtselbisch bis Wittenberge fahren werde.

Sonntag, 17. Juli 2016

Hitzacker – Dömitz (linkselbisch) – Wittenberge (rechtselbisch)

rd. 75 km In der Nacht habe ich relativ gut geschlafen. Das Wetter mit ziemlich verhangenem Himmel macht nicht unbedingt Lust, los zu fahren. Also gilt es zunächst einmal reichlich zu frühstücken. Wie immer ist das Angebot in der Jugendherberge mehr als ausreichend, und ich werde satt. Allerdings ist es mir peinlich, Brötchen für unterwegs  - wie andere hier – zu schmieren; also lasse ich es sein. Nachdem ich das Bett, wie es sich in Jugendherbergen gehört, abgezogen habe und das Toxy beladen ist, mache ich mich auf den Weg. Ich habe noch keine Ahnung, wie weit ich fahren möchte, wähle aber zunächst den linksseitigen Radweg. Bis Hitzacker gibt es zunächst eine zwei Kilometer lange Abfahrt, die den Tag gut beginnen lässt. Der Weg geht auf guten Radwegen auf dem Deich entlang. Überall sind Schafherden als „Landschaftspfleger“ unterwegs. Ein paar Meter vor mir landet ein Storch auf dem Radweg und lässt sich von allen Seiten fotografieren. Störche gibt es hier im übrigen massenhaft, sie sind nichts Besonderes. In den Dörfern links und rechts des Weges sind überall Masten aufgestellt, auf denen Storchenpaare ihren Nachwuchs großziehen. Kurz vor Dömitz überquere ich dann die Elbe auf einer langen, verkehrsreichen Brücke. Ich passiere das historische Städtchen Dömitz und fahre jetzt rechtselbisch weiter, weil der Weg auf der linken Seite laut Karte einige Umwege verspricht. Der Radweg (gut zu befahrender Schotter) führt nun zum allergrößten Teil auf dem Deich entlang, sodass ich gute Aussicht auf die Elbauen habe. Gegen 13:00 Uhr mache ich Mittagspause unterhalb eines Storchennestes, in dem das erste Jungtier seine Flugversuche unternimmt. Großen Hunger habe ich nicht, sodass die Mahlzeit lediglich aus einer Birne, zwei Schokoriegeln und etwas Wasser besteht. Ich kann viele Vögel beobachten, die das Auengebiet bevölkern. Neben den bereits genannten Störchen sind das u.a. Falken, Milane, Seeadler, Bussarde, Stare, Fischreiher , Enten, Gänse und viele mehr. Manchmal wähle ich den Deichverteidigungsweg, der am Fuß des Deiches entlang führt und teilweise sehr gut asphaltiert ist. Die letzten 20 Kilometer bis nach Wittenberge kann man so auch ganz gut windgeschützt fahren. Den Pedelec-Antrieb benutze ich fast nur bis zur Stufe 3 (etwa bis 16 km/h) , sodass ich fast die gesamte heutige Strecke meist mit eigener Kraft fahre (Durchschnittsgeschwindigkeit knapp 20 km/h). In Wittenberge angekommen lasse ich die Erlebnisse des Tages erst einmal ein wenig sacken. Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und ich suche mir eine Bank am Elbufer oberhalb des Jacht- und Wohnmobilhafens von Wittenberge. Hier habe ich einen schönen Ausblick auf die ruhig dahin fließende Elbe. Zu mir setzt sich ein älterer Herr, der mir ein wenig aus seinem Leben erzählt (Witwer, über 90 Jahre alt), sehr interessant und teilweise bewegend, wie er über seine verstorbene Frau spricht und mir von seinen Unternehmungen erzählt, die er immer noch nach dem Motto „wer rastet, der rostet“ vorhat. Auf der anderen Straßenseite sehe ich das Café zur Möwe, wo ich nach einem Zimmer nachfrage. Für 40€ erhalte ich ein nettes Zimmer mit Blick auf die Elbe und mit Frühstück. Für das Toxy gibt es eine eigene Box. Im Café genehmige ich mir einen Pott Kaffee, ein Stück Torte und als Abschluss ein Weizen (7,70€ - sehr preiswert). Die Torten werden von der Chefin des Hauses selbst gebacken! Nachdem ich mich „schön“ gemacht habe, unternehme ich einen kleinen Bummel (ca. 250m) zum Restaurant „Fährmann“ und suche auf der Terrasse einen Platz mit Blick auf die Elbe – leider sind alle Tische belegt, so dass ich bei einem einzelnen älteren Mann nachfrage, ob ich mich dazu setzen darf. Ich darf, und es entwickelt sich daraus ein interessantes und langes Gespräch über Reisen, wie es früher in der DDR war und über „Gott und die Welt“. Und außerdem habe ich gut gespeist. Ich finde, es war ein durchaus gelungener zweiter Tag auf meiner Radtour entlang der Elbe!

Montag, 18. Juli 2016

Wittenberge – (linkselbisch) Werben – Dalchau – Arneburg –

Tangermünde – Grieben

87 km, Wetter: bis nachmittags bewölkt, dann sonnig Nach einer guten Nacht in der netten Pension „zur Möwe“ und einem wirklich ausgezeichneten Frühstück geht es bei verhangenen Himmel und wenig sommerlichen Temperaturen nun Richtung Süden weiter. Ich durchquere Wittenberge auf einem etwas merkwürdig geführten Radweg – anstelle den direkten Weg an der Elbe entlang werde ich auf holperigem Kopfsteinpflaster erst einmal in das „Stadtzentrum“ geleitet, um dann auf noch holperigeren Straßen wieder an die Elbe zu gelangen: Hier tut man etwas für die radelnden Gäste! Nun geht es auf die andere Elbseite. Hierzu fahre ich auf der Eisenbahnbrücke mehrere hundert Meter (1,6 km) auf einem elend schmalen kombinierten Fuß-/Radweg, der mit ziemlich ausgeschlagenen Holzbohlen belegt ist und entsprechende Ratter-Geräusche macht. Linkselbisch geht es nun weiter – meist auf dem Deich entlang. Der Weg ist teilweise nicht besonders gut, lässt sich aber noch einigermaßen befahren. Links von mir passiere ich das „Biosphärenreservat Mittelelbe“. Wieder gibt es viele verschiedene Vogelarten zu sehen, von denen ich die meisten aber nicht kenne (Bildungslücke). Hinter Beuster lässt sich auf der anderen Elbseite das Storchendorf Rühstädt erahnen, das angeblich die meisten Storchenpaare Deutschlands „beherbergt“. Weiter geht es entweder auf oder neben dem Deich nach Werben. Ich habe nicht viel Lust, mir diese Orte näher anzuschauen: viel altes und verfallendes oder schon verfallenes. Hinter Werben verläuft der Radweg teilweise häufig auch auf Straßen, die Ausschilderung ist oft ziemlich schlecht, so dass häufig Zweifel entstehen, wo es denn weiter geht. Anhand der mitgeführten Landkarten kann ich diese dann aber leicht ausräumen. Ein paar Mal queren Rehe vor mir den Weg, allenthalben sind bewohnte Storchennester zu bewundern. Die Strecke geht vorbei am ehemaligen Kernkraftwerk Stendal weiter über Dalchau nach Arneburg. Dieser Weg ist eine Abkürzung abseits des Elberadweges ohne separaten Radweg, aber auch ohne viel Verkehr. Allerdings spare ich mir etliche Kilometer Umweg und genieße auch so die Fahrt. In Arneburg finde ich einen Supermarkt, in dem ich meine Vorräte auffülle (Obst, Wasser, Brotzeit). Nachdem ich mich ein wenig gestärkt habe verlasse ich das kleine Städtchen, um auf einen Radweg zu gelangen, der diese Bezeichnung kaum verdient. Es handelt sich eher um einen schlechten Feldweg mit langen Steigungen und Abfahrten, die man aber wegen des schlechten Straßenzustandes nicht mit Genuss hinab fahren kann. Hier macht sich der Pedelec-Antrieb aber wieder einmal bezahlt: Ich kann die Steigungen ziemlich entspannt bewältigen. Um 13:30 Uhr bin ich schon in Tangermünde, das heute eigentlich mein  Ziel sein sollte. Nachdem es allerdings noch so früh am Tag ist, entschließe ich mich dazu, noch ein wenig weiter zu fahren (evtl. bis Rogätz?). Allerdings winkt in Grieben (15 km hinter Tangermünde) für 33 Euro ein Zimmer mit Frühstück, so dass ich nicht „nein“ sagen kann. Leider ist es nicht ganz einfach, die Pension zu finden – ich brauche eine dreimalige telefonische Nachfrage, bevor es mir gelingt, das heutige Etappenziel zu finden und zu erreichen. Es ist ein einfaches, aber ruhiges Zimmer. Es gibt in Grieben sogar einen Gasthof, der geöffnet hat, sodass ich abends nicht verhungern muss. Dienstag, 19. Juli 2016 Grieben – Rogätz – (rechtselbisch) Niegripp – Hohenwarthe – Magdeburg – (linkselbisch) Schönebeck – Barby 85 km, Wetter: morgens bewölkt, ab mittags blauer Himmel (und sonnig) Heute mag ich nicht aufstehen – im Bett fühlt es sich so „wohlig“ an. Aber es nützt nichts, es muss weiter gehen, sodass ich „schon“ um 7:45 Uhr endlich aufstehe. Das Frühstück gibt es im Griebener Hof, einem Bauernhof, der etwas von den Zimmern entfernt liegt. Nach einer kurzen Radelstrecke erreiche ich den Hof und genieße das ausgezeichnete rustikale und reichhaltige Frühstück. Den Weg empfinde ich anfangs als etwas langweilig. Die Ortsdurchfahrten sind zum großen Teil neu gepflastert, allerdings mit sehr unregelmäßig geformten Steinen, sodass es wohl historisch sein soll, allerdings für Radfahrer eine Zumutung darstellt. Ich hoffe inständig, dass mein Gepäckträger dieses Gerumpel aushält. In Rogätz geht es mit einer Fähre für 1,50 € über die Elbe. Leider ist der Elberadweg hier zunächst gesperrt, sodass ich auf die Landstraßenumleitung ausweichen muss. In Hohenwarthe schaue ich mir die imposante Schleuse vom Mittellandkanal zum Elbe-Havel-Kanal an – wirklich beeindruckend. Dann geht es weiter durch schöne und weitläufige Auenlandschaft nach Magdeburg. Unterwegs treffe ich einen seltsamen „Heiligen“, der mit Fahrrad und Einradanhänger unterwegs ist. Er erzählt mir, wo er überall schon war – angeblich zu Fuß bis Santiago: Hier scheint er sich allerdings stets zu verirren, er hat erhebliche Probleme seine Landkarte zu lesen bzw. die Campingplätze, auf denen er übernachten will, zu finden. In Magdeburg wechsele ich die Elbseite. Es geht nun wieder linkselbisch auf dem Elberadweg (alternativ) weiter. Teilweise geht es durch dichtes Verkehrsgewühl. Teilweise am Fluss entlang auf Schotterwegen. Teilweise führt der Weg ins Nichts (Baustelle), allerdings fehlen auch die Hinweisschilder, sodass der arme Fahrradtourist sich allein gelassen fühlen muss. Ich durchquere Schönebeck (mit unterbrochener Wegweisung) und gelange nach Barby, wobei ich hier für die letzten 15 Kilometer auf die Nutzung des Elberadweges verzichte und so gezwungen bin, einige Kilometer auf der viel befahrenen Bundesstraße – ohne Radweg – klar zu kommen. In Barby habe ich keine Lust mehr, noch weiter zu fahren. Ich erinnere mich auch an die Pension, in der ich bereits vor vier Jahren zu Gast sein durfte: „Zu Haus in Barbogy“ (40 € mit Frühstück). Ich bekomme erst einmal ein Bier gegen den Durst und werde anschließend von der Chefin zu Kirschkuchen mit Sahne und Kaffee eingeladen, den ich zusammen mit ihrem Mann verdrücke, während sie wegen eines frisch gezogenen Zahnes nur zuschauen darf. Nach dem mal wieder erforderlichen Wäschewaschen nehme ich mein Abendessen beim „Chinesen“ zu mir, wobei mir dann einfällt, dass ich vor vier Jahren hier auch schon gegessen habe. Das Hefeweizen kostet nur erstaunliche 2,20 €. Zurück in der Pension stelle ich fest, dass die Chefin meine frisch gewaschenen Sachen zwischenzeitlich etwas ordentlicher aufgehängt hat – toller Service! Morgen möchte ich bis Lutherstadt Wittenberg fahren – es soll allerdings warm werden! Mittwoch, 20. Juli 2016 Barby – (rechtselbisch) Walternienburg – (linkselbisch) Aken- Dessau – Vockerode – Wörlitz – Wittenburg 75,5 km, Wetter: sehr schön, aber heiß, fast windstill In der Pension „Zu Haus in Barbogy“ gibt es ein sehr gutes und reichliches Frühstück, von den vier angebotenen Brötchen schaffe ich nur zwei. Aber der Tag startet gut, und das Wetter ist vielversprechend. Ich starte wohlgelaunt in den Tag und bin bald an der Gierseilfähre angelangt, die mich über die Elbe bringen soll. Die Strecke führt über viele Kilometer durch ausgedehnte Wälder auf allerdings gut ausgebauten Wegen. Bei Aken geht es erneut mit einer Gierseilfähre über die Elbe. Ich folge einer „radwegbegleiteten“ Bundesstraße bis kurz vor Dessau. In Dessau ist der Weg mal wieder schlecht ausgeschildert, sodass ich ihn kurzzeitig verliere – ist aber nicht so schlimm, schließlich habe ich einen deutlich ausgeprägten Orientierungssinn, der mich wieder auf den Weg zurückführt. Auch in Vockerode fehlen die Wegweiser gänzlich oder sind so angebracht, dass sie nicht zu sehen sind. In Wörlitz habe ich mir ein Erfrischungsgetränk verdient. Im „Cafe am Eichenkranz“ versuche ich eines zu bestellen. Leider reagiert die Bedienung nicht auf meine Versuche mit ihr zu kommunizieren. Schließlich bequemt sie sich doch mit den Worten „wer mich mit Hallo anspricht, den bediene ich nicht!“ So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich mache ihr deutlich, dass ich das als Unverschämtheit betrachte, worauf sich unsere Wege scheiden, schließlich gibt es auch noch andere gastlichere Gartenwirtschaften. Nachdem ich mich erfrischt habe, geht es lange Strecken bei sengender Sonne meist am Deichfuß entlang bis nach Lutherstadt Wittenberg. Hier übernachte ich im Hotel Elbblick, das mit 45 € die teuerste und auch die schlechteste Unterkunft meiner Fahrradreise ist. Die schlechteste, weil es von draußen laut ist und die Toilette sowie das Bad nur über den Flur erreichbar sind. Ich mache einen ausgedehnten Stadtbummel, besichtige die Stadtkirche, in der Luther Pfarrer gewesen ist und genehmige mir ein ordentliches Abendessen. Wittenberg macht sich fein für das Martin-Luther-Jubiläumsjahr. Überall ist die Stadt herausgeputzt – sehr hübsch! Meine Cousine in Radebeul informiere ich telefonisch, dass ich voraussichtlich schon am Freitag ankommen werde, und für die Rückfahrt am Montag buche ich über das Internet eine Sparpreisfahrkarte (37 €). Donnerstag, 21. Juli 2016 Wittenberg – Elster – (linkselbisch) Pretsch – Torgau – (rechtselbisch) Mühlberg (Elbe) 96,4 km, Wetter: kühl, „bedrohliche“ Wolken, windig, ein kleines Nieselschauerchen Zu den Unzulänglichkeiten des Hotels gesellen sich beim Frühstück noch vier schlecht aufgebackene „Minibrötchen“, die gerade ausreichend sind, den Hunger zu stillen. Ich verlasse Wittenberg schon gegen 8:00 Uhr. Am Rathaus mit den Denkmalen von Luther und Melanchton vorbei geht es durch die historische Mittelstraße Richtung stadtauswärts. Der weg führt teilweise auf Straßen mit Radwegen, häufig fehlen diese jedoch auch. Schön wird es, wenn ich abseits des Verkehrs durch die Auen oder am oder auf dem Deich fahren kann. Teilweise hat es über Nacht geregnet, und es steht Wasser in den Pfützen. Der Himmel sieht bedrohlich aus, der Regen verschont mich aber bis auf einmal, als ein Minischauerchen mich erwischt – ich kann gerade noch rechtzeitig in ein Buswartehäuschen fliehen. Bei Pretsch geht es erneut mit einer Gierseilfähre über die Elbe. Mir fällt ein Plakat am Wegesrand auf, wo für „Wurscht mit Durst“ geworben wird. Bei „Achim“ mit seinem mobilen Imbiss gibt es eine Bockwurst mit einem feinen Bierchen. Mit Achim, der schon lange Rentner ist, verplaudere ich dann noch ein halbes Stündchen über alles Mögliche und mehr oder weniger Wichtige. Ich gelange nach Torgau und habe damit eigentlich mein für heute geplantes Etappenziel erreicht. Ich habe allerdings noch genug Lust, um weiter zu fahren. Außerdem möchte ich mal ausprobieren wie lange der Akku vom Pedelec noch reicht. Also nehme ich mir als neues Ziel Mühlberg (Elbe) vor. Damit bleiben mir für morgen bis Radebeul noch etwa 60 km. Kurz vor Mühlberg verabschiedet sich der Akku, sodass ich die letzten zwei Kilometer ohne Unterstützung auskommen muss. Ich bin froh, als ich nach 96 Kilometern ein kleines, aber ausreichendes Zimmer (33 €) beziehen kann. Glücklicherweise kann ich auch hier etwas zum Abend essen (Forelle ohne Gräte) kann. Ich habe wahrlich keine Lust mehr, das Städtchen zu besichtigen, auch wenn das sehr empfohlen wird. Freitag, 22. Juli 2016 Mühlberg – Röderau – Nünchritz – Diesbar – Meißen – Radebeul 60 km, Wetter: angenehme Temperaturen, heiter bis wolkig, kein Regen, kaum Wind Heute gilt es, den letzten Abschnitt meiner Tour entlang der Elbe in Angriff zu nehmen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Strecke in zehn Tagen zu schaffen, habe aber auch nichts dagegen, dass heute erst der siebente Tag ist, an dem ich mein Ziel erreichen werde. Zum Frühstück gibt es vier Minibrötchen, die aber ausreichend sind. So kann ich gestärkt in den Tag starten. Es scheint wieder relativ warm zu werden. Der erste Abschnitt des Weges ist eine Abkürzung, die schmal und wegen des Matsches fast unbefahrbar ist. Aber ich kürze damit den offiziellen Weg um ein paar hundert Meter ab. Nach einiger Zeit geht es aber auf gut ausgebautem Weg zügig weiter. Einmal fahre ich aus Versehen auf der Landstraße weiter, statt dem Radweg zu folgen – macht nichts, spare ich dadurch doch ein paar Kilometer. Bei Gohlis und Promnitz gibt es ein paar Umleitungen für Radfahrer, die jedoch wieder für zusätzliche Kilometer sorgen. An einer Stelle ist der Radweg auf eine Länge von 150 m mit denkmalgeschütztem „Natursteinpflaster“ (historisch) versehen, was äußerst gefährlich ist. Bald wird die Gegend für mich bekannter:  Ab Seußlitz verschwinden die Elbauen, und das Mittelgebirge rückt an die Elbe heran. Weinberge an den Hängen bestimmen nun das Landschaftsbild. An einem Rastplatz mache ich mittags eine Stunde Pause, ehe ich mich an Meißen vorbei auf die letzten Kilometer nach Radebeul aufmache. Gegen 13:00 Uhr erreiche ich mein Ziel und werde von dem Mann meiner Cousine herzlich begrüßt. Ich freue mich auf die Dusche, die ich dann auch ausgiebig nutze. Abends wird der Grill angeworfen, und wir haben einen schönen Abend mit netten Gesprächen. Epilog Ich bleibe noch zwei Tage bei meinen Verwandten. Samstags mache ich einen Bummel durch Dresden – ich fahre in Kindheitserinnerungen schwelgend eine Runde mit der Parkeisenbahn. Am Sonntag fahren wir gemeinsam ins Elbsandsteingebirge und machen dort eine Autorundtour. Am Montag schließlich fahre ich mit dem Intercity nach Kiel zurück – das Liegerad lasse ich in Radebeul. Wir werden es im September mit dem Wohnmobil dort abholen. Alles in allem war es eine schöne Radtour – der Pedelec-Antrieb hat sich bewährt. Insbesondere bei Steigungen ist er hilfreich, ansonsten habe ich ihn wirklich nur selten eingesetzt. Ich denke, dass ich Lust habe, im nächsten Jahr erneut auf Radtour zu gehen. Leider hat sich nach der Tour herausgestellt, dass die Kamera ziemlich unscharfe Fotos lieferte, sodass ich mit der Qualität eigentlich nur unzufrieden sein konnte. Zwischenzeitlich habe ich die Kamera gegen eine FZ1000 von Panasonic eingetauscht, sodass mir zukünftig hoffentlich zumindest scharfe Fotos  gelingen!
Blick auf Lauenburg Impressionen aus Hitzacker Impressionen aus Hitzacker Impressionen aus Hitzacker Blick auf die Elbauen Jugendherberge Hitzacker - sie liegt weit oberhald der Stadt der hat keine Angst vor mir Flugversuche Ruhe nach der Fahrt Ab und zu eine Ortschaft - ansonsten endlose Elbauen Tangermünde Tangermünde - Rathaus in Rogätz warte ich auf die Fähre Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal bei Hohenwarthe Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal bei Hohenwarthe Kunst Lutherstadt Wittenberg Lutherstadt Wittenberg Lutherstadt Wittenberg Lutherstadt Wittenberg alte Technik funktioniert - Gierseilfähre alte Technik funktioniert - Gierseilfähre Impressionen aus Dresden Impressionen aus Dresden Impressionen aus Dresden Impressionen aus Dresden Impressionen aus Dresden zurück nach oben